Überblick: Der Arbeitsmarkt im Handel
Der Handel wirbt mit attraktiven Stellenangeboten und Trainee-Programmen um talentierte Absolventen für Führungspositionen. Welche Karriereperspektiven der Handel bietet, sollten Absolventen bereits während des Studiums herausfinden.

- Inzwischen sind fünf bis sieben Prozent der Mitarbeiter im Handel Hochschulabsolventen. (Bild: Franz Pfluegl - Fotolia.com)
Der Stellenmarkt im Handel ist bislang weniger stark als andere Branchen von der Finanzmarktkrise betroffen. Überhaupt gilt: Der Handel hält seine Beschäftigtenzahl relativ konstant. Dabei verschieben sich die Gewichte deutlich zugunsten höher qualifizierter Mitarbeiter, stellt Wilfried Malcher, Geschäftsführer Bildungspolitik im Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), fest. Es gibt im Handel stetig mehr Stellen für Beschäftigte mit einem akademischen Abschluss. Inzwischen sind fünf bis sieben Prozent der Mitarbeiter Hochschulabsolventen.
Neues Image für den Handel
Kein Wunder, denn der Handel poliert sein Image auf. Lange sah er sich nicht wirklich als Branche für Akademiker, und auch für viele Absolventen war er nur zweite Wahl bei der Jobsuche. Heute werben die Handelsunternehmen dagegen offensiv mit den Chancen, die sie Berufseinsteigern bieten. Dazu gehört, Studenten schon frühzeitig für das eigene Unternehmen zu interessieren. Jungakademiker die es in die Branche zieht, sollten sich schon während des Studiums mit dem Handel beschäftigen. Denn wer im Handel nur eine späte Notlösung sieht, wird es schwer haben, Fuß zu fassen.
Gut ausgebildete Spezialisten gesucht
Das Handelsgeschäft ist komplexer geworden. Vor allem in den Innenstädten sind immer mehr expandierende Handelsketten mit ihren Filialen vertreten, und die Unternehmen versuchen, über eigene Handelsmarken und die Logistik möglichst große Teile der Wertschöpfungskette zu kontrollieren. Produzenten wiederum nutzen den Internet-Handel oder andere Formen des Direktvertriebs. All das verändert die Branche und bietet Absolventen neue Einsatzmöglichkeiten und Karrierechancen. Denn es mangelt an gut ausgebildeten Spezialisten mit analytischen Fähigkeiten, einem Gespür für Trends und der Fähigkeit, Konzepte nicht nur zu entwickeln, sondern auch umzusetzen.
Praxiserfahrungen sammeln
Gesucht werden im Handel naturgemäß Spezialisten für den Vertrieb, aber auch für die Bereiche Einkauf, Category Management, Controlling sowie Logistik und IT. Wer hier Schwerpunkte seines Studiums gelegt hat, hat gute Chancen. Allein auf das im Studium erworbene theoretische Rüstzeug können sich Absolventen aber nicht verlassen. Genauso wichtig ist den Handelsunternehmen, dass sich die Berufseinsteiger schon im Studium praktisch mit der Branche befasst haben. Das kann über Praktika oder Praxissemester geschehen, über die Abschlussarbeit oder über ein Studium an einer Berufsakademie. Auch einen Bachelor-Abschluss in Kombination mit einem konzerneigenen Trainee-Programm sehen einige Handelsunternehmen gerne.
Schneller Aufstieg möglich
Der Ruf nach praxisorientiertem Nachwuchs hat nicht nur mit dem traditionellen, gut geerdeten Selbstbild des Handels zu tun. Wer als Akademiker den Einstieg in ein Handelsunternehmen schafft, muss sich nicht nur in seine Kunden hineindenken können, sondern steigt dank der flachen Hierarchien oft auch relativ schnell auf. Bei manchen Discountern haben die Nachwuchskräfte früh die Verantwortung für mehrere Filialen mit einigen Dutzend Mitarbeitern, die geführt werden müssen.
Kunden und Kisten
Dabei geht es auch mal etwas burschikoser zu. Einen intensiven Marsch durch die Abteilungen und Filialen muten deshalb fast alle Handelsunternehmen ihren Berufseinsteigern zu – Direktkontakt mit anspruchsvollen Kunden, hektischen Lieferanten und sperrigen Kisten inbegriffen. "Im Einzelhandel gehört häufig dazu, dass die Trainees eine Zeit lang auch im Verkauf praktische Erfahrungen sammeln. Selbst dann, wenn sie anschließend in rückwärtigen Bereichen eingesetzt werden", erklärt Wilfried Malcher.
Das tägliche Brot
Wer einen solchen Einstieg scheut, ist im Handel sicher nicht gut aufgehoben. Kommunikationsstärke, Verhandlungsgeschick, Teamgeist und die Fähigkeit, selbstständig und verantwortungsbewusst zu arbeiten und zuzupacken, sind keine Allgemeinplätze unter der Überschrift "Anforderungen an unsere Mitarbeiter" – sondern gehören zum täglichen Brot.
Datum: 4/09
Autor: Heinz Peter Krieger
