Interview mit Bernd Schröder, Miltenyi Biotec: "Es hat sich alles verändert"
In der Biotechnologie ist in den vergangenen 20 Jahren nichts geblieben, wie es war, sagt Bernd Schröder, Produktionsleiter bei Miltenyi Biotec. Jungen Wissenschaftlern gibt er Tipps für den Einstieg in diesen innovativen Bereich.

- Bernd Schröder: "Die Biotechnologie ist ein hoch automatisierter Bereich geworden." (Bild: privat)
Herr Schröder, Sie sind Produktionsleiter im Bereich Fermentation. Was passiert hier?
Es handelt sich um zwei Produktionsbereiche: die Kultivierung von Bakterien und die Produktion von Proteinen durch Säugerzellen. Eingesetzt werden sie später in der Zelltherapie oder als Antikörper bei der Aufreinigung von Stammzellen und Zellen des Immunsystems.
Was ist daran typisch für die Arbeit in der Biotechnologie?
Es ist ein ganz klassischer Bereich der Biotechnologie, der gerne von Absolventen für ihren Berufseinstieg gewählt wird. Hier können sie vieles anwenden, was sie schon im Studium kennengelernt haben. Dabei geht es zum Beispiel um Prozessoptimierungen im Labor oder um Scale-up-Verfahren, also um die Vergrößerung des Maßstabs von Labor- auf Herstellbedingungen.
Miltenyi Biotec wurde 1989 gegründet und ist eines der ältesten Biotechnologieunternehmen in Deutschland. Wie hat sich die Biotechnologie seitdem entwickelt?
Das ist ganz einfach zu beantworten: Es hat sich seitdem alles verändert. Damals gab es ja noch keine Gentechnik, geschweige denn ein Gentechnikgesetz, mit dem man sich auseinandersetzen musste. Die Pharmaindustrie war noch reine Chemie, und es wurden keine Antikörper in der Medikamententherapie eingesetzt. Früher wurde auch noch alles von Hand gemacht. In den letzten Jahren ist die Biotechnologie ein hoch automatisierter Bereich geworden, in der ganze Roboterstraßen eingesetzt werden.
Wie sind Sie selbst zur Biotechnologie gekommen?
Schon vor dem Studium. Mein Vater arbeitete in Leverkusen bei Bayer. Er brachte mir während meines elften Schuljahres eine Imagebroschüre mit, die mich so interessierte, dass ich beschloss, später Biologie zu studieren. Ich habe dann an der Universität Bonn ein klassisches Biologiestudium aufgenommen und mich erst später auf die Biotechnologie spezialisiert.
Ist das auch heute ein sinnvoller Weg?
Aus meiner Sicht ja, weil man im Biologiestudium sehr gut die Grundlagen lernt, die man später braucht – zum Beispiel wie eine Zelle funktioniert und welche Prozesse dort ablaufen. Wichtig ist, sich die Uni danach auszusuchen, dass man sich später im gewünschten Bereich spezialisieren kann.
Wo gibt es heute die spannendsten Forschungsfelder?
In der Zelltherapie. Hier wird geforscht, wie man Zellen dazu bringen kann, andere Zellen zu reparieren oder schädliche Zellen anzugreifen. Ein hoch komplexes und aktuelles Thema. An der Universität Rostock wird zum Beispiel geforscht, wie man mithilfe der Zelltherapie Herzinfarkte heilen kann, in diesem Fall durch Stammzellen des eigenen Knochenmarks.
Besteht im Bereich der Zelltherapie Bedarf an Absolventen?
In unserem Unternehmen und den Unikliniken schon, in der Industrie insgesamt aber weniger. Dort werden Biotechnologen eher für die klassische Arbeit in der Fermentation oder Aufreinigung der Produkte gesucht. Weiterlesen: Wie ist der Arbeitsmarkt in der Biotechnologie?




