Projektsteuerung: Trends frühzeitig erkennen
Von Alexandra Hiendlmeier
Interviews führen, Schwachstellen aufdecken, Analysen durchführen – Teamleiterin Alexandra Hiendlmeier über diese und weitere Herausforderungen bei End-to-End-Projekten.

- Mit einem definierten Fragenkatalog können Consultants in der Projektsteuerung gezielt Probleme lösen. (Bild: macroman/Fotolia)
Die richtigen Informationen
Um die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten und auszubauen, muss das Management in der Lage sein, Abweichungen und Trends frühzeitig zu erkennen, deren Ursachen zu identifizieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die erforderliche Transparenz über das Unternehmensgeschehen erhält es dabei durch ein Reporting-Tool. Hierbei gilt es, auf Qualität zu achten, denn bei den meisten Unternehmen scheitert ein leistungsfähiges Reporting daran, dass zwar viele Informationen vorliegen, aber nicht die richtigen.
Laufende Projektsteuerung
Ein Kunde stand vor dem Problem, dass Abweichungen in den Fertigungsprojekten nur unzureichend erkannt und wirksame Gegensteuerungsmaßnahmen damit oft zu spät eingeleitet wurden. In der Konsequenz haben sich sowohl der EBIT verschiedener Projekte als auch das Periodenergebnis durch nicht oder verspätet realisierte Gewinne dramatisch verschlechtert.
Darüber lachen Berater...
"Das Glas ist halb leer", sagt der Pessimist.
"Das Glas ist halb voll", sagt der Optimist.
"Das Glas ist viel zu groß", sagt der Unternehmensberater.
Unser Auftrag war es, ein geeignetes Instrument für die laufende Projektsteuerung in Form eines monatlichen Statusreportings zu entwickeln und technisch umzusetzen. Die Herausforderungen waren sehr vielfältig. Neben der Frage „Welches sind geeignete Messgrößen und Frühindikatoren?“ wurde deutlich, dass die Daten inhaltlich und rechnerisch oft inkonsistent waren, in unterschiedlichsten Quellsystemen vorlagen und kein durchgängiger Prozess zur systematischen Analyse, Maßnahmenableitung und -nachverfolgung existierte.
In fünf Schritten
Zur Bewältigung dieser Herausforderung sind wir in fünf Schritten vorgegangen:
• Entwicklung des Reporting-Konzepts inklusive Design der entsprechenden Prozesse
• Beschreibung der fachlichen Anforderungen an die Reports
• Technische Umsetzung der Reports
• Durchführung der erforderlichen Tests
• Schulung der technischen und kaufmännischen Projektverantwortlichen.
Schwachstellen aufdecken
Anhand eines definierten Fragenkatalogs haben wir mit Projektmanagern, Mitgliedern des Managements und Vertretern einzelner Funktionsbereiche Interviews geführt. Ziel war es, Schwachstellen im Prozess der Auftragssteuerung aufzudecken und Anforderungen an das künftige Monatsreporting zu definieren. Auf Basis dessen und unserer Projekterfahrung wurden die relevanten Kennzahlen definiert, die entsprechenden Reports entwickelt und beschrieben sowie in einen durchgängigen Reporting-Prozess eingebettet.
Denn das Berechnen und Darstellen der „richtigen“ Informationen alleine ist nicht genug – Berichte müssen bewegen! Aus diesem Grund sprechen die Projektverantwortlichen von nun an gemäß definierter Kriterien monatlich den Projektstatus durch. Auf Basis der Abweichungsanalysen werden Maßnahmen eingeleitet, deren Wirksamkeit kontinuierlich überprüft wird.
Umfangreiche Schulungen
An die fachliche Konzeption schloss sich die technische Implementierung der definierten Reports in SAP BW an. SAP BW ist die einheitliche Reporting-Plattform für das Gesamtunternehmensreporting. Parallel dazu fanden umfangreiche fachliche und technische Tests statt, um die Funktions- und Aussagefähigkeit des Auftragsreportings sicherzustellen. Zuletzt wurden umfangreiche Schulungen der Projektverantwortlichen und des Managements durchgeführt, um sie mit den neuen Berichten und deren Interpretation sowie mit den veränderten Reportingprozessen vertraut zu machen.
Ein Erfolgsfaktor
Während des gesamten sechsmonatigen Projekts war das Projektteam interdisziplinarisch aufgestellt, es bestand sowohl aus fachlichen Ressourcen als auch aus Beratern mit SAP-Umsetzungskompetenz. Dies bedeutet, dass die Konzeption und die Umsetzung nicht voneinander getrennt waren. Nur so ist gewährleistet, dass die fachlichen Anforderungen auch technisch umsetzbar sind und auch umgesetzt werden. Ganz klar ein Erfolgsfaktor.
Im Gegensatz zu reinen Strategieprojekten liegen genau darin der besondere Reiz und die spezielle Herausforderung der End-to-End-Projekte: Es lohnt sich, denn am Ende hält man nicht nur ein Konzept in den Händen, sondern sieht das fertige Produkt, mit dem der Kunde in Zukunft arbeiten wird. Datum: 08/09
Über die Autorin
Alexandra Hiendlmeier, Jahrgang 1975, ist Teamleiterin in der Finance Business Consulting Unit bei der Cirquent GmbH.




