Portfolio-Management: Risiko und Wert
Von Jan Hendrik Sitz
Externe Consultants können eine unvoreingenommene Bewertung von Projekten gewährleisten. Warum Beratungsprojekte im Portfolio-Management in der Pharmabranche spannend sind, verrät Berater Jan Hendrik Sitz.

- Das Portfolio-Management beschäftigt sich mit der Frage: Welches sind die richtigen Projekte, und wie werden diese zum Erfolg geführt? (Bild: M._Mindwalker/Fotolia)
Nicht weniger krank
Einen Rückgang der Quartalsumsätze und des Nettogewinns meldete das weltweit größte Pharmaunternehmen Pfizer 2009. Dies ist nur ein Beispiel, das zeigt, dass die Zeiten vorbei sind, in denen es für die Pharmaindustrie nur aufwärts ging. Dabei sollte man annehmen, dass diese Industrie von der Wirtschaftskrise nur wenig berührt wird – die Menschen sind ja in der Krise nicht weniger krank als in guten Zeiten.
Patentschutz abgelaufen
Die Probleme der forschungsorientierten pharmazeutischen Industrie haben denn auch andere Ursachen. Allen voran eine gegenüber früheren Jahren verringerte Produktivität der Forschung & Entwicklung sowie verkürzte Lebenszyklen der Produkte, verursacht durch harten Wettbewerb der Generikahersteller. Sie sind darauf spezialisiert, Kopien von Medikamenten herzustellen, deren Patentschutz abgelaufen ist – dies führt oft zu einem Umsatzeinbruch des Originalprodukts von 80 Prozent innerhalb eines Jahres.
Von Biotech-Unternehmen
Solchen Herausforderungen versucht die Pharmaindustrie mit einer Vielzahl an Maßnahmen zu begegnen. Dazu gehören Fusionen und Aufkäufe von Wettbewerbern und der verstärkte Trend zur Einlizensierung von Medikamenten-Kandidaten von Biotech-Unternehmen zum Auffüllen der eigenen Forschungs- und Entwicklungspipeline.
Schlüsselfaktor für Erfolg
Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg eines forschungsorientierten Pharmaunternehmens ist das Portfolio-Management, das sich mit der Frage beschäftigt: Welches sind die richtigen Projekte, und wie werden diese zum Erfolg geführt? Die wichtigsten Dimensionen, anhand derer ein Projekt dabei bewertet wird, sind Risiko, Wert und Vereinbarkeit mit der Unternehmensstrategie.
Innovative Pharmazeutika
Das Risiko, in der Entwicklung zu scheitern, ist für innovative Pharmazeutika besonders hoch und bedarf einer genauen Analyse – im Durchschnitt überstehen nur rund zehn Prozent der Kandidatenmoleküle die klinischen Prüfungen. Anhand einer Evaluierung entlang der beschriebenen Dimensionen wird dann entschieden, in welche Projekte investiert wird und in welche nicht.
Diplomatisches Geschick
Gerade im Portfolio-Management bietet sich ein interessantes Betätigungsfeld für Berater. Ein externer Berater kann eher eine unvoreingenommene Bewertung von Projekten gewährleisten als ein interner Portfolio-Manager. Dabei muss der Berater eine nüchterne Perspektive auf die Chancen und Risiken eines pharmazeutischen Projekts bewahren und diese mit dem Projektteam evaluieren. Dies erfordert echtes diplomatisches Geschick – schließlich sind Projektteams häufig mit ihren Forschungsprojekten „verheiratet“, sodass Diskussionen über Schwachstellen auch emotional werden können.
Umfangreiche Erfahrungen
Dabei hilft es, wenn der Berater auf umfangreiche Erfahrungen innerhalb und/oder außerhalb der Beratung zurückgreifen kann. Für die forschungsnahen Fragestellungen im Portfolio-Management ist es notwendig, dass zumindest ein Teil des Beratungsteams naturwissenschaftlich-medizinische Expertise mitbringt.
Medizinische und kommerzielle Aspekte
Eine besondere Herausforderung für Berater liegt darin, eine große Bandbreite an Themen abdecken zu müssen: Von den Details (etwa bei der Bewertung einzelner Risiken für die Entwicklung eines Medikaments) bis zum Gesamtprofil eines Projekts oder gar Portfolios, und von den wissenschaftlich-medizinischen Aspekten bis hin zu den kommerziellen Aussichten im Marktumfeld. Gerade diese Kombination der unterschiedlichen Aspekte macht Projekte im Portfolio-Management in der Pharmaindustrie aber auch zu sehr spannenden Aufgaben.
Über den Autor
Dr. Jan Hendrik Sitz, Jahrgang 1972, ist Associate bei der Catenion GmbH.
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