Berufsziel Chef
Karriere ist planbar. Wenn das Setup stimmt, erhalten IT-Absolventen schon früh Zugriff auf höchste Führungslevels. Nur wissen das viele nicht.

- Karriere als Fach- oder Führungskraft? Beides ist möglich. (Bild: Staufenbiel)
Die Karriere künftiger IT-Chefs beginnt mit einer Entscheidung. Manager oder Experte – wer gerne die Fäden in der Hand hält, hat grundsätzlich diese beiden Möglichkeiten. Manager führen Personal, managen Krisen und treffen strategische Entscheidungen für das Unternehmen. Experten arbeiten technischer, näher an konkreten Problemen. In Führungspositionen können beide Wege führen, der eine schneller, der andere über Fachbereiche und Projektarbeit.
Fehlender Karriereplan
Welcher Weg der richtige ist, hängt von individuellen Qualifikationen, Ansprüchen und Vorlieben ab. Der Rest ist eine Frage weitsichtiger Karriereplanung. Doch genau daran fehlt es dem IT-Nachwuchs oft. „Viele Studenten haben keine klare Zielvision“, sagt Manfred Onderka, Vorstandsmitglied der Wirtschaftsjunioren (WJD), einem Netzwerk junger Unternehmer und Führungskräfte.
Auslandsaufenthalte, Praktika oder spezielle Scheine – Karriereplanung bedeutet, alle Einzelelemente der Ausbildung auf das angepeilte Berufsziel auszurichten. Das bedeutet aber auch, den Plan regelmäßig den aktuellen Gegebenheiten anzupassen, rät Karriereberaterin Svenja Hofert. „Wo stehe ich, was braucht der Markt?“ Diese Frage sollte sich jeder Karrierebewusste wenigstens einmal im Jahr stellen und seine Planung nach diesem „Markt-Check“ durch Studium, Berufserfahrung und Weiterbildung nachjustieren.
Chefzutaten
Unbedingt vorkommen sollte in jedem Karriereplan neben einem soliden Fachwissen Soft Skills und Wirtschaftskompetenz. „Je höher in der Hierarchie, desto mehr“, so Hofert. Fehlt eine dieser Komponenten, bleibt jede IT-Karriere früher oder später stecken. Onderka beschreibt es so: „Tüftler zu sein ist gut. Aber persönlich und im Business bringen einen Projekte, Netzwerke, Ideen weiter.“ Das gilt für jeden Karriereweg, auch wenn die Gewichtung bei Experten- oder Managerkarrieren unterschiedlich ausfällt.
Richtige Kombination
Um die Karriere von vornherein auf Führungsaufgaben auszurichten, sind betriebswirtschaftliche Fragestellungen besonders wichtig, glaubt Tanja Schumann vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI). „Kreativität und fachliche Tiefe sind unerlässlich. Aber IT-Chefs müssen auch Marktaspekte verstehen, deuten und vorhersehen können“, so die VDI-Expertin. Im internationalen und äußerst dynamischen IT-Umfeld brauche es Wachsamkeit, Anpassungsfähigkeit, Bildungsbereitschaft. „Und die Fähigkeit, diese Art des Denkens an Mitarbeiter weiterzugeben“, so Schumann. Fach- oder Managementkarriere – diese Frage stellt sich demnach gar nicht. Es geht vielmehr um die richtige Kombination.
Feinfühlig führen
Zur Grundausstattung eines IT-Chefs zählen auch Soft Skills wie Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten oder Konfliktmanagement. Wie die ökonomischen werden auch diese persönlichen Qualifikationen mit dem Aufstieg auf der Karriereleiter immer wichtiger. Nicht ohne Grund: „Führung hat viel mit Changemanagement zu tun, mit schwierigen Situationen. Dabei stößt sie nicht selten auf Widerstand der Mitarbeiter“, sagt Hofert. „IT-Manager müssen also in der Lage sein, ihre Leute ins Boot zu holen.“ Das geht am besten, indem sie die Teammitglieder informieren, auf sie eingehen, fragen, was sie brauchen.
Soft Skills pflegen
Nicht nur, dass es manchen IT-Nachwuchskräfte an Soft Skills mangelt. Vielen sei das Problem auch nicht bewusst, so die Karriereberaterin. Die Forderung nach den weichen Faktoren ist zwar ähnlich abgegriffen wie das Klischee vom sozial gescheiterten IT-Wunderling. Das ändert aber nichts daran, dass IT-ler ihre Sozialkompetenzen pflegen müssen. „Sie brauchen sie vielleicht nicht für den Berufseinstieg. Später aber schon“, sagt Svenja Hofert. Die Expertin für Karriereplanung rät: IT-Studenten sollten bei den Career Services ihrer Hochschulen Kurse in Präsentation oder Moderation belegen, „auf Verdacht, einfach um zu schauen, was sie wie gut können“.
Soft Skills brauchen die IT-Chefs von morgen auch dringend fürs Networking. Gute Kontakte werden immer wichtiger – nicht nur für die persönliche Karriere, sondern auch um das Unternehmen voranzubringen. „Auch das – im Sinne der Firma zu handeln – ist eine Fähigkeit, die im IT-Bereich nicht selbstverständlich ist. Oft herrscht hier noch das alte Inseldenken“, sagt Hofert.
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