Frauen in Großkanzleien
Auf Frauen können die Großkanzleien nicht mehr verzichten. Doch die Arbeitsstrukturen machen es ihnen nicht leicht, bis nach ganz oben zu kommen.

- Juristinnen: Chancen für den Aufstieg. (Bild: Aldo Murillo / iStock)
Frauen haben sich in der deutschen Justiz ihren Platz erobert. Sie ermitteln als Staatsanwältin bei schweren Verbrechen, verteidigen Wirtschaftsbosse oder stehen als Generalbundes-anwältin an der obersten Dienststelle. Vor allem im öffentlichen Dienst sind heute Juristinnen zu finden. Laut einer Studie des Soldan Instituts schauen junge Anwältinnen bei der Jobwahl eher auf Kriterien wie Jobsicherheit, örtliche Nähe, strukturierte Arbeitsformen und Familienverträglichkeit.
Ihren männlichen Kollegen dagegen sind Einkommen, Prestige und Karrierechancen wichtiger. Diese Einstellung spiegelt sich auch in den langfristigen Karrierezielen: Während jeder zweite Anwalt die Partnerschaft anstrebt, ist es bei den Frauen nur jede Fünfte.
Öffentlicher Dienst für Juristinnen attraktiv
Der öffentliche Dienst ist für viele Frauen eine attraktive Alternative. Insgesamt sind mittlerweile ein Drittel aller Richter weiblich. In manchen Bezirken sogar die Hälfte, etwa in Düsseldorf. Karriere in Teilzeit ist im öffentlichen Dienst genauso möglich wie Flexibilität bei der Planung der Termine. Das sieht in Großkanzleien anders aus. Hier entscheidet vor allem das Fachgebiet, wie flexibel die Anwälte sind. Relativ große Flexibilität kann es etwa im Arbeitsrecht geben, weniger dagegen im Transaktionsgeschäft. Internationale Projekte und großer Zeitdruck lassen wenig Raum für persönliche Planungen.
Großkanzleien: Chancen durch Teilzeit-Partnerschaft
Viele Großkanzleien haben sich in den vergangenen Jahren bemüht, durch Teilzeit-Möglichkeiten Juristinnen auf Dauer an sich zu binden. Und das zahlt sich langsam aus, sodass teilweise auch schon eine Partnerschaft auf Teilzeit-Basis möglich ist.
Juristinnen in Führungspositionen: Höhere Quote im Ausland
Jenseits von Deutschland sind die Kanzleien genau wie die Unternehmen schon weiter, was die Frauenquote in Führungspositionen angeht. Skandinavien und die USA sind ganz vorne mit dabei. Hier hat die Frauenquote geholfen. Beispiel: Norwegen. Innerhalb weniger Jahre waren in 500 börsennotierten Unternehmen 40 Prozent aller Aufsichtsratplätze von Frauen besetzt. Davon ist Deutschland – auch in den Kanzleien – noch meilenweit entfernt. Clifford Chance nimmt die Spitzenposition ein, wenn es um den Anteil an weiblichen Equity-Partnern geht – mit 15 Prozent.
Datum: 06/11
Autorin: Eva Flick




