Vorentwickler
Vorentwicklung ist ein Balanceakt zwischen bewährten Lösungen und einer maximalen Offenheit für neue technische Konzepte. Ich schlage die Brücke zwischen den kreativen und innovativen Ideen meiner Entwicklungsmitarbeiter und den technischen Forderungen unserer Kunden, die vor allem fortschrittliche Produkte zu günstigen Preisen erwarten.

Mein 18-köpfiges Entwicklungsteam und ich befassen uns mit der Erstellung von Sitzkonzepten für die Fahrzeughersteller Daimler, BMW und PSA in Frankreich. Ausgangspunkt für diese Entwicklungsarbeiten sind Vorgaben unserer Kunden für verbesserte oder neue Produkte – entweder für einen Teil des Sitzes wie Rückenlehne oder Kopfstütze oder auch für den kompletten Sitz. Auf Grundlage ihrer Spezifikationen suchen wir nach den technisch bestmöglichen Lösungen. An hochmodernen CAD-Arbeitsplätzen konstruieren wir Produkte, deren Funktionalität häufig durch den Bau von Prototypen nachgewiesen wird.
Dazu arbeitet mein Team eng mit unserer Konzeptwerkstatt zusammen. Steht der Entwurf, geht es darum, den Kunden von den Vorteilen der Produktentwicklung zu überzeugen und letztlich einen Auftrag zu gewinnen. Ich bin dazu auf der technischen Ebene mit den Team- und Bereichsleitern des Kunden in intensivem Kontakt und meist zwei Tage pro Woche vor Ort bei den Herstellern. Gemeinsam klären wir Detailfragen hinsichtlich Variantenvielfalt, Produktkomplexität, Qualitätsanforderungen oder Fertigungstiefe und nähern uns so dem serientauglichen Endprodukt. Haben wir die Preisfrage geklärt, ist das Ziel erreicht.
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Tätigkeit als Vorentwickler besteht in der aktiven Steuerung von Projekten ohne konkreten Kundenbezug, aber mit hohem Marktpotenzial. Hier geht es klassisch um einen Innovationsprozess. Auf Grundlage von Markttrends und Marketing-Studien entwickeln wir Sitz-Lösungen für kommende Fahrzeug-Generationen. Bestes Beispiel: die Sensorkopfstütze. Sobald der Fahrer ins Auto eingestiegen ist, wird die Höhe seiner Kopfposition gescannt und die Kopfstütze stellt sich automatisch darauf ein. Damit können wir ein Halswirbelsyndrom vermeiden, das häufig bei Fahrzeuginsassen nach einem Unfall festgestellt wird.
Als Vorentwickler muss ich also nicht nur Technikbegeisterung und kommunikative Kompetenz mitbringen, sondern auch ein Gespür für Trends und deren Machbarkeit haben. So ist der Schutz der Umwelt immer ein Aspekt, den wir in unseren Entwicklungsarbeiten berücksichtigen. Mit dem Einsatz neuer Materialien wie Aluminium, Mehrphasenstählen oder Kunststoffen werden unsere Produkte leichter und tragen so zur CO2-Reduzierung bei. Zusätzlich gewinnt die Modularisierung unserer Erzeugnisse immer mehr an Bedeutung. Hierbei geht es um die Entwicklung von Sitz-Plattformen, die in mehreren Fahrzeugklassen eingesetzt werden können.
Ebenso ist die Sicherheit der Produkte ein zentraler Aspekt. Konstruktive Modifikationen an der kompletten Rückenlehne sollen mehr Insassenschutz bei Unfallsituationen bieten. Als Teamleiter in der Vorentwicklung kann ich in verantwortungsvoller Position meine Kenntnisse und Erfahrungen, die ich mir zuvor in Linien- und Stabsfunktionen erworben habe, bestmöglich einbringen. Ich finde es sehr spannend, gemeinsam mit meinen Mitarbeitern marktorientierte Produktkonzepte zu erstellen und Innovationen voranzutreiben. Es macht mir Freude, mit Engagement und Überzeugungskraft Geschäftsführung, Kollegen und Kunden für neue Ideen zu gewinnen und diese dann auch umsetzen zu können.
Autor: Jörn Reinecke ist bei der Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG, Coburg, als Teamleiter Vorentwicklung Sitzsysteme tätig. Der Maschinenbau-Ingenieur studierte an der Universität Hannover.
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