Schwerpunkt: Restrukturierungsberatung
Dr. Simone Nagel und Dr. Ilja Baudisch
Für viele Berufseinsteiger ist das Bank- und Finanzrecht unbekanntes Terrain. Dass es sich hierbei um ein interessantes und vielseitiges Tätigkeitsfeld handelt, lässt sich am Beispiel der finanzrechtlichen Restrukturierungsberatung zeigen.

- Die Restrukturierungsberatung erfordert neben fundiertem Rechtswissen auch ein Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge. (Bild: LajosRepasi/ iStock)
Durch die Wirtschaftskrise hatten viele Unternehmen zuletzt Mühe, ihren laufenden Kapitalbedarf zu decken oder genügend Cashflow zu generieren, um ihren Pflichten unter bestehenden Kreditverträgen nachzukommen. Nicht immer geht es um eine akute oder drohende Zahlungsunfähigkeit. Vielmehr enthalten Kreditverträge bestimmte Finanzkennzahlen, die der Darlehensnehmer einhalten muss und die als Frühindikatoren zur Erkennung finanzieller Schieflagen und zur Risikosteuerung dienen.
Problemanalyse
In einem von uns betreuten Fall hatte sich die Situation des Unternehmens so verschlechtert, dass es die vereinbarten Kennzahlen nicht mehr einhalten konnte und ein potenzieller Kündigungsgrund für die Banken bestand. Eine in Kürze anstehende Zinszahlung an nachrangige Bondgläubiger und der drohende Mittelabfluss veranlassten das Kreditkonsortium, aus seiner Mitte drei Vertreter als sogenanntes Steering Committee zu bestellen. Wir wurden beauftragt, die Banken bei der Entwicklung eines Restrukturierungskonzepts rechtlich zu begleiten.
Vielfältige Restrukturierungsmittel
Die Mittel einer Restrukturierung, wie Stundung, Nachrangerklärung, Forderungsverzicht oder auch Debt-Equity-Swap, sind vielfältig und berühren Fragen aus verschiedenen Rechtsgebieten. Zu Beginn der Mandatsarbeit müssen die Vor- und Nachteile einer Sanierung analysiert und gegenüber der Fälligstellung der Forderungen und der Verwertung von Sicherheiten abgewogen werden. Ein Vollstreckungsszenario ist jedoch zeit- und kostenintensiv und kaum exakt vorausberechenbar, zumal die Unternehmenskrise auch Auswirkungen auf den Verwertungserlös hat. Banken finden sich deshalb häufig zu einer einvernehmlichen Lösung bereit.
In den folgenden Verhandlungen wurden die Bedürfnisse der Gruppe – wie etwa angepasste Finanzkennzahlen und bestimmte strukturelle Erleichterungen – erörtert und mit den Interessen der Banken – verstärktes Reporting, optimierte Gruppenstruktur und finanzieller Risikoausgleich – austariert. Dabei tauschten wir uns nicht nur fortlaufend mit den Mandanten und den Kollegen aus anderen Rechtsgebieten und -ordnungen aus, sondern arbeiteten auch eng mit dem Kreditnehmer, seinen Gesellschaftern und weiteren Beratern zusammen. Im Ergebnis verzichteten die Banken auf eine Ausübung ihrer Kündigungsrechte unter dem Kreditvertrag und verständigten sich mit den übrigen Beteiligten auf eine Änderungsvereinbarung.
Fazit
Neben fundierten Rechtskenntnissen erfordert die Restrukturierungsberatung auch ein Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und angesichts der komplexen Interessenlagen viel Kreativität und Flexibilität. Wichtig ist außerdem die Fähigkeit zur engen Teamarbeit – auch über die Grenzen der eigenen Rechtsordnung hinweg.
Über die Autoren
Dr. Simone Nagel, Jahrgang 1978, ist als Associate bei Allen & Overy LLP tätig. Sie studierte Rechtswissenschaften und promovierte in Tübingen.
Dr. Ilja Baudisch, Jahrgang 1978, ist als Associate bei Allen & Overy LLP tätig. Sein Studium der Rechtswissenschaften absolvierte er in Berlin und Heidelberg. Er promovierte in St. Gallen.
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