E-Commerce: Je jünger, desto mobiler
Der Online-Handel wächst weiter. Absolventen, die hier einsteigen wollen, sollten einiges mitbringen: neben Medienkompetenz vor allem Kenntnisse im Online-Marketing, im Einkauf und in der Beschaffung.

- Wer im Online-Handel einsteigen möchte, sollte Medienkompetenz und Kenntnisse im Online-Marketing besitzen. (Bild: pagadesign / iStock )
Für den Handel war das Aufkommen des Internets eine Zäsur. Das gilt speziell für den Versandhandel. In den 1980er-Jahren betrug der Anteil des klassischen Katalog-Versandhandels am Einzelhandelsumsatz in Deutschland noch weniger als fünf Prozent. Mit dem Siegeszug des Internets stieg er sprunghaft an.
Wachstumsmarkt E-Commerce
Das ist vor allem auf die steigenden Umsätze der Online-Shops zurückzuführen. 2009 steuerten sie erstmals mehr als die Hälfte zum Umsatz im Distanzhandel bei. 2010 betrug der Anteil von E-Commerce am Distanzhandel bereits über 60 Prozent, ermittelte das Marktforschungsinstitut TBS Infratest.
Das rasante Wachstum scheint damit noch nicht beendet: Nach einer Studie des E-Commerce Centers Handel (ECC) rechnen 84 Prozent der deutschen Online-Händler mit weiter wachsenden Umsätzen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) sagt für 2012 Umsätze von über 29 Milliarden Euro im E-Commerce voraus – und damit zwölf Prozent mehr als für das laufende Jahr.
Vertriebswege aufeinander abstimmen
Die Internet-Händler verteilen sich auf zwei Gruppen: „Pure Player“ und „Multi-Channel-Retailer“. Pure Player vertreiben ihre Waren ausschließlich über das Internet. Hier hat die Akquisition von Neukunden eine herausragende Bedeutung, denn das Unternehmen kann nicht auf einen Kundenstamm aus dem klassischen Handelsgeschäft aufbauen.
Händler mit einer Multi-Channel-Strategie fügen den Online-Shop als weiteren Absatzkanal hinzu. Hier müssen die einzelnen Vertriebswege stimmig miteinander verknüpft werden. Zentrale Aufgabe für die E-Commerce-Experten ist, eine medien- und zielgruppenadäquate Ansprache zu finden. Die Faustregel lautet: je jünger, desto mobiler und je älter, desto klassischer. Auch die Preisgestaltung ist bei einer Multi-Channel-Strategie ein zentrales Thema. Denn die Händler müssen entscheiden, ob für die verschiedenen Absatzkanäle einheitliche oder differenzierte Preise gewählt werden.
Jobs im E-Commerce für Absolventen
Gefragt sind Mitarbeiter, die die Prozesse durchschauen. Hochschulabsolventen haben gute Chancen. Sie bringen die nötige Medienkompetenz schon mit, die Umstellung auf E-Commerce fällt ihnen oft leichter als den gestandenen Mitarbeitern im Handel. Außerdem müssen Berufseinsteiger das Grundwissen über technische Standards und relevante Entwicklungen mitbringen. Selbst wer nicht unmittelbar im technischen Bereich arbeitet, muss die richtigen externen Dienstleister auswählen können, die Webseiten oder E-Shops einrichten sollen. Hilfreich sind auch Kenntnisse im (Online-)Marketing, im Einkauf und in der Beschaffung.
Vom Techniker zum Vermarkter
Insgesamt entwickelt sich der Bedarf im E-Commerce eher in Richtung Vermarkter statt Techniker. Wer hier einsteigen möchte, muss großes Interesse an Online-Themen mitbringen und sollte schon praktische Erfahrungen im E-Commerce gemacht haben. Ein Praktikum oder Studentenjob bei einem Online-Dienstleister, der sich etwa mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigt, überzeugt dabei besonders.
Datum: 11/11
Autor: Heinz Peter Krieger




