LL.M. - Der richtige Zeitpunkt
LL.M. - aber wann? Auf diese Frage kann es keine allgemein gültige Antwort geben, aber ein paar Tipps von Christian Mayer helfen bei der Überlegung.
Für ein LL.M.-Studium gibt es keinen absolut richtigen Zeitpunkt. Da es bei einem solchen Weiterbildungsstudiengang meist um eine erhebliche Investition von Geld und Zeit geht, sollten Patentrezepte vermieden werden: Zu vielfältig und unterschiedlich sind die angebotenen Programme, zu individuell die Erwartungen. Allerdings gibt es – je nach Bildungs- und Karriereplänen – bessere und schlechtere Zeiten für die Aufnahme eines LL.M.-Studiums.
Vor oder nach dem zweiten Staatsexamen?
Ein markanter Zeitpunkt für ein LL.M.-Studium ergibt sich aus der Struktur der deutschen Anwaltsausbildung: Ob ein LL.M.-Studium vor oder nach dem zweiten Staatsexamen begonnen werden sollte, kann man nicht pauschal beantworten. Neben dem Aspekt der Karriereplanung ist es wichtig zu wissen, ob und in welchem Umfang Berufserfahrung für das LL.M.-Programm sinnvoll oder gar erforderlich ist.
Berufserfahrung mitbringen
Bei der Frage nach dem richtigen Zeitpunkt sollte man auch berücksichtigen, dass die meisten Executive-Programme im Unterschied zu vielen Vollzeitprogrammen ein bestimmtes Maß an Berufserfahrung voraussetzen. Dies liegt insbesondere daran, dass die Teilnehmer solcher Lehrgänge großen Wert auf gegenseitigen Erfahrungsaustausch und einen Netzwerkeffekt im professionellen Sinne legen, der mit Berufsanfängern oder Teilnehmern ohne jegliche Praxiserfahrung nur sehr eingeschränkt erreicht werden kann.
Der Programminhalt
Bei der inhaltlichen Ausgestaltung unterscheidet man zwischen Programmen, die auf eine Spezialisierung abzielen, und solchen, die eine Generalistenausbildung zum Gegenstand haben. Darüber hinaus existieren sowohl akademisch ausgerichtete Studien als auch eher praxisorientierte Lehrgänge. Im Falle einer praxisorientierten Generalistenausbildung ist sicher ein späterer Zeitpunkt sinnvoll. Bei hochgradig spezialisierten Programmen besteht im Hinblick auf den Zeitpunkt eine größere Flexibilität. Dabei sollte man sich aber fragen, ob eine Spezialisierung ohne praktische Erfahrung auf dem entsprechenden Gebiet nicht etwas riskant ist.
Sprachkenntnisse
Die Sprache spielt bei der Auswahl des Programms und damit auch des Zeitpunktes eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wenngleich ein in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien absolviertes LL.M.-Studium nicht primär als Nachweis fundierter Sprachkenntnisse dienen sollte, ist dieser Aspekt gerade für international tätige Unternehmen von zentraler Bedeutung. Von diesem Standpunkt aus betrachtet spricht bei englischsprachigen Programmen in den USA einiges für ein Studium vor dem zweiten Staatsexamen. Dies, kombiniert mit einer gezielten Auswahl der Stationen des Referendariats, erhöht sicher die Chancen auf einen attraktiven Einstiegsjob, da ein unterbrechungsfreier Übergang möglich ist.
Die familiäre Situation
Bei allen Überlegungen müssen LL.M.-Interessenten eventuell auch auf ihre familiäre Situation Rücksicht nehmen. Denn jede Art von Nachdiplomstudium, ob berufsbegleitend oder in Vollzeit, bringt in diesem Bereich zumindest temporär einschneidende Veränderungen mit sich. Entweder bedarf es einer längeren Abwesenheit oder aber Wochenenden und Urlaube fallen dem Studium zum Opfer.
LL.M. und Wirtschaftskrise
Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise und einer womöglich angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt könnten LL.M.-Interessierte sich überlegen, ein ursprünglich für einen späteren Zeitpunkt geplantes Studium vorzuverlegen.
Autor: Christian Mayer, Mag.iur., Jahrgang 1980, ist wissenschaftlicher Koordinator im Europäischen und Internationalen Wirtschaftsrecht des Nachdiplomstudiums der Universität St. Gallen.
Das könnte Sie auch interessieren:
Jura: Karrieretipps
Branchen: Jura






