Bergbau und angrenzende Bereiche
Längst ist aus dem Ingenieur unter Tage ein Generalist in Sachen Ressourcenverwaltung geworden: Bergbauingenieure beschäftigen sich heute mit dem gesamten Kreislauf erdnaher Ressourcen von der Gewinnung bis zur Reststoffentsorgung.

- Der Spezialist in Sachen Bergbau ist heute ein Generalist geworden.
Die Ausbildung zum Bergbauingenieur ist generalistisch angelegt: Neben den rein ingenieurwissenschaftlichen Fächern geht es um juristische, betriebs- und volkswirtschaftliche sowie geo- und umweltwissenschaftliche Fragen. Während die Bedeutung des herkömmlichen Bergbaus kontinuierlich abnimmt, erlangen Themen wie Rohstoffgewinnung, Reststoffentsorgung, Umwelttechnik und Kreislaufwirtschaft eine immer größere Bedeutung.
Berufsfelder und Studienrichtungen
In allen Studienrichtungen des Bergbaus spielen neben den geowissenschaftlichen und technischen Disziplinen wirtschaftswissenschaftliche sowie rechts- und sozialwissenschaftliche Inhalte eine Rolle. Außerdem geht es natürlich um Sicherheitstechnik und Umweltfragen.
Kern der Studienrichtung Bergbau ist neben den Geowissenschaften die Berg- und Maschinentechnik. In Studienvertiefungen werden wirtschaftliche Aspekte, Anwendungen bergmännischer Verfahren im Tunnel- und Stollenbau sowie Umwelttechnik und -recht behandelt. Damit wird der Einsatzbereich der Bergbauingenieure auf Berufsfelder im Metallhandel, der Rohstofferkundung und der Rohstoffberatung erweitert – aber auch auf Tätigkeiten im Tief- und Ingenieurbau.
Aufbereitung und Veredelung
In der Studienrichtung Aufbereitung und Veredelung geht es um die erste Verarbeitungsstufe der geförderten Roherze und -kohlen. Schwerpunkte sind die Maschinen- und die Verfahrenstechnik. Kenntnisse über die mineralogische Zusammensetzung der Rohstoffe und die physikalisch-chemischen Prozesse werden ebenfalls vermittelt. Die Abwasseraufbereitung sowie die Behandlung und Lagerung von Rohstoffen sind spezielle Vertiefungsrichtungen.
Zunehmend werden bergtechnische Verfahren der Gewinnung und Aufbereitung angewendet, wenn es um die Deponierung von Abfällen wie Haus- und Sondermüll, Industrieabfällen, Kraftwerksaschen bzw. die Sanierung von umweltgeschädigten Böden geht. Für diese Aufgaben sind Bergbauingenieure dank ihres Know-hows in den Geowissenschaften verbunden mit Spezialwissen in der Verfahrenstechnik prädestiniert. Vor allem die Studienrichtungen Bergbau, Aufbereitung und Veredelung, Geotechnik/Umwelt sowie die Studienvertiefungen Deponie- und Abfallwirtschaft bereiten hierauf vor.
Bergbauspezifische Studienrichtungen wie Tiefbohrkunde, Erdöl-/Erdgasgewinnung, Gewinnung und Aufbereitung von Steinen und Erden qualifizieren für den Einsatz auf den Weltmärkten für Erdöl und Erdgas sowie Steine und Erden.
Metallurgie und Werkstoffwissenschaften
Ingenieure der Metallurgie und der Werkstoffwissenschaften beschäftigen sich mit der Weiterverarbeitung von Rohstoffen zu hochwertigen Werkstoffen. Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Entwicklung neuer Verfahren und Prozesslinien. Hier geht es um die Entwicklung von Werkstoffen für neue Einsatzbereiche sowie deren Weiterentwicklung.
Die speziellen Studienrichtungen Eisen- und Metallhüttenkunde, Gießereikunde, Glas und Keramik sowie Industrieofenbau enthalten jeweils einen Schwerpunkt der speziellen Technologie und Prozesstechnik. Die Richtungen Metallkunde, Verformungskunde und Werkstofftechnik sind stärker auf Werkstofffragen und Werkstoffentwicklung bezogen. In allen Studienrichtungen spielen Informationstechnologie, Mess- und Regelungstechnik sowie der Umweltschutz eine große Rolle. Insgesamt sichert die breite und methodenorientierte Ausbildung den Absolventen vielfältige Einsatzmöglichkeiten.
Berufschancen für Bergbauingenieure
Auch in Zukunft werden in Deutschland Energierohstoffe, Kali- und Steinsalze sowie Steine und Erden abgebaut. Da die Nachfrage die Zahl der Absolventen übersteigt, finden hier einige junge Bergbauingenieure ihren ersten Job. Die Rohstoffversorgung der deutschen Industrie ist längst eine globale Angelegenheit. So wird Bergbau oft in den entlegensten Regionen der Welt betrieben. Aus diesem Grund bieten sich dem Bergbaunachwuchs auch im Ausland vielfältige Möglichkeiten. Viele Bergbaufachkräfte steigen jedoch nicht bei Rohstoffproduzenten ein. Denn auch Entsorgungsunternehmen, Hochschulen, private Forschungsinstitute oder Ingenieurbüros haben Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs.
Zudem eröffnet die wachsende Bedeutung des Bergbau-Know-hows in der Umwelttechnik neue Aufgabenfelder in der Ingenieurberatung, speziell in der Deponietechnik und der Sanierung belasteter Böden und Abwässer.
Wer sich zusätzlich auf sicherheits- und verfahrenstechnischem Gebiet weiterqualifiziert oder sich zum Assessor des Bergfachs ausbilden lässt, erweitert seine beruflichen Einsatzmöglichkeiten bis in Aufgaben der Sicherheitsorganisationen (Berg- und Umweltbehörden, Gewerbeaufsicht, TÜV, Verbände etc.) hinein.
Dank der generalistischen und praxisorientierten Ausbildung hat der Bergbauingenieur gute Chancen in der Industrie – zum einen in der Produktion, zum anderen in den Sicherheits- und Umweltabteilungen. Die Berufschancen der Metallurgen und Werkstoffwissenschaftler sind insgesamt recht gut, da steigende Anforderungen an die Werkstoffe zu einem wachsenden Personalbedarf führen. Neue, attraktive Aufgaben entstehen ebenfalls im Qualitätsmanagement.
Datum:09/09
Autorin: Eva Flick
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