Für vielseitige Technikspezialisten mit dem Hang zur Architektur ist das Bauingenieurwesen die richtige Wahl. Von der Ideenfindung bis zur Umsetzung ist der Bauingenieur immer vor Ort.

- (Bild: Diego/iStock)
Der Bauingenieur begleitet ein Bauvorhaben von der Planung, Projektierung, Bauausführung bis hin zur Bauabnahme und Abrechnung der Bauleistungen. Dafür sind umfangreiche Kenntnisse der entsprechenden Rechts- und Sicherheitsvorschriften, der Bauphysik und der Statik erforderlich. Auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind nötig, da bei Planung und Ausführung auf die Effizienz des Bauvorhabens mit berücksichtigt werden muss. Die Tätigkeit umfasst neben der reinen Büroarbeit die Arbeit vor Ort auf der Baustelle zur Überwachung der Umsetzung und Fertigstellung des Bauvorhabens.
Studium Technische Hochschulen
Neben dem allgemeinen Bauingenieurstudium bieten viele Technische Hochschulen und Universitäten Vertiefungsrichtungen für Baubetrieb, Bauwirtschaft und Bauproduktion an. Auch Vertiefungsrichtungen für Grundbau, Konstruktiven Ingenieurbau, Verkehrs- und Wasserwesen sind im Angebot. Allerdings unterscheiden sich die Lehrangebote an einzelnen Hochschulen zum Teil gravierend – vor allem was die Wahlmöglichkeiten im Vertiefungsstudium angeht.
Konstruktiver Ingenieurbau
Eine der wichtigsten Studienrichtungen ist der Konstruktive Ingenieurbau. Er wird an einigen Hochschulen als eigener Studiengang angeboten. Im Mittelpunkt steht hier das Entwerfen, Berechnen, Konstruieren und Ausführen von Bauwerken und baulichen Anlagen. Im Hochbau kann es sich um mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser, Schulen, Sporthallen oder Krananlagen handeln.
Brückenbau
Der Brückenbau ist ein spezielles Gebiet. Ingenieure mit Ausbildung im Konstruktiven Ingenieurbau arbeiten später in Ingenieurbüros, Bauunternehmen, Behörden oder in Lehr- und Forschungsinstituten. In Industriebetrieben findet häufig eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Baumaterial statt, in Ingenieurbüros und Behörden ist eine solche Spezialisierung selten zu finden.
Baubetriebslehre
An einigen Hochschulen sind dem Konstruktiven Ingenieurbau auch die Baubetriebslehre, Bauwirtschaft und Bauproduktion zugeordnet. Die Baubetriebslehre sollte ohnehin zu jedem Studium des Bauingenieurwesens gehören, weil sie in der Praxis zur Lösung planerischer und konstruktiver Probleme unbedingt notwendig ist. Außerdem geht es ohne betriebswirtschaftliches Know-how heute kaum noch.
Bodenkunde und Grundbau
Um Bauwerke entwerfen, berechnen und die Ausführung überwachen zu können, sind gute Kenntnisse in Bodenkunde und Grundbau unerlässlich. Immer wichtiger wird die Felsmechanik. Zu den speziellen Berufsfeldern gehören der Verkehrswegebau einschließlich des Tunnelbaus und der Verkehrswasserbau.
Modellstatik
Unabhängig von der gewählten Studienrichtung ist die Modellstatik immer wichtig. Hier werden theoretische Rechenergebnisse durch Messungen an Bauwerken oder Modellen mit Hilfe von modernen elektronischen Mess- und Datenerfassungsanlagen überprüft. Zudem steht eine schnelle und zuverlässige Untersuchung komplizierter Tragwerke mit IT-Unterstützung häufig im Fokus.
Verkehrswesen
Bauingenieure im Verkehrswesen sind für die räumliche und zeitliche Planung von Verkehrssystemen verantwortlich. Hierbei müssen sie die vorhandenen Nutzungsflächen, die Lebensgewohnheiten der Menschen und gesellschaftspolitische Zielsetzungen beachten. Auf dieser Grundlage werden Strecken, Knotenpunkte, Warte- oder Stellflächen entworfen und in baureife Pläne umgesetzt.
Wasserwege und Luftverkehr
Neben Straßen- und Schienenverkehr geht es auch um Wasserwege und den Luftverkehr. Berücksichtigt werden müssen neben den topographischen und geologischen Gegebenheiten auch die psycho-physischen Fähigkeiten der Verkehrsteilnehmer, die fahrgeometrischen und fahrdynamischen Eigenschaften der Fahrzeuge und die Führungseigenschaften der Fahrwege.
Straßenverkehrstechnik
Ein bedeutendes Teilgebiet des Verkehrswesens ist die Straßenverkehrstechnik. Dabei wird der Verkehrsbedarf bei gegebener Bebauung und Flächennutzung ermittelt. Wohngebiete vor Lärm und Abgasen zu schützen, ist ein weiteres Thema, das Ingenieure beschäftigt. Neben den bisher genannten Aufgaben betreiben Bauingenieure auch Straßenverkehrsanlagen und koordinieren Lichtsignalanlagen durch verkehrsabhängige Steuerung mit IT-Systemen. Hierfür sind gute Datenverarbeitungskenntnisse notwendig.
Wasserwesen
Ein anderer wichtiger Bereich ist das Wasserwesen – also die Nutzung des für den Menschen lebensnotwendigen Rohstoffes. Erstes Ziel ist die ausreichende Versorgung mit Trinkwasser. Aber auch die Deckung des Wasserbedarfs von Gewerbe und Industrie und die Entsorgung spielen eine große Rolle.
In der speziellen Ausrichtung Wasserbau beschäftigen sich Bauingenieure mit der Neugestaltung von Flussläufen und dem Bau von Staudämmen und Wasserkraftwerken. Der Siedlungswasserbau umfasst die Wasserversorgungstechnik und die Wassergütewirtschaft. In der Abwassertechnik sind Ingenieure vor allem für die Reinhaltung der Gewässer und der Konzeption von Abwasserkanälen, Regenwasser- und Klärbecken, biologischen und chemischen Anlageteilen in der Abwasserkläranlage und Hebewerken in der Kanalisation zuständig.
Abfalltechnik
Auch die Abfalltechnik wird zum Wasserwesen gezählt: Hier geht es um die umweltgerechte und wirtschaftliche Beseitigung und Verwertung von Müll, Fest- und Abfallstoffen und Schlämmen. Dabei spielt neben der Planung, dem Entwurf und der Einrichtung von Mülldeponien, Müllkompost- und Verbrennungswerken die Organisation von Mülleinsammlung und -transport eine wichtige Rolle.
Datum:09/09
Autorin: Eva Flick
Das könnte Sie auch interessieren:
Jobs & Arbeitgeber
Finden Sie hier Jobs und Arbeitgeber für Ingenieure:






