Eine Nasenlänge voraus
Ein Master of Law ist immer gut - doch wo soll ein Jurist seinen Meister machen? Im Ausland oder lieber in Deutschland? Beides hat Vorteile.

- (Bild:Schweitzer Degen/Fotolia)
"Der Master of Law (LL.M.) erweitert die Berufsqualifikation“, sagt Heinz-Ulrich Schmidt, Managing Director der Akkreditierungs-agentur Foundation for International Business Administration Accreditation (FIBAA). „Er ist ein renommierter Hochschul-abschluss und bringt besonders für Wirtschaftsjuristen Vorteile.“ In Deutschland arbeiten über 150 000 Anwälte. Dementsprechend hart ist der Wettbewerb um die Top- Jobs. Der Titel Master of Laws (LL.M.) kann da die entscheidende Nasen- länge sein, die ein Jurist seinen Mitbewerbern voraus sein muss.
Ausbildungsqualität
Egal ob in Deutschland oder in anderen Ländern: Die Qualität der einzelnen LL.M.-Programme schwankt stark. Juristen, die ein Aufbaustudium reizt, sollten die verschiedenen Angebote genau prüfen. „Ein gutes Zeichen für Qualität ist es, wenn das LL.M.-Programm als eigenständiges Studium angeboten wird. LL.M.-Studenten sollten nicht einfach in Vertiefungsvorlesungen des normalen Jura-Studiums gesetzt werden.", erklärt Stefanie Busch, Projektreferentin des Bologna-Zentrums der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).
Doch das zuverlässigste Qualitätskennzeichen für LL.M.-Studiengänge ist ein gültiges Siegel einer der Akkreditierungsagenturen. Bei der Akkreditierung wird die Qualität der Ausbildung überprüft, um international vergleichbare Leistungen zu sichern. Wurde ein LL.M.-Programm von einer bevollmächtigten Agentur akkreditiert, ist ein gesichertes Qualitätsniveau garantiert.
Qualitätsmerkmale
- strenge Aufnahmekriterien
- Teilnehmer aus unterschiedlichen Ländern
- eine gute Alumni-Organisation
- ein hoher Praxisbezug im Studium
- fachlich kompetente Dozenten aus Praxis und Lehre
Kein qualitativer Unterschied
Machen Rechtswissenschaftler ihren LL.M. im Ausland, erkennen Personalverantwortliche daran Weltoffenheit, Flexibilität und Fremdsprachen- kenntnisse. Deswegen schätzen sie es sehr, wenn Bewerber ihren Titel in einem anderen Land erworben haben. Aber auch die Namen der deutschen LL.M.-Programme zeigen, dass Studenten in Deutschland auf internationales Flair nicht verzichten müssen.
Da wird Intellectual Property Law, Real Estate Law und Mergers & Acquisitions gelehrt. Auch Kurse in englischer Sprache und Moot Courts in Fremdsprachen gehören zu einer guten Master-Ausbildung in Deutschland. Viele deutsche Hochschulen arbeiten mit Law Schools im Ausland zusammen. Häufig bieten sie Auslandssemester oder sogenannte Summer Schools in der vorlesungsfreien Zeit an. Sowohl hier wie anderswo, überall kommen die LL.M.-Studenten aus aller Herren Länder.
Unterschiedliche Schwerpunkte
Ein offensichtlicher Vorteil des Master-Studiums in Deutschland ist, dass es oft wesentlich günstiger ist als ein Studium im Ausland. An ausländischen Law Schools belastet ein LL.M. das Konto der Studenten mit mindestens 30 000 Euro. Unter den nationalen Programmen gibt es dagegen einige, die nur die üblichen Semesterbeiträge verlangen. Neben dem finanziellen Vorteil, ist die Organisation wesentlich einfacher und nicht so zeitaufwendig. Juristen können den LL.M. in Teilzeit- und Fernstudienprogrammen sogar neben Arbeit oder Referendariat machen. „Eine besondere Stärke der LL.M.- Programme in Deutschland liegt in der Spezialisierung“, sagt HRK-Expertin liegt darin, dass ein ganz konkretesBusch. „Der Vorteil Rechtsgebiet vertieft wird“. Anstatt mit einer fremden Sprache und einem fremden Rechtskreis zu kämpfen, können sich karriereorientierte Juristen in der Heimat ihrer Fachausbildung widmen. Der Master lockt etwa im Wirtschaftsrecht, im Insolvenzmanagement, in der Vertragsgestaltung, der öffentlichen Verwaltung und dem Europa-, Umwelt- oder Medienrecht.
Im Ausland liegt dagegen der Schwerpunkt darauf, die Sprache zu vertiefen, Einblicke in einen fremden Rechtskreis zu gewinnen und andere Kulturkreise kennenzulernen. Mit einem Auslandsstudium können Juristen Soft-Skills nachweisen, die auch von ihnen immer häufiger verlangt werden. Die Mischung macht es.
Die meisten Aufbaustudiengänge richten sich an Rechtswissenschaftler, mit mindestens ersten Staatsexamen. Viele LL.M.-Angebote sprechen ebenso Absolventen anderer Studiengänge an. Und gerade Bewerbungen von berufserfahrenen Rechtsanwälten sehen die Hochschulen gerne. Die Teilnehmer der Master-Programme sind ein bunt gemischter Haufen von Berufseinsteigern, alten Hasen und Angehörigen anderer Berufe, die sich weiterbilden möchten. Diese Mischung macht es leicht, Beziehungen aufzubauen. „Die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen ist wichtig, da ein LL.M.-Programm den Übergang ins Berufsleben darstellt“, meint auch HRK-Projektreferentin Stefanie Busch.
Mit einem hochwertigen LL.M. können Juristen zeigen, dass sie weltgewandt und motiviert sind. Egal, ob sie ihn in Deutschland, dem europäischen Ausland oder Übersee gemacht haben.
Fremdsprachenkenntnisse, Soft-Skills, Spezialisierung – für ihre Karriere können Rechtswissenschaftler alles nutzen. So rät auch FIBAA-Managing Director Heinz-Ulrich Schmidt Studenten, die am Master of Laws interessiert sind: „Machen Sie ihn!“
Autor: Simone Derichsweiler
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