Mit dem Bachelor ans Ziel
Diplom und Promotion gelten in naturwissenschaftlichen Fächern immer noch als Nonplusultra für die Karriere. Aber auch Naturwissenschaftler mit Bachelor-Abschluss haben inzwischen gute Chancen.

- Schnellstarter willkommen. (Bild: Yuri Arcurs / fotolia.com)
Als die Bologna-Reform 1999 das gestufte Studiensystem aus Bachelor und Master ausrief, standen vielen Naturwissenschaftlern die Haare zu Berge. Die Angst: Das gute alte Diplom, nationales und internationales Markenzeichen exzellent ausgebildeter deutscher Naturwissenschaftler und Ingenieure, könnte verwässert werden. Zehn Jahre später sind auch in den Naturwissenschaften die Bachelors langsam aber sicher auf dem Vormarsch. Insgesamt sind bereits knapp 77 Prozent der naturwissenschaftlichen Studiengänge – inklusive Mathematik – auf die neuen Abschlüsse umgestellt und künftige Naturwissenschaftler können aus mehreren hundert Bachelor- und Master-Angeboten wählen.
Bachelors auf dem Vormarsch
Insgesamt lässt sich beobachten: Je mehr Erfahrungen die Unternehmen mit Bachelor-Absolventen sammeln, desto eher scheinen sich ihre anfänglichen Bedenken in Luft aufzulösen. Vor allem der große Mangel in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) hat bewirkt, dass der schnell verfügbare Naturwissenschaftler-Nachwuchs auf dem Arbeitsmarkt inzwischen öfter willkommen ist. Auch die Erklärung „Bachelor Welcome – MINT-Nachwuchs sichern!“, die rund 90 Personalmanager führender Unternehmen Mitte 2008 unterzeichnet haben, zeigt dass der Markt sich allmählich öffnet.
Hohe Abrecherquote in Naturwissenschaften
An die Umstellung auf die gestufte Studienstruktur Bachelor und Master knüpfen die Arbeitgeber daher Hoffnung: Durch bessere Betreuung der Studierenden, Internationalität, Praxisnähe, kürzere Studienzeiten und die Integration von Schlüsselqualifikationen, moderner Lernformen und neuer Lerninhalte soll sich die Attraktivität der technisch-naturwissenschaftlichen MINT-Studiengänge erhöhen.
Einsatzfelder für Bachelors
Der Bachelor-Abschluss kann Master, Diplom & Co. natürlich nicht ersetzen.Vor allem in Forschung und Entwicklung, wo der Beruf viel Fachwissen erfordert, das nur im weiterführenden Studium gelehrt wird, werden meist Master-Absolventen eingesetzt. Häufig ist auch der Doktortitel erwünscht. Doch wo, wenn nicht dort, gibt es überhaupt Nischen für Bachelors? „Wichtig ist, dass Naturwissenschaftsabsolventen wissen, was sie können und was sie wollen. Auch demjenigen, der sich für die Naturwissenschaften entscheidet, aber nicht in die Forschung möchte, bietet sich ein breites Spektrum“, sagt Stifterverbandsprogrammleiter Winde. „Ein Absolvent kann seine Kenntnisse nach dem Erststudium in verschiedenen Unternehmensbereichen einbringen. An Schnittstellen zum Marketing, im Vertrieb, im Service oder in der Pressestelle“, sagt er. Überall dort benötige man Leute mit solidem Grundlagenwissen, die in der Lage seien, dieses auch auf andere Bereiche zu übertragen.
Einsteigen mit dem Bachelor
Neben dem Direkteinstieg bieten viele Unternehmen Einstiegsprogramme an, die speziell auf Bachelors zugeschnitten sind. Das können Trainee-Programme sein, die den Bachelor durch Training on the Job und Mentorenprogramme für den Job fitmachen. Oft ist es aber auch gerne gesehen, wenn die Bachelors später noch den Master draufsatteln. Einige Master-Studenten werden dann auch von ihren Arbeitgebern gefördert - etwa mit einem Studienkredit. Teilweise ist das jedoch mit der Verpflichtung verbunden, auch nach dem Studium wieder ins Unternehmen zurückzukehren. Denn mit solchen Programmen können die Firmen Berufseinsteiger perfekt nach ihren betrieblichen Bedürfnissen ausbilden und sie gleichzeitig an das Unternehmen binden.
Datum: 10/09
Autor: Rebekka Baus
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