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Master-Studiengänge: Probieren oder studieren

Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger – nicht zuletzt eine Folge des komplexer werdenden Arbeitsmarkts. Master-Studiengänge helfen nicht nur, erworbenes Wissen zu erweitern, sondern eröffnen auch neue Karriereperspektiven.

(Bild: Andres Rodriguez / Fotolia.com)

Arbeiten oder weiter studieren? Diese Frage stellen sich viele Informatiker nach der ersten Etappe, dem Bachelor-Abschluss. Ein höherer Abschluss verspricht bessere Aufstiegs- und damit Karrierechancen im Unternehmen. Andererseits "ist die Versuchung, nach dem Bachelor-Abschluss direkt in den Beruf zu wechseln, verlockend groß", sagt Hildegard Hammer, Prorektorin für Lehre, Studium und Studienreform an der Universität Düsseldorf.

Die bereits in Praktika oder Nebenjobs geknüpften Kontakte zu Unternehmen geben Studenten einen ersten Vorgeschmack auf die Berufswelt. So entscheiden sich ein Drittel der Informatik-Studenten mit dem Bachelor in der Tasche für den Beruf.

Auf die Frage, ob man probieren oder studieren soll, gibt es keine pauschale Empfehlung. "Vielmehr hängt es vom Studierenden selber ab", sagt Hammer. Entscheidend ist, welche Tätigkeit Absolventen anstreben. Das sieht auch Stephan Pfisterer, Bereichsleiter für Bildung und Personal beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), so: "Durch das Stufensystem Bachelor und Master lassen sich Stellen passgenau besetzen." Doch worauf achten Unternehmen wirklich?

Weiterbildung ist ein Muss

Durch den gestiegenen Bekanntheitsgrad des Bachelors stehen Unternehmen dem Abschluss zunehmend offen gegenüber. Das ist auch ein Ergebnis der Staufenbiel JobTrends-Studie 2008. Danach ist die Beliebtheit der neuen Abschlüsse bei den Unternehmen von 50 Prozent im Jahr 2007 auf ganze 76 Prozent im Jahr 2008 gestiegen. Doch oft wissen Absolventen nicht, welche Chancen sie mit einem Bachelor auf dem Arbeitsmarkt haben.

Ob der Bachelor ausreicht oder nicht, hängt davon ab, ob man als Informatiker forschungsnah arbeiten möchte oder der Bereich Kundenbetreuung interessant erscheint. Studenten sollten sich jedoch bewusst werden, dass nicht nur die Art der Tätigkeit ein entscheidendes Kriterium ist. Unternehmen haben hohe Anforderungen an Berufseinsteiger. Gefragt sind Praxis, Fachkompetenz und ein akademischer Abschluss.

"Für die Karriere ist es sinnvoll, nach dem Bachelor zunächst Praxiserfahrung zu sammeln und im Anschluss gezielt ein Master-Programm auszuwählen", sagt Pfisterer. Neben der Praxis ist auch eine stetige Erweiterung des IT-Wissens unerlässlich. Die schnelllebige IT-Welt setzt voraus: "Informatiker müssen sich weiterbilden – egal, ob über Blogs und Internet-Foren oder mit den Kollegen am Arbeitsplatz", weiß Pfisterer.

Master ist nicht gleich Master

Insgesamt gibt es drei Arten des Master-Studiums: das konsekutive, das nicht konsekutive und das weiterbildende Master-Studium. Die konsekutiven Master-Studiengänge bauen inhaltlich auf dem Bachelor auf, so dass fachliche Kenntnisse aus dem Bachelor-Studiengang vertieft werden. Eine Bafög-Förderung ist möglich, solange die Altersgrenze von 30 Jahren nicht überschritten ist. Besondere Zugangsvoraussetzungen sind immer Uni-intern geregelt. "So können spezielle Sprachkenntnisse, ein Aufnahmetest oder die Abschlussnote beziehungsweise die Note der Bachelorarbeit ausschlaggebende Faktoren bei der Vergabe eines Studienplatzes sein", weiß Hildegard Hammer. Es ist also ratsam, sich rechtzeitig an der jeweiligen Hochschule über die Zugangsvoraussetzungen für ein Master-Studium zu informieren. Nicht konsekutive Master-Studiengänge erlauben Absolventen einer Fachrichtung, sich in einem anderen Fach weiter zu qualifizieren. So können Absolventen mit einem Bachelor, Diplom, Magister oder einem bereits abgeschlossenen Master einen zusätzlichen Master absolvieren. Wie der konsekutive Master dauert auch der nicht konsekutive Master zwei bis vier Semester und kostet an staatlichen Universitäten in Bundesländern mit Studiengebühren rund 500 Euro pro Semester. Der Studiengang gilt oft als Zweitstudium und so können auch in Bundesländern, die für das Erststudium keine Gebühren erheben, Kosten anfallen. Die Anmeldung zu einem nicht konsekutiven Master unterscheidet sich nicht von der eines konsekutiven Masters. So sind auch hier bestimmte Zulassungs - voraussetzungen der jeweiligen Hochschule zu beachten. Da es sich bei dem nicht konsekutiven Master um eine andere Fachrichtung handelt, werden entsprechende Grundkenntnisse und damit auch bestimmte Studieninhalte vorausgesetzt – sonst wäre es sehr schwer, sich das nötige Fachwissen in kürzester Zeit anzueignen. Der Master of Business Administration (MBA) ist ein weiterbildender Studiengang und soll vor allem Managementfähigkeiten fördern und auf Führungsaufgaben vorbereiten. Wer sich für den MBA in Deutschland entscheidet, muss jedoch mit Studienkosten zwischen 6 000 und 50 000 Euro im Jahr rechnen. "Der MBA ist persönliche Weiterbildung und muss somit selbst finanziert werden", sagt Prorektorin
Hammer. Master-Studiengänge lassen sich an Hochschulen, Fachhochschulen und Fernuniversitäten absolvieren. Besonders Fernuniversitäten eignen sich für Berufstätige, die neben dem Beruf studieren wollen. So spielt die räumliche Nähe keine Rolle und Anreise oder Umzug fallen weg. Viele Fachhochschulen bieten Berufstätigen Studiengänge an, die sie abends oder am Wochenende besuchen können.

Eine Frage der Finanzierung

"Eine geregelte Finanzierung gibt es nicht", meint Hammer. Neben Bafög stellen Stipendien eine mögliche Finanzierung dar. Hier lohnt es, sich frühzeitig bei Universitäten und Organisationen zu informieren. Denn die Zahl der zu vergebenen Stipendien ist pro Semester begrenzt. Studenten mit besonders guten Noten haben höhere Chancen bei der Vergabe eines Stipendiums. Viele Studenten finanzieren sich aus eigener Tasche und jobben neben dem Studium. Nicht nur deshalb rät Bitkom-Experte Pfisterer, Masterarbeiten nach Möglichkeit in Kooperation mit Unternehmen zu schreiben. Die Mitarbeit in Kundenprojekten bringt viele Vorteile mit sich: Dem Studenten wird oft nicht nur die Finanzierung des Masters erleichtert, sondern häufig auch ein Betreuer an der Hochschule und im Unternehmen bereitgestellt. Vor allem aber lernt der Student interne Arbeitsabläufe kennen und sammelt wichtige Praxiserfahrung. Aber auch Unternehmen können profitieren. Durch Masterarbeiten gewinnen sie an Präsenz und erhalten interessante Ergebnisse. Das Angebot ist jedoch rar: "Bei Interesse sollten Studenten frühzeitig nach Unternehmen suchen oder bei Professoren anfragen, die gute Kontakte vermitteln können", so Pfisterer. Eine andere Finanzierungsvariante sind sogenannte Bildungskredite, die Banken zu verschiedenen Konditionen anbieten. Hier lohnt es, sich genau über die Bedingungen und Gesamtkosten zu informieren und so den passenden Kredit auszuwählen. Eine weitere Art, sich den Master zu finanzieren, sind berufsbegleitende Modelle. Sie verbinden Praxis und Master miteinander und bieten Studenten eine Rundumversorgung an. Doch sind diese Berufsmodelle meist nur in großen Unternehmen zu finden. "Kleinere Unternehmen haben einfach nicht die finanziellen Mittel, um Studenten bis zu zwei Jahre zu unterstützen", meint Pfisterer. Welche Gegenleistungen Berufseinsteiger zu leisten haben, sollten sie vorab mit dem Arbeitgeber absprechen. So ist eine zeitliche Bindung an den Arbeitgeber oder ein geringeres Gehalt denkbar.

Keine Wirtschaftskrise für Informatiker

Nach Bitkom-Angaben sind derzeit 45 000 offene Stellen im IT-Bereich zu verzeichnen. "Gesucht werden vor allem Software-Entwickler, Projektmanager und IT-Berater", weiß Pfisterer. Besonders die sogenannte Bindestrich-Informatik hat an Hochschulen zu immer spezifischeren Fachgebieten geführt und eine Vielfalt an IT-Arbeitsplätzen geschaffen. "Gefragte Studiengänge sind Wirtschafts- und Medien-Informatik", so Pfisterer weiter. Bisher scheint es, dass die Wirtschaftkrise kaum Einfluss auf den IT-Arbeitsmarkt hat. "Der Kampf um gute Absolventen wird immer härter. Besonders kleinere Unternehmen müssen viel mehr für ihr Image als Arbeitgeber tun als ihre großen Konkurrenten", sagt Pfisterer. Eine gute Zusammenarbeit mit Hochschulen lohnt sich für Arbeitgeber und Studenten. In jedem Fall sollten Studenten während ihres Studiums Augen und Ohren offen halten und mit Professoren sprechen, um eventuell erste Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen.

Augen auf

Praktika und Nebenjobs helfen Studenten, einen ersten Schritt ins Unternehmen zu setzen und Berufserfahrungen zu sammeln. Entscheidet man sich nach dem Bachelor-Studium für die Praxis, ist jedoch zu beachten, dass der spätere Wiedereinstieg ins Studium oft nicht einfach ist. Der Weg zurück an die Uni erfordert eine Lebensumstellung. Finanzierung und hoher Zeitaufwand sind hierbei wichtige Kriterien. Für welchen Weg sich angehende Berufseinsteiger entscheiden, hängt letztendlich von der angestrebten Tätigkeit ab, die Spaß machen sollte und einen beruflich weiterbringt.

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Autor: Silvija Subasic

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