Engineering-Dienstleister: Verschwiegene Branche
Engineering-Dienstleister arbeiten oft im Verborgenen. Als Externe übernehmen sie Projekte, die den Herstellern eine flexible Planung ermöglichen. Für Ingenieure heißt das viel Abwechslung.

- Die verborgene Arbeit von externen Engineering-Dienstleistern steckt in vielen Produkten der Automobilindustrie. (Bild: Andreyuu/ iStock)
Die meist mittelständischen Ingenieurbüros hängen – je nach Spezialisierung – am Nabel der Automobil- und Zulieferindustrie. Zieht die wieder an, profitieren auch Ingenieurbüros. Die Dienstleister können eine attraktive Alternative für Nachwuchsingenieure sein. Ihr Potenzial wird häufig unterschätzt.
Denn ihr Know-how steckt in vielen Produkten der Automobilindustrie. Aber das steht nicht drauf. Es ist eine verschwiegene Branche, die mit dem Wermutstropfen leben muss, dass die Öffentlichkeit eigentlich kaum etwas darüber weiß, was genau sie tut. Auch die Auftraggeber hängen es kaum an die große Glocke, wenn Neuentwicklungen nicht mit ihrem eigenen Know-how entstanden sind. Dabei werden viele Aufträge nach außen gegeben. Von kleinen Teilprojekten bis zu mehrjährigen Entwicklungen ist alles möglich. Ingenieurbüros übernehmen Aufträge in der Produktentwicklung genauso wie in der Konstruktion, beim Testen, beim Bau oder bei der Simulation von Prototypen. Vor allem mittelständische Unternehmen halten nicht immer eigene Abteilungen für aufwendige Entwicklungen bereit, sondern lagern solche Projekte aus.
Großer Dienstleistungssektor
Laut des Verbands beratender Ingenieure (VBI) gab es in Deutschland 2010 rund 61.000 mittelständische Ingenieurbüros mit einem Umsatzvolumen von etwa 35 Milliarden Euro. Die Größenordnungen variieren: vom Ein-Mann-Büro bis zum global agierenden Unternehmen, wie etwa dem Arbeitgeber von Steffen Niemeyer. Dort sind mehr als 4.100 Mitarbeiter tätig, 60 Prozent davon Ingenieure. Die Ingenieurdienstleister profitieren von der Entscheidung vieler Hersteller in den vergangenen Jahren, einzelne Projekte abzugeben. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT und der P3-Ingenieurgesellschaft für Management und Organisation ergab, dass in Deutschland 43 Prozent aller Ingenieure im Dienstleistungssektor arbeiten.
Zurzeit steigt der Bedarf an Nachwuchskräften wieder stark an. Beflügelt wurde die Branche bereits 2004 durch das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz. Seitdem dürfen die externen Dienstleister ihre Mitarbeiter zeitlich unbefristet an die Auftraggeber ausleihen. Ein Status, der umstritten war und teilweise auch noch ist. Die große Flexibilität, die sich die Hersteller durch das Engagement von Ingenieurbüros sichern, sorgt in den Büros der Externen für wenig Planungssicherheit. In wirtschaftlich schlechten Zeiten sind sie die Ersten, die den Rotstift zu spüren bekommen. Zieht die Wirtschaft wieder an, profitieren sie sofort, denn sie ermöglichen den Herstellern eine Flexibilität, die sonst nicht finanzierbar wäre. Weiterlesen: Wo liegen die Vorteile für Nachwuchsingenieure?
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