Praktika: Der Realitäts-Check
Unternehmen erwarten von Naturwissenschaftlern heute mehr praktische Erfahrungen als nur durch Laborpraktika. Berufspraktika sind immer häufiger Pflicht – und keine Kür.

- Naturwissenschaftler: Schon während des Studiums um Berufspraktika in Unternehmen kümmern. (Bild: Andreas Reh / istockphoto)
Dass Naturwissenschaftler nicht ohne Praxiserfahrungen ins Berufsleben starten, ist der Normalfall. Denn Laborpraktika zu bestimmten Themen sind für sie in den Studienordnungen bereits vorgeschrieben. Hier lernen die Studenten, die theoretischen Inhalte aus ihrem Studium praktisch anzuwenden – eben unter Laborbedingungen.
Gerade deshalb aber sollten Naturwissenschaftler sich schon während des Studiums um zusätzliche Berufspraktika in Unternehmen kümmern. Allein durch ihre Laborpraktika werden sie sich nicht von anderen Bewerbern abheben können.
Gut gerüstet auf Jobsuche gehen
Ein weiterer wichtiger Aspekt: In einem freiwilligen Praktikum können Studenten interessante Jobs außerhalb der Forschung kennenlernen. Denn Forschungspraktika sind selten, weiß Eva Birkmann, Chief Executive Officer bei der Karriereplattform Jobvector: „Wer eines der seltenen Praktika im Forschungsbereich ergattert, kann sich glücklich schätzen. Deshalb sollten Naturwissenschaftler aus der Not eine Tugend machen und im Rahmen eines Praktikums auch andere Geschäftsbereiche auskundschaften.“ Bei der Jobsuche sind solche Erfahrungen unbezahlbar, denn in diesen Bereichen konkurrieren Naturwissenschaftler häufig mit Absolventen anderer Fachrichtungen.
Praktika verkürzen den Weg zum Traumjob
Ein Beispiel dafür ist Ulla Robra, die an der RWTH Aachen Maschinenbau mit der Vertiefungsrichtung Energieverfahrenstechnik studierte. Wie wertvoll ein Berufspraktikum während des Studiums ist, erfuhr auch sie: „Während meines Hauptstudiums absolvierte ich ein Praktikum beim Chemieunternehmen Cognis am Standort Hythe in England. Dort führte ich in der Instandhaltungsabteilung ein System zur Overall Equipment Effectiveness ein, also zur Bestimmung der Effektivität einer Produktionsanlage. Durch die Arbeit mit diesem übergreifenden Tool lernte ich viele Prozesse und Anlagen in verschiedenen Produktionsbereichen kennen.“
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Nach dem Praktikum wurde Ulla Robra am Düsseldorfer Standort des Unternehmens eine Diplomarbeit angeboten. Thema der Arbeit war die energetische Optimierung einer Fettalkoholfraktionieranlage. Mit dem Diplom in der Tasche konnte sie direkt bei Cognis einsteigen und ist dort seit zwei Jahren Projektmanagerin in der Verfahrenstechnik.
Keine falschen Vorstellungen
Im Praktikum geht es darum, einen Bereich von innen kennenzulernen. Studenten können hier ein Gefühl dafür entwickeln, worauf es in einem Beruf ankommt und welcher Ton in der Branche herrscht. Wichtig ist, dass der Praktikant realistische Einblicke in die Arbeit erhält. „Er soll aber keine reguläre Arbeitsstelle ersetzen und nicht ausschließlich Aufgaben erledigen, auf die die Mitarbeiter des Unternehmens keine Lust haben“, rät Eva Birkmann von Jobvector.
Weiterlesen in Teil 2: Praktikum trotz Bachelor





