Ausland: China auf der Überholspur
Erstmals konnten die Asiaten die USA als größten Automarkt der Welt übertrumpfen. Wer international erfolgreich sein will, muss Richtung Osten blicken – und sich vorbereiten.

- In China sind kostengünstige Modelle heiß begehrt. (Bild: ClimbOne / istockphoto)
Als der chinesische Mittelklassewagen SB4 auf den deutschen Markt kam, krachte es gewaltig. Aber nur beim ADAC-Sicherheitstest. Beim initiierten Crash mit 64 km/h riss das Bodenblech auf, der Kopf der Testpuppe knallte trotz Airbag auf das Lenkrad und die Pedale wurden zum Spieß. Das vernichtende Urteil der Autotester: Null von fünf Sternen mit dem Fazit „Der technische Stand von vor zehn Jahren“.
China überholt USA beim Autokauf
Doch die Chinesen stört das wenig. Sie kaufen ihre heimischen Autos, so dass China im vergangenen Jahr erstmals die USA als größten Automarkt der Welt überholen konnte. Während in Amerika und in Europa die Absatzzahlen einbrachen, gibt China Gas. Die Zahlen sprechen für sich. „Im ersten Halbjahr wurden, bei einer Steigerung um etwa 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, rund sechs Millionen Fahrzeuge verkauft“, sagt Andreas Feege, Partner Industrial Markets bei KPMG in China. In den USA brach der Markt im selben Zeitraum um ein Drittel ein. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, denn in China besitzen bisher lediglich sechs Prozent der Bevölkerung ein Auto. In den USA ist der Markt mit 80 Prozent nahezu gesättigt. Das Gros der verkauften Wagen in Asien machen die kleinen, kostengünstigen Modelle aus, die meist von den chinesischen Herstellern produziert werden. Allerdings gibt es auch einen Markt für Prestige-Autos – und das sind in China vor allem die europäischen Hersteller. Alle deutschen Marken konnten im vergangenen Jahr ihre Zuwächse im zweistelligen Bereich steigern.
China für eine internationale Karriere in der Auto-Branche unumgänglich
Wer also eine internationale Karriere in der Automobil- oder Zulieferindustrie anstrebt, sollte China auf der Rechnung haben. Die kulturellen und sprachlichen Unterschiede sind allerdings immens. Auch wenn die Zeit knapp ist und der Termin für den Abflug nach Peking näher rückt, lohnt sich der Aufwand einer Vorbereitung – wie kurz sie auch sein mag. Wolfgang Heisel, Projektmanager in der Abteilung Interkulturelles Training bei der Carl-Duisberg-Gesellschaft, ist einer der Experten, die dann Starthilfe geben. „Es hilft ungemein, wenn man die allerwichtigsten chinesischen Zeichen kennt, wie die Zeichen für Eingang, Ausgang oder Bahnhof“, meint der studierte Sinologe. Außerhalb der geschäftlichen Beziehungen sprechen nur wenige Chinesen Englisch. Wer im Taxi sitzt oder auf dem Markt etwas kaufen möchte, ist mit ein paar Brocken Chinesisch gut beraten. Mit den 100 wichtigsten Begriffen im Kopf wird vieles leichter.
China ist eine Herausforderung mit großen Chancen
Die verbale Kommunikation ist die eine Sache, die nonverbale die andere. Während das Erlernen einer Sprache lediglich eine Frage des Lernens ist, ist die nonverbale Kommunikation weitaus komplexer. „In China wird ganz anders mit Kritik umgegangen“, berichtet Heisel. Während in Deutschland konstruktive Kritik erwünscht oder auch erwartet wird, ist Kritik vor allem an Vorgesetzten in China ein sehr schwieriges Thema. Wenn überhaupt kritisiert wird, dann nur sehr indirekt und subtil. „Vorgesetzten zu sagen, dass man einen Vorschlag ablehnt – auch wenn es vielleicht durchaus berechtigt ist – ist quasi unmöglich.“ Wer sich daran nicht hält, trifft auf großes Unverständnis. Der Kritisierte hat sein Gesicht und der Kritisierende ein gutes Geschäft verloren. Die ganze Verhandlung ist gescheitert. Wer in China Erfolg haben will, muss sich also vorbereiten. Es lohnt sich. Denn genauso groß wie die Herausforderungen sind auch die Chancen. Lesen Sie weiter: Interview mit Roland Mohr über seine Zeit als Trainee in China: "China muss man erfahren"
Datum: 4/10
Autorin: Eva Flick
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