Insolvenzrecht und Restrukturierung
Von Prof. Dr. jur. Dipl.-Betriebswirt Hans Haarmeyer
So negativ wie die vorhergesagte Insolvenzwelle für die Wirtschaft ist, für den Bereich Insolvenzrecht und Restrukturierung bringt sie Einstiegschancen für Nachwuchsjuristen, schreibt Professor für Wirtschafts- und Insolvenzrecht Hans Haarmeyer.

Kaum ein Berufsfeld bewegt sich so abseits der normalen Karrierewege und birgt zugleich ein so enormes Potenzial wie das Sanierungs- und Insolvenzmanagement. Dass dieser Berufsweg nicht zu den beliebtesten gehört, könnte vor allem daran liegen, dass die Aspekte Krise und Insolvenz immer noch als Stigma angesehen werden. Doch wer einmal in diesem Bereich eingestiegen ist, will und wird ihn meist nicht freiwillig verlassen. Angesichts der in diesem und im nächsten Jahr erwarteten großen Insolvenzwelle hat es in diesem Bereich selten so gute Berufsaussichten gegeben wie aktuell. Das gilt auch für Berufseinsteiger.
Viele Einsatzgebiete
Das Berufsfeld Restrukturierung/Insolvenz spielt sich hauptsächlich in den klassischen Bereichen der Unternehmensberatung ab. Zunehmend ist es aber auch ein spezielles Arbeitsfeld für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Neben beratenden Rechtsanwälten arbeiten hier auch rund 1.800 Insolvenzverwalter und insolvenzbegleitende Dienstleister wie Interims-Manager und Spezial-Verwertungsunternehmen.
Stark umkämpft
Berufseinsteiger sollten sich allerdings von der verbreiteten Illusion lösen, dass es möglich ist, hier sehr schnell scheinbar lukrative Positionen zu erlangen. Besonders der Markt der Insolvenzverwaltungen ist heftig umkämpft und lässt nur selten Neueinsteiger in Führungspositionen zu. Gerade in diesem Bereich kommt es sehr stark auf branchenübergreifende Erfahrungen an. Für wirtschaftlich ausgerichtete Juristen, besonders auch Diplom-Wirtschaftsjuristen, bieten sich allerdings hervorragende Einstiegsmöglichkeiten.
Schnittstelle vielfältiger Rechtsgebiete
Das Insolvenzrecht ist die Basis jedes Insolvenzverfahrens. Als Teil des Wirtschaftsrechts bewegt es sich an der Schnittstelle vielfältiger Rechtsgebiete, etwa des Unternehmens-, Gesellschafts-, Handels-, Steuer- und Strafrechts. Zugleich erfordert es betriebswirtschaftlich orientiertes und betriebswirtschaftlich determiniertes Handeln (Bewertung von Vermögen, Begutachtung strategischer Unternehmensplanung, Turnaroundmanagement, Work-Out, Sanierungsstrategien). Spätestens mit dem erhaltungsdominierten neuen Insolvenzrecht hat es sich zu einer hochdifferenzierten Rechts- und Wirtschaftsmaterie entwickelt. Jeder Verwalter sollte sich daher in unterschiedlichsten Rechtsfragen auskennen. Außerdem muss er unternehmerisches Denken mitbringen, innerhalb kürzester Zeit wirtschaftlich weitgreifende Entscheidungen treffen und sie konsequent umsetzen.
Das Berufsbild im Wandel
Das Berufsbild des Insolvenzverwalters hat im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts einen erheblichen Wandel durchgemacht: Noch Anfang der achtziger Jahre prägten im Wirtschaftsbereich tätige Anwälte das Bild, die allenfalls zur Hälfte ihrer Tätigkeit auch als Insolvenzverwalter tätig waren. Erst seit Mitte der achtziger Jahre traten professionelle Insolvenzverwalter in den Vordergrund, die sich mehr oder minder ausschließlich mit der Insolvenzabwicklung befassen. Weiterlesen: Was für Eigenschaften muss ein Verwalter mitbringen?




