Interview mit Manuel Seyffert, Dell: "Informatiker wissen, worauf es ankommt"
Manuel Seyffert, Personalleiter bei Dell, kam aus dem Consulting in die IT-Branche. Im Interview vergleicht er die Anforderungen für Absolventen in beiden Branchen und erklärt, weshalb auch in der IT die Kundenperspektive immer wichtiger wird.

- Manuel Seyffert: „Das Business tragen immer Menschen, und die entwickeln sich nicht so schnell wie die Technik.“ (Bild: Dell)
Herr Seyffert, Sie haben Ihre berufliche Laufbahn als Consultant begonnen. Wie kam es dazu, dass Sie in die IT-Branche wechselten?
Im Consulting hinterlässt man meist nur kleinere Spuren bei den Kunden. Deshalb wollte ich gerne nach einigen Jahren in ein Unternehmen wechseln, wo ich zumindest einen eigenen kleinen Trampelpfad schaffen konnte. Die Chance hatte ich bei der Gründung des neuen Service- und Vertriebszentrums von Dell in Halle. Eine gezielte Entscheidung für die IT war es ursprünglich gar nicht. Wichtig waren mir bestimmte Faktoren, die stark mit der IT-Branche korrelieren, wie Internationalität und eine Unternehmenskultur mit einer unkomplizierten Kommunikation.
Wenn Sie vergleichen: Worauf würden Sie im Vorstellungsgespräch bei einem Consultant besonders achten, worauf bei einem IT-Spezialisten?
Das hängt von der jeweiligen Position ab. Je näher ein IT-Experte beim Kunden arbeitet, desto ähnlicher sind die Anforderungen zu denen an einen Consultant. Er muss sich auf den Kunden einstellen, prüfen, welche Strukturen und welches Geschäftsmodell er dort vorfindet, und herausfinden, welche Lösungen gefragt sind. Bei einem Informatiker mit einem sehr spezifischen Arbeitsfeld sind die Unterschiede größer. Aber auch er muss immer aus Kundensicht an die Probleme herangehen.
Nähern sich die Erwartungen an die Soft Skills von Bewerbern der verschiedenen Fachrichtungen an?
In der IT haben sie jedenfalls eine sehr hohe Relevanz. Sie ersetzen nicht das fachliche Fundament. Aber die Halbwertzeit des Wissens ist in der IT so hoch, dass die Fähigkeit, sein Wissen kontinuierlich aufzustocken und flexibel anzuwenden, immer wichtiger wird. Was in unserer Branche heute eine Neuheit ist, ist in zwei Jahren Standard und in fünf Jahren bereits überholt. Gleichzeitig steigt der Grad der Spezialisierung, sodass die Experten immer stärker auf das Spezialwissen anderer angewiesen sind. Entsprechend gut müssen sie miteinander kommunizieren können.
Sie sind seit 2005 bei Dell. Wie haben sich die Ansprüche an IT-Absolventen
seitdem verändert?
Fachlich prüfen wir heute natürlich andere Komponenten. Aber das Business tragen immer Menschen, und die entwickeln sich nicht so schnell wie die Technik. Von daher haben sich die Erwartungen an ihre Persönlichkeit gar nicht so sehr verändert.
Die Absolventen sind also noch ganz die alten?
Sie haben jedenfalls ähnliche Grundbedürfnisse, wenn es um den Beruf geht: ein guter Job, gutes Geld, ein freundliches Umfeld und Spaß bei der Arbeit. Die Präferenzen verändern sich eher zyklisch als grundsätzlich: In Krisenzeiten kommt fast jeder gerne, weil das Thema Sicherheit eine größere Bedeutung hat, während eines Booms müssen wir die Absolventen wesentlich aktiver ansprechen.
Dell produziert nicht in Deutschland. Welche Jobs haben Sie dann hierzulande für Informatiker?
Wir brauchen Persönlichkeiten, die ihr Fachwissen mit wirtschaftlichen Kenntnissen kombinieren können. Etwa die Hälfte unserer Mitarbeiter ist in der Organisation beschäftigt, die andere im Vertrieb, inklusive des technischen Supports. Hier ist es notwendig, die Kundenperspektive übernehmen zu können und sein Geschäft zu verstehen.
Ihr Unternehmen setzt stark auf den Direktvertrieb. Ergeben sich aus dem Geschäftsmodell bestimmte Aufgaben für Informatiker?
Ja, und die sind dann wieder ähnlich zum Consulting. Im Direktvertrieb sind wir sehr nah bei den Kunden, die oft selbst nicht über ein großes IT-Fachwissen verfügen. Entsprechend müssen wir uns auf sie einstellen und unsere Lösungen erklären können. Beim indirekten Vertrieb geht es eher um Spezifikationen, die wir den Fachhändlern vermitteln. Teil 2 des Interviews mit Manuel Seyffert: Wie wirtschaftlich müssen IT-Absolventen denken?
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