Frauen & Banking: Interview mit Kristina Schlachter von der Deutschen Bank
Frauen entscheiden sich häufiger als Männer gegen eine Karriere im Finanzbereich. Dabei sind aktuell die Chancen für ambitionierte Absolventinnen so gut wie nie. Wie es um die Beziehung zwischen Frauen und Banking steht, sagt Kristina Schlachter von der Deutschen Bank im Interview.

- „Es gibt genügend Absolventinnen, die alle Kriterien erfüllen, die die Finanzbranche an ihre Nachwuchskräfte stellt", sagt Frau Schlachter, Recruiterin bei der Deutschen Bank. (Bild: Deutsche Bank)
Frau Schlachter, gibt es ausreichend qualifizierte Bewerberinnen für Top-Nachwuchspositionen?
Es gibt genügend Absolventinnen, die alle Kriterien erfüllen, die die Finanzbranche an ihre Nachwuchskräfte stellt. Doch davon bewerben sich einfach viel zu wenige für diesen Bereich. Diese Erfahrung macht unsere Bank leider oft. Wir möchten unsere offenen Nachwuchspositionen gerne vermehrt mit Frauen besetzen und haben dafür zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen.
Was ist das konkrete Problem dabei?
Angebot und Nachfrage stimmen nicht überein, sprich: Die Bewerberinnen fragen diese Förderungsmöglichkeiten eher selten nach. Ähnlich sieht es aus mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier hat sich viel getan und wir haben ein breites Angebot – von Home Office über Kita-Betreuungsplätze bis zum Sabbatical. Aber wir haben festgestellt, dass gerade junge Kandidatinnen oft abwinken, die frisch von der Hochschule kommen, wenn man das Thema Beruf und Familie anspricht. Sie glauben, damit ihre Karriere gefährden zu können. Bei berufserfahrenen Frauen sieht das dann wieder anders aus. Dennoch sind wir davon überzeugt, dass das Interesse vorhanden ist.
Wodurch unterscheiden sich die Bewerbungen von Absolventinnen von denen ihrer männlichen Kommilitonen?
Prinzipiell überhaupt nicht. Eine typisch weibliche Bewerbung gibt es nicht, jedenfalls nicht in unserem Bereich. Der Aufbau, die Inhalte, die Qualifikation – hier sind Frauen und Männer definitiv gleichauf.
Sind Frauen bei Bewerbungsgesprächen und im Assessment Center denn zurückhaltender als männliche Bewerber? „Verkaufen“ sie sich schlechter?
Ich glaube, dass man hier differenzieren muss. In den Gesprächen und im Assessment Center sind die Ergebnisse der weiblichen Kandidaten ebenso gut wie die der männlichen Bewerber. Und es gibt ja durchaus auch zurückhaltende Männer, die Schwierigkeiten haben, sich gut zu verkaufen. Unterschiede gibt es aber je nach Geschäftsbereich. In vielen Divisionen sind eher kommunikationsstarke Typen gefragt, gerade dort, wo es viel Kundenkontakt oder Projektarbeit gibt.
Und wenn man als Bewerberin oder Bewerber den Einstieg geschafft hat?
Selbst Trainees müssen schon viel kommunizieren – das ist das A und O. Denn als die Führungskräfte von morgen müssen sie frühzeitig ein Netzwerk aufbauen. Außerdem müssen sie sich ausreichend Fachwissen aneignen, um für alle Herausforderungen gewappnet zu sein – und dies erfordert häufig, das Gespräch mit den Kollegen und Experten zu suchen. Weiterlesen: Was sollten Bewerberinnen studiert haben, um erfolgreich zu starten?
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