Compliance: Experten gesucht
Kriminalprävention wird ein immer größeres Thema. Inhouse-Juristen stehen vor neuen Herausforderungen. Manchmal sind sie Berater, Verhandler und Dienstleister in einer Person.

- Compliance deckt die Nichteinhaltung von Gesetzen auf. (Bild: stphillips/ iStock)
Korruptionsaffären und Abhörskandale, illegale Absprachen und Schmiergeldzahlungen. Compliance wird ein immer größeres Thema für Unternehmen und ihre Rechtsspezialisten. Ein Trend, den alle Juristen spüren, die jenseits der klassischen Kanzleien einsteigen. Denn der Schaden bei Nichteinhaltung von Gesetzen kann immens sein. Beispiel Siemens. Auf rund drei Milliarden Euro Schaden belief sich die Summe, die der Korruptionsskandal das Unternehmen kostete: inklusive Strafzahlungen, Steuernachzahlungen und Anwaltshonoraren, exklusive Imageschaden. Oder der Pharmakonzern Roche. 2001 wurde er wegen illegaler Preisabsprachen im Vitamingeschäft zu einer Strafzahlung von 670 Millionen Schweizer Franken verdonnert.
Compliance auch für kleinere Unternehmen wichtig
Doch auch kleineren Unternehmen können illegale Machenschaffen teuer zu stehen kommen. Damit es erst gar nicht dazu kommt, stehen immer häufiger die Inhouse-Juristen in der Pflicht. Das Berufsbild des Inhouse-Juristen hat sich in den vergangenen Jahren entsprechend gewandelt. Was in den USA schon seit Längerem üblich ist, steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Wo es aber Compliance-Abteilungen gibt, sind Juristen General Counsel mit einem breiten Aufgabenspektrum. Je nach Unternehmen können sie zuweilen Berater, Verhandler, Vertrauensperson und Dienstleister gleichzeitig sein. Ein Job mit hohen Anforderungen.
Eine eigene Compliance-Abteilung haben nur wenige Unternehmen
Je stärker der Fokus auf Compliance ausgerichtet ist, desto eher sind erfahrene Juristen gefragt. Compliance-Abteilungen und Verantwortliche sind meist ganz oben im Top-Management verankert. Allerdings ist es bis dato noch ein recht kleiner Teil der deutschen Unternehmen, der sich das Thema explizit auf seine Fahnen geschrieben hat. Mehr als die Hälfte der deutschen Großunternehmen hat kein Programm zur Kriminalprävention. „Die Skepsis gegenüber dem Thema Compliance ist noch immer groß“, sagt Steffen Salvenmoser, ehemaliger Staatsanwalt und Partner bei Pricewaterhouse Coopers. Für die Studie „Compliance und Unternehmenskultur – Zur aktuellen Situation in deutschen Großunternehmen“ befragte das Unternehmen 500 Großunternehmen. „Viele Unternehmen überschätzen die Kosten und unterschätzen den Nutzen eines solchen Programms.“
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Die Verantwortung für die Regeleinhaltungen liegt bei den meisten Unternehmen (69 Prozent) direkt bei der Geschäftsführung. Wenn es auf andere Abteilungen übertragen wird, dann zu 55 Prozent auf die Rechtsabteilung. Eine eigene Compliance-Abteilung unterhält ein knappes Drittel aller Unternehmen.
Master-Studiengang Compliance
Nachwuchsjuristen, die sich auf den Themenschwerpunkt vorbereiten möchten, können einen eigenen Master-Studiengang Compliance belegen. Etwa an der Deutschen Universität für Weiterbildung, an der Steinbeis-Hochschule und an der SRH in Berlin. Studienmöglichkeiten bestehen außerdem in Zittau, Ingolstadt, Deggendorf und Ludwigshafen.
Wer Vorwissen mitbringt, kann damit bei mancher Bewerbung Pluspunkte sammeln. Und sein Gehalt verbessern. Denn nach wie vor sind Unternehmensjuristen nicht so gut bezahlt wie ihre Kollegen in den Großkanzleien. Doch Zusatzqualifikationen bringen zusätzliches Geld am Monatsende. Laut der Studie Staufenbiel JobTrends Deutschland 2011 verdienen Unternehmensjuristen im Durchschnitt knapp 41.500 Euro als Einstiegsgehalt. Die Spannweite ist aber groß. Sie beginnt bei 28.800 Euro in der öffentlichen Verwaltung und in Behörden und reicht bis rund 53.000 Euro bei Banken.
Datum: 04/11
Autor: Eva Flick
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