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Consulting: Neue Lösungsansätze

Von Jochen Gnann

Jochen Gnann berichtet von seinem Projekteinsatz in Tokio - in interkulturellen Workshops lernte er schnell die Eigenheiten der japanischen Kultur kennen.

Tokio - pulsierende Metropole in Japan (Bild: R by basel1/pixelio)
Tokio - pulsierende Metropole in Japan (Bild: R by basel1/pixelio)

„Hättest Du Interesse an einem Projekt-Einsatz in Tokio?“ – Was als Nachsatz in einer E-Mail begann wurde für mich kurze Zeit später Realität. Gerade hatte ich ein Projekt bei einem deutschen Automobilhersteller erfolgreich abgeschlossen, und schon war ich für mein nächstes Projekt bereits auf dem Weg nach Japan. Dort sollte im Rahmen der Post-Merger-Integration eines japanischen Nutzfahrzeug-Herstellers die Prozess-Standardisierung und SAP-Implementierung durchgeführt werden. Das Projekt-Team setzte sich aus über 80 globalen Beratern – u.a. aus Deutschland, Singapur, China, Japan und Brasilien - sowie Mitarbeitern des Kunden zusammen. Die Projekt-Organisation sah vor, dass jeweils ein japanisches ­Team zusammen mit nicht-japanischen Mitgliedern verantwortlich für ein Aufgabengebiet sein sollte.

Interkulturelle Workshops

So sollte ich zusammen mit zwei japanischen Kollegen die Ist-Prozesse im Bereich der Materialplanung analysieren und das Design sowie die Implementierung der Lösung durchführen.

Am ersten Arbeitstag lernte ich die traditionelle Verbeugung bei der Übergabe der Visitenkarten kennen. Bereits hier habe ich bemerkt, dass unsere japanischen Kollegen bestimmte sensible Abfolgen in ihrem Umgang und in ihrer Arbeitsweise haben. Zur weiteren Orientierung organisierte unser Unternehmen interkulturelle Workshops, in denen auf die Eigenheiten der japanischen bzw. westlichen Kultur und auf die unterschiedlichen Herangehensweisen von Europäern und Asiaten eingegangen wurde.

Es kristallisierte sich heraus, dass der internationale Teil des Teams für die Auffassung der japanischen Kollegen zu direkt fordert, und dass dies in einer Kultur, die ohne das Wort „Nein“ auskommt, schwer umzusetzen ist. Das Konsensbestreben der Japaner führte zu einem ungewohnten Ansatz des Lösungsfindungsprozesses, der für uns neu war. Beide Seiten haben von diesen Workshops sehr profitiert. Man lernte die kulturellen Unterschiede kennen und man änderte seine eigene eingefahrene Sichtweise, um zu neuen Lösungsansätzen zu gelangen.

Interessanter Projektalltag in Japan

Aus der Zusammenarbeit mit den japanischen Kollegen entstanden schnell Freundschaften, die beim ­Karaokesingen, Fußballspielen oder bei der gemeinsamen Besteigung des höchsten Bergs Japans, dem Fudschijama, vertieft wurden. Vor allem Letzteres wird wohl als besonderes Highlight für immer in Erinnerung bleiben.

Trotz der Herausforderungen im täglichen Projekteinsatz blieb für das gesamte Team genug Zeit Tokio zu entdecken. Außerdem lernten wir Japan bei vielen Wochenend-Trips besser kennen. Regelmäßige projektintern organisierte Ausflüge führten uns etwa zu einem Sumo-Turnier nach Nagoya oder in die alte Kaiserstadt Kyoto.

Tokio ist trotz seiner unfassbaren Größe sehr sauber und gut organisiert. Obwohl die Bevölkerung tagsüber von zwölf Millionen auf 24 Millionen anschwillt, funktionieren die Nahverkehrsmittel bewundernswert gut. Und natürlich gibt es zur Rushhour die berühmten Männer mit den weißen Handschuhen, die beim Einstieg freundlich, aber sehr vehement behilflich sind. Tokio ist eine spannende ­Mischung aus Tradition, Ästhetik und Modernität. Zwischen den riesigen Wolkenkratzern im Bezirk Shinjuku findet man immer wieder kleine Tempelanlagen oder Parks, die nach dem Feng-Shui-Prinzip perfekt komponiert sind.

Neue Dinge entdecken

Im Nachhinein kann ich sagen, dass die zehn Monate Aufenthalt wie im Flug vergangen sind. Das lag zum einen daran, dass der Projektalltag sehr kurzweilig war, und dass es in Japan immer neue Dinge zu entdecken gab. Zum anderen hing es aber auch damit zusammen, dass mein Unternehmen mir mehrere Heimflüge gewährte und mir so eine ausgeglichene Work-Life-Balance ermöglichte.

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Sowohl die Stadt als auch die asiatische Kultur haben mich neben der Zusammenarbeit mit den japanischen Kollegen am stärksten geprägt. Zusammengefasst kann ich sagen, dass ein Projekt in Japan eine ­enorme fachliche und kulturelle Herausforderung darstellt und somit für die Erweiterung des eigenen Horizonts sehr zu empfehlen ist.

Datum: 5/09
Autor:
Jochen Gnann, geb. 1979, studierte Betriebswirtschaft an der FH Augsburg mit Schwerpunkt Controlling & Internationale Rechnungslegung und ist heute Consultant in der Competence Group Automotive von BearingPoint.

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