Weiterbildung in Kanzleien: Fit für die Zukunft
Wer nicht auf der Stelle treten will, muss sich weiterbilden. Das gilt auch für junge Nachwuchsjuristen mit gutem Abschluss - sei es zur fachspezifischen Weiterbildung oder zur Schulung der Soft Skills.

- (Bild: Robert Kneschke/Fotolia)
Nicht nur die Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten bei der Wahl des Arbeitgebers sind wichtig. Gerade Bewerber mit Prädikatsexamen sollten auch die gebotenen Weiterbildungsmöglichkeiten der Kanzleien unter die Lupe nehmen. Denn im Wettbewerb um die besten Nachwuchsjuristen bieten immer mehr renommierte Kanzleien ihren Bewerbern perfekt auf die jeweilige Tätigkeit zugeschnittene Weiterbildungsmöglichkeiten an.
Persönliches Profil schulen
Wie sonst bei großen Wirtschaftsunternehmen üblich haben in den letzten Jahren immer mehr Top-Kanzleien spezifische Weiterbildungsprogramme ausgearbeitet. Der juristische Nachwuchs soll damit fit für die Berufspraxis gemacht werden. Denn sogar, wenn dieser ein Prädikatsexamen in der Tasche hat, verfügt er wegen seiner stark justizbetonten Ausbildung selten über zusätzliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Skills. Sie sind aber wichtig, um ein persönliches Profil zu entwickeln, das später im Job unabdingbar ist. Diese Kompetenzen wurden früher meist über ein Training-on-the-job von einem erfahrenen Tutor vermittelt. Heute greifen vor allem die großen Kanzleien bei der Schulung ihrer Nachwuchsanwälte zusätzlich auf berufsbegleitende Seminare, Vorträge und Schulungen der kanzleieigenenen Akademien oder sogenannter „Inhouse-Universities“ zurück.
Fachspezifische Weiterbildung
In Wochenendseminaren oder im Blockunterricht steht die fachspezifische Weiterbildung, etwa über ein bestimmtes juristisches Fachgebiet, auf dem Stundenplan: „In regelmäßigen Treffen und im Rahmen von Vorträgen werden vormittags Spezialthemen des jeweiligen Rechtsgebiets vergleichend erarbeitet. Nachmittags gibt es die Möglichkeit, das Gehörte anhand von Fallbeispielen anzuwenden und in Kleingruppen zu diskutieren“, beschreibt Heike Humpert, Associate bei der Rechtsanwaltsgesellschaft Raupach&Wollert-Elmendorff, einen typischen Seminartag.
Soft Skills entwickeln
Aber auch Soft Skills und Kommunikationstechniken werden von vielen Kanzleien gefördert. Die Salans LLP unterstützt den interdisziplinären Austausch ihrer Fachkräfte mit einem regelmäßigen Professional Training in Form von Vorträgen und veranstaltet außerdem monatliche Rechtsprechungsübersichten und Sprachkurse. Neben dem exzellenten Fachwissen sind es vor allem die sogenannten „weichen“ Fähigkeiten, die die Berufsausbildung junger Juristen abrunden und die im beruflichen Kontakt mit Kollegen und Mandanten enorm wichtig sind. Dazu zählen Verhandlungsgeschick, Gesprächsführungstechniken, emotionale Intelligenz oder sicheres Auftreten.
In der Praxis anwenden
Jeden Tag müssen Anwälte Gespräche mit Mandanten, Kollegen, Unternehmen oder Behörden führen, dabei teils komplizierte Sachverhalte in leicht verständliche Worte kleiden, ihre Ansichten vertreten, ihre Position durchsetzen oder Streit schlichten können. Da die Rechtsberatung nicht nur in international tätigen Großkanzleien immer globaler geworden ist, erfordert sie neben sehr guten Sprachkenntnissen und Fachvokabular auch besondere interkulturelle Fähigkeiten. Viele Seminare finden daher auch im Ausland statt und bieten Berufseinsteigern zusätzlich einen Blick über den kulturellen Tellerrand.
BWL-Kenntnisse und Zeitmanagement
Auch BWL-Kenntnisse werden häufig geschult. Denn auch darauf kommt es im beruflichen Alltag an – nicht zuletzt, um die wirtschaftlichen Interessen des Mandanten zu verstehen. Gutes Zeitmanagement will ebenfalls gelernt sein. Denn nicht selten müssen Anwälte viele Aufgaben parallel bewältigen, während häufig das Telefon klingelt. Sie müssen sich flexibel auf kurzfristige Termine einstellen und ganz nebenbei einen großen Aktenberg abarbeiten. Wer gute Zeitmanagement-Techniken gelernt hat und weiß, wie er die Arbeit am besten bewältigt, bringt dem Arbeitgeber entscheidende Vorteile.
Autor: Rebekka Baus
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