Interview mit Privatbankier Leonhard von Metzler
Beim Private Banking geht es um viel Geld und großes Vertrauen. Privatbankier Leonhard von Metzler erläutert im Interview, was das für Einsteiger bedeutet und was eine Privatbank von einem Bewerber erwartet.

- "Nicht jedem Trend blind folgen" Leonhard von Metzler. (Bild: Privat)
Herr von Metzler, welche zentralen Trends bestimmen das Private Banking?
Wesentlich für das Private Banking sind meiner Ansicht nach Vertrauen und Risikomanagement. Durch die Finanzkrise haben viele Anleger Vertrauen in die Banken verloren, dieses gilt es wieder aufzubauen. Die Kunden erwarten von uns, ihr Vermögen langfristig zu erhalten und zu vermehren. Eine kontinuierliche und verlässliche Kundenbeziehung ist daher die Grundlage des erfolgreichen Private Banking. Die anspruchsvollen Kunden möchten von ihrem Kundenbetreuer über viele Jahren umfassend beraten werden. Dabei darf der Fokus nicht allein auf der finanziellen Situation liegen; persönliche, familiäre und berufliche Aspekte des Kunden sollen gleichermaßen einfließen.
Und die Risiken an den Finanzmärkten?
Das Ziel, das Vermögen der Kunden über Generationen zu bewahren, ist immer wieder durch Krisen gefährdet. Damit meine ich nicht vorübergehende Börsenschwankungen, sondern elementare Risiken wie Inflation, Deflation oder politische Veränderungen. Aber eben auch individuelle Risiken, wie Krankheit oder Konflikte in der Familie. Ein kompetentes und langfristig orientiertes Risikomanagement muss daher eine tragende Säule des Private Banking sein. Wir sehen Private Banking als die Kunst, den Gefahren zu begegnen, die einem langfristigen Vermögenserhalt entgegenstehen können.
Was empfehlen Sie Absolventen, die sich für den Einstieg in der Finanzwirtschaft und speziell bei einer Privatbank interessieren?
Das Private Banking unterliegt dank der langfristigen Anlagestrategie nicht so sehr konjunkturellen Schwankungen. Dagegen sind etwa Corporate Finance oder Capital Markets stark von den Entwicklungen der Kapitalmärkte abhängig. Allerdings halte ich es für kurzsichtig, nur auf die Entwicklung einzelner Bereiche zu schauen. Koppelt man die Karriereplanung daran, welches Geschäftsfeld gerade boomt, verliert man schnell die Freude an der Arbeit, wenn es plötzlich in einer Krise steckt. Viel wichtiger ist es, die individuellen Fähigkeiten und Talente zu erkennen: Wofür schlägt das Herz? Ich empfehle Studenten über Praktika und Absolventen über ein Trainee-Programm auszuloten, für welches Geschäftsfeld sie besonders ‚brennen’. Das ist deutlich nachhaltiger als kurzfristigen Trends hinterherzulaufen.
Welche akademischen Qualifikationen wünschen sich Unternehmen Ihrer Branche von Bewerbern?
Die beste Grundlage für einen Einstieg in die Finanzbranche ist grundsätzlich ein BWL- oder VWL-Studium mit Spezialisierung auf Investition und Finanzierung, Controlling oder Rechnungswesen. Doch es ist stark davon abhängig, für welchen Bereich sich ein Bewerber interessiert.
Konkret?
Es gibt Geschäftsfelder, wie Corporate Finance, Equities Research oder auch das sehr quantitativ ausgerichtete Asset Management, in denen wir von Bewerbern spezialisiertes Wissen wünschen. In vertriebs- und kundennahen Bereichen, wie Equities Sales oder Private Banking, stehen die sozialen Kompetenzen mehr im Vordergrund. Für einen Kundenbetreuer ist ein Master-Studium zwar ebenfalls wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich. Die meisten unserer Mitarbeiter im Private Banking haben BWL oder VWL studiert, doch es gibt auch den einen oder anderen Vertreter alternativer Studiengänge, wie einen Juristen oder einen Alt-Philologen. Diese Heterogenität ermöglicht eine umfassende und facettenreiche Beratung.
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