Berufsfeld Verfahrenstechnik
Verfahrensingenieure kennen sich mit der Prozess- und Anlagentechnik genauso aus wie mit komplexen chemischen und biologischen Reaktionen. Weitere Aufgaben bringt die Umwelttechnik.

- Ihren Ursprung in der chemischen Industrie hat die Verfahrenstechnik. (Bild: Rolf van Melis / Pixelio.de)
Die Verfahrenstechnik hat ihren Ursprung in der chemischen Industrie: in der Entwicklung von Hochdruckverfahren wie Ammoniaksynthese, Methanolsynthese und Kohlehydrierung. Man nennt sie deshalb Chemieingenieurwesen, Chemietechnik bzw. Chemical Engineering. Aber auch Berufsfelder wie die Aufbereitungstechnik, Lebensmitteltechnologie und die Werkstoffwissenschaften gehören zur Verfahrenstechnik. Sie werden jedoch zumeist als eigenes Berufsfeld angesehen.
Bedeutung
Die Bedeutung der Verfahrenstechnik steigt mit der Relevanz der Umwelttechnik, die sich mehr und mehr chemietechnischer Verfahren bedient. Viele neue Aufgaben in der medizinischen Verfahrenstechnik oder der Bio- und Nanotechnologie sowie an den Schnittstellen regelungstechnischer und verfahrenstechnischer Probleme ergeben sich für Verfahrenstechnikingenieure. Immer wichtiger wird die Bioverfahrenstechnik – etwa in der Verwertungsindustrie (z.B. bei industriellen Kompostierungsanlagen).
Berufsfelder und Studienrichtungen
Die Verfahrenstechnik kann in die Bereiche Chemietechnik, Lebensmittelproduktion/-technologie und übergreifende Studienrichtungen gegliedert werden.
In den entsprechenden Studienrichtungen geht es um mechanische, thermische, chemische, biologische und elektrische Verfahren zur Stoffumwandlung und -zusammensetzung. Außerdem wird die Entwicklung der erforderlichen Maschinen- und Apparatesysteme sowie der technischen Anlagen behandelt.
Prozesse als Ganzes
Die Verfahrenstechnik als Ingenieurdisziplin basiert darauf, dass sich die vielen Herstellungsprozesse auf eine vergleichsweise geringe Zahl von Grundoperationen zurückführen lassen. Die Verfahrenstechnik arbeitet zunehmend stoffspezifisch und versucht gleichzeitig, Prozesse als Ganzes zu betrachten. Die Prozesse werden dabei mathematisch immer besser dargestellt und auf Computern abgebildet – entsprechende Simulationsrechnungen vermitteln eine gute Kenntnis der Vorgänge auch ohne aufwändige (und damit teure) Vorversuche.
Steigende Nachfrage
Ständig komplexer werdende technische Anlagen und die immer stärkere Automatisierung führen in wachstumsträchtigen und forschungsintensiven Bereichen der chemischen Industrie zu einer steigenden Nachfrage nach gut ausgebildeten Verfahrenstechnikern. Das komplizierte Zusammenwirken chemischer Prozesse und der Apparatetechnik erfordert Ingenieure, die über Erfahrungen auf beiden Gebieten verfügen.
Breit gefächert
Das Berufsbild des Verfahrensingenieurs ist breit gefächert: Es reicht von der Forschung und Entwicklung über Planung, Bau und Vertrieb von Apparaten und Anlagen bis zur Beratung, zur Anwendungstechnik oder Projektakquisition. Arbeitgeber sind dabei längst nicht mehr nur die chemisch-pharmazeutischen Konzerne. Es gibt mittlerweile Stellen in nahezu allen Industriebranchen, etwa der Grundstoffindustrie, der Lebensmittelindustrie, bei Energieversorgern, den Apparatebauern oder in der Medizinindustrie. Auch im Umwelt- und Entsorgungstechnikbereich sowie in der Bio- und Nanotechnologie werden Verfahrenstechniker eingestellt.
Berufschancen in der Verfahrenstechnik
Verfahrenstechniker sind als universelle Problemlöser gefragt. Besonders Bewerbern mit Kenntnissen der Informationstechnologie, Regelungstechnik und Betriebswirtschaft bietet sich ein vielseitiges Berufsfeld mit guten Zukunftschancen.
Absolventen mit entsprechenden Sprachkenntnissen haben gute Chancen im Projekt- und Vertriebsbereich international tätiger Unternehmen. Die Industrialisierung der Bio-, Nano- und Gentechnik bietet ein großes Beschäftigungspotenzial. Auch in der Entsorgungstechnik entstehen viele neue Möglichkeiten. Wer in Unternehmen dieser Branchen einsteigen möchte, sollte allerdings aufmerksam die gesellschaftliche Entwicklung verfolgen. Beide Bereiche weisen eine hohe Verbrauchersensibilität auf, die die Nachfrage stark beeinflussen kann.
Datum:09/09
Autorin: Eva Flick
Das könnte Sie auch interessieren:
Jobs & Arbeitgeber
Finden Sie hier Jobs und Arbeitgeber für Ingenieure:






