Interview mit Dieter Jahn, BASF: "Nach oben mit System"
Professor Dieter Jahn leitet bei der BASF den Bereich Hochschulbeziehungen und Forschungsplanung. Im Interview erklärt er, wie Naturwissenschaftler in der Forschung weiterkommen können.

- "Die Herausforderungen der Zukunft sind nur mit den Natur- und Ingenieurwissen-schaften zu meistern." (Bild: Dieter Jahn/privat)
Herr Jahn, bei der BASF sind Sie verantwortlich für die Zusammenarbeit des Unternehmens mit den Hochschulen und für das Innovationsmanagement. Was ist das Spannende daran?
Die Forschung an den Hochschulen arbeitet permanent an neuen Methoden und Verfahren in der Grundlagenforschung. Die Industrie ist an diesen Entwicklungen beteiligt und natürlich auch interessiert. Die Nahtstelle zwischen Hochschulen und der Industrie zu sein und die neuen Erkenntnisse in Innovationen umzusetzen, sind für mich der besondere Reiz.
Wie sind Sie in den 1970er-Jahren zum Studium der Chemie gekommen?
Mein Chemielehrer hat mich schon früh für dieses Fach fasziniert. Diese Faszination hat mich schließlich auch zum Studium der Chemie bewogen.
Welche Ziele haben Sie damit verbunden – eine Zukunft in der Hochschulforschung oder eine Karriere in der Industrie?
Ich war völlig offen. Auch eine Lehrerkarriere konnte ich mir aufgrund des Beispiels meines eigenen Chemielehrers vorstellen. Dann hatte ich Gelegenheit, die BASF in einem Sommerkurs kennenzulernen, und entschied mich nach dieser Erfahrung für die Industrie.
Was ist für Sie heute der Reiz der Naturwissenschaften?
Es gibt für mich zwei Aspekte: die Neugierde, die Zusammenhänge unserer Umwelt verstehen zu wollen, und die daraus hervorgehende Erkenntnis, dass die Herausforderungen der Zukunft nur mit den Natur- und Ingenieurwissenschaften zu meistern sind. An der Chemie interessiert mich besonders der experimentelle und kreative Charakter, zum Beispiel völlig neue Materialien herstellen zu können.
Sie haben einmal gesagt, dass die Hochschulen gut daran täten, die Studenten auf den permanenten Wandlungs- und Internationalisierungsprozess vorzubereiten. Was hat sich hier getan?
Die Hochschulen sind inzwischen deutlich internationaler geworden. Heute findet ein intensiver globaler Austausch von Ideen und Personen statt. Viele Studenten haben bereits erste Auslandserfahrungen während ihres Studiums gemacht und die Hochschulen haben sich darauf eingestellt, dies auch zu unterstützen.
Hat das den typischen Absolventen ebenfalls verändert?
Ja, neben zunehmenden internationalen Erfahrungen sind die Studenten heute auch schon Teil eines internationalen Netzwerks. Auch dank des Einflusses der neuen Medien ist dies selbstverständlicher geworden.
Mit welchen Erwartungen beginnen Studenten heute ein naturwissenschaftliches Studium?
Die viel zu hohe Zahl von Studienabbrechern in den Naturwissenschaften deutet darauf hin, dass sich die Studienanfänger leider kein realistisches Bild von ihrem Studium machen. Ich kann alle Interessenten nur ermutigen, die vielfältigen Informationsmöglichkeiten zu nutzen – vielleicht ja auch durch Praktika in der Industrie.
Wie empfinden Berufseinsteiger das Spannungsfeld zwischen Forschung an Hochschulen und der Forschung für ein Unternehmen?
Für die BASF gilt, dass sich die Tätigkeiten in der Forschung nicht so stark von der Hochschulforschung unterscheiden. Die Übernahme von steigender Verantwortung in den Forschungsarbeiten ist eine natürliche Entwicklung, die ja auch in einer Hochschulkarriere den nächsten Schritt darstellt.
Teil 2 des Interviews mit Dieter Jahn: Wie starten Naturwissenschaftler in der Industrie?





