Strategien: Lust zum Nachfragen wecken
Für Top-Juristen ist die Bewerbung ein Kinderspiel? Grundsätzlich ja, sagt Diplom-Psychologin Diane D. Scholz, Human Resources Manager Germany bei Ashurst LLP. Aber ein paar Tipps hat sie dennoch.

- Diane Scholz, Diplom Psycholgin, hat wertvolle Tipps.
Als HR-Managerin flattern ständig Bewerbungsmappen auf Ihren Schreibtisch. Welche Bewerbungen fallen Ihnen positiv auf?
Zunächst einmal ist es wichtig, dass die Form stimmt. Zu jeder guten Bewerbung gehört ein individuelles Anschreiben, in dem der Nachwuchsjurist Interesse an der angestrebten Position zeigt, seine Motivation darlegt und einen kurzen Überblick zu seiner Person gibt. Der sollte dann im Lebenslauf detailliert und möglichst chronologisch ausgeführt werden.
Was sollten Bewerber dabei beachten?
Es ist eine kleine Herausforderung, alle Informationen auf zwei bis drei Seiten zusammenzufassen. Bei der Darstellung von harten Fakten wie Kontaktdaten, Geburtsdatum oder Familienstand ist es wichtig, sich nicht zu sehr im Detail zu verlieren – auf den Beruf seiner Geschwister kann der Bewerber also getrost verzichten.
Und worauf nicht?
Auf die Darstellung ihrer bisherigen praktischen Erfahrungen. Sie sollten sich allerdings auf Stichpunkte zu den wesentlichen Tätigkeiten beschränken. Ein genaueres Bild kann sich der Personaler ja anhand der beiliegenden Zeugnisse machen. Man sollte beachten, grundsätzlich den Schwerpunkt auf Bereiche zu legen, die für die gewünschte Position in der Kanzlei eine Rolle spielen. Schließlich geht es in erster Linie darum, die Qualifikationen mit den Stellenanforderungen abzugleichen.
Welche Rolle spielt die Examensnote?
Natürlich sind die Examensnoten der angehenden Juristen für Personalentscheider besonders relevant. Allerdings kommt es nicht nur darauf an: Ein stringenter und interessanter Lebenslauf spielt auch eine erhebliche Rolle.
Wie kann man Ihr Interesse wecken?
Wenn zur fachlichen noch eine interessante persönliche Komponente hinzukommt. Wer besondere Kenntnisse außerhalb seines Jura-Studiums erworben hat, zeigt dass er vielseitig interessiert und gedanklich flexibel ist. Auch wenn Auslandsaufenthalte nicht unbedingt einen juristischen Bezug hatten, können sie trotzdem Sprachkenntnisse belegen. Sie sollten aber in jedem Fall auch noch gesondert mit entsprechendem Level aufgeführt werden. Auch Jura-Absolventen, die ein interessantes Hobby haben, können damit eventuell punkten. Die Angabe der Freizeitbeschäftigungen kann Aufschluss über soziales Engagement und Teamfähigkeit geben oder einfach ein interessanter Anknüpfungspunkt für das spätere persönliche Gespräch sein. Wenn der Lebenslauf die Lust weckt, nachzufragen, ist das schon die halbe Miete.
Was ist, wenn ein Lebenslauf nicht ganz gradlinig verlaufen ist?
Das sollten Jura-Absolventen auf keinen Fall auslassen. Fallen dem Personaler Lücken im Lebenslauf auf, wird er sich fragen, wie der Bewerber diese Zeit verbracht hat. Im schlimmsten Fall könnte er annehmen, dass die Zeitspanne bewusst ausgelassen wurde. Das fällt dann eher negativ auf.
Was sollten Nachwuchsjuristen beachten, bevor sie eine Bewerbung losschicken?
Bewerber sollten ihren Lebenslauf von einer unabhängigen Person durchlesen und auf Lücken, Ungereimtheiten oder formale Fehler prüfen lassen. Jemand, der den Bewerber gut kennt, wird ihm leicht sagen können, ob sich seine Person zutreffend widerspiegelt.
Autor: Rebekka Baus




