Bewerben am Hockenheimring: Formula Student
Unternehmen sponsern Wettbewerbe wie die Formula Student, um potenzielle Bewerber kennenzulernen. Vor allem für Ingenieure ist die Formula Student ein Karrieresprungbrett.

- Alter und neuer Sieger - das Team der Uni Stuttgart. (Bild: Formula Student / VDI)
Der wohl bekannteste Wettbewerb für Ingenieure mit Interesse an einem Einstieg in der Automotive-Branche ist der Konstruktionswettbewerb Formula Student, der unter der Schirmherrschaft des Verbands Deutscher Ingenieure stattfindet. In diesem Jahr gingen die rennbegeisterten Studenten vom 5. bis zum 9. August am Hockenheimring an den Start. 1981 in den USA ins Leben gerufen, wird der Wettbewerb mittlerweile in insgesamt acht Ländern ausgerichtet.
Nicht nur Ingenieure: Begeisterung für den Motorsport aber Voraussetzung
Die Idee: In Eigenregie müssen die Studenten-Teams, vorwiegend Ingenieure, einen Rennwagen planen und bauen. Dabei sammeln die jungen Ingenieure praktische Erfahrungen und optimieren ihr Rüstzeug für den Berufseinstieg. „Die Nachwuchs-Ingenieure eignen sich Know-how in Konstruktion und Betriebswirtschaft an. Außerdem werden Soft Skills automatisch geschult“, sagt Tim Hanning, Vorsitzender des Steering Committees der Formula Student Germany. Der Höhepunkt des Wettbewerbs: Am Hockenheimring treten die Teams in dynamischen und statischen Disziplinen gegeneinander an. Neben der Performance auf der Rennstrecke müssen die Studenten in der Diskussion mit einer Jury aus Fachleuten die Qualität ihrer Fahrzeuge beweisen und eine Kostenkalkulation sowie einen Businessplan präsentieren. Hierbei sind nicht nur Ingenieure gefragt. Auch Betriebswirtschaftler oder Geisteswissenschaftler sind in den Teams des Nachwuchswettbewerbs zu finden. Aus welcher Fachrichtung die einzelnen Teammitglieder auch kommen, alle teilen die Begeisterung für den Motorsport.
Ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl bei der Formula Student
Die Aufgaben verteilen die Studenten untereinander. Nachwuchsingenieure kümmern sich um die Planung und Konstruktion des Rennwagens, Studenten der Wirtschaftswissenschaften um Businesspläne und Sponsoren und Geisteswissenschaftler sind verantwortlich für die Pressearbeit. Simon Teufel, Mitglied des letzten und diesjährigen Gewinnerteams, dem Rennteam Uni Stuttgart, erzählt: „Unser Team besteht aus 35 Leuten. Das Team haben wir in Subteams unterteilt. Zum Beispiel gibt es ein Team für den Motor, eins für das Fahrwerk und eins für den Rahmen. In Sitzungen, an denen das gesamte Team teilnimmt, wird die grobe Richtung festgelegt. Die Ergebnisse jedes Subteams werden zusammengetragen und zu einem stimmigen Gesamtergebnis zusammengefügt. Dabei arbeiten die Teams nicht wie Laien, die Formel 1 spielen, sondern erstaunlich professionell.“ Der Lohn für die Mühe ist für die Studenten der Zeitpunkt, an dem der Wagen auf die Rennstrecke geht. „Jeder Moment, in dem es schwer war, sich zu motivieren, ist in diesem Moment verflogen. Endlich ist das Produkt in Action. Und wenn man dann noch gewinnt, ist das ein schöner Nebeneffekt. Das ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl und die Begeisterung sind extrem wichtig und werden nur noch von einem Sieg übertroffen“, so Teufel.
Karrieresprungbrett für Ingenieure - Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen
Aber wie können die Studenten im Rahmen der Formula Student Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen? Da sich die Studenten selbst um Sponsoren für einzelne Bauteile oder Räumlichkeiten kümmern müssen, führt sie der Weg schnell zu den Automobilherstellern und -zulieferern. „Durch die Zusammenarbeit mit den Sponsoren kann schon mal ein Praktikums- oder ein Diplomarbeitsangebot zustande kommen“, weiß Teufel.
Eine andere Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit renommierten Herstellern und Zulieferern der Automotive-Branche haben Nachwuchskräfte am Tag des Rennens auf dem Hockenheimring. Zwar sind die Studenten in den Boxen vorwiegend damit beschäftigt, ihren Wagen auf Vordermann zu bringen oder anderen Teams mit Ersatzteilen auszuhelfen. Aber wenn sich zwischendurch die Gelegenheit ergibt, durch die Boxengasse zu bummeln, laden Infostände der Sponsoren zu Gesprächen über Einstiegsmöglichkeiten in den jeweiligen Unternehmen ein.
Nach dem Grundstudium bei einem Team der Formula Student anmelden
Da die Mitglieder eines Rennteams sehr viel Zeit und Engagement in das Projekt stecken, ist es empfehlenswert, sich erst nach dem Grundstudium bei einem Team anzumelden oder ein eigenes Team zu gründen.
Infos erhalten interessierte Studenten auf der vom VDI organisierten „Formula Student Academy“ oder bei den Rennteams ihrer Hochschule. „Auch wenn die Noten unter der Teilnahme an der Formula Student leiden oder sich das Studium vielleicht um ein, zwei Semester verlängert, empfehle ich jedem motorsportinteressierten Studenten, sich zu engagieren. Denn man lernt Vieles, was man in den Hörsälen nie mitbekommen würde“, sagt Simon Teufel.
Datum: 08/09
Autorin: Eva Flick
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