Berufsfelder in Versicherungen:
Jobs nicht nur für Kaufleute
Wirtschaftswissenschaftler sind gleichermaßen für die Marketingabteilung und das Firmenkundengeschäft der Versicherer gefragt. Wirtschaftsingenieure mit ersten Berufserfahrung werden von Industrieversicherungen für das Risikomanagement und die Schadensbegutachtung gesucht.

- Viele Chancen für Absolventen bei Versicherungsunternehmen - aber nicht nur für Kaufleute (Foto: istock, Tomaz Levst)
Rückversicherungen: "Unternehmen der 100 Berufe"
Besonders in Rückversicherungsunternehmen, wo die Zusammenarbeit vieler Spezialisten gefordert ist, gibt es eine breite Palette von Berufsbildern. Nicht umsonst gelten die Rückversicherungen als "Unternehmen der 100 Berufe". Neben Juristen, Wirtschaftswissenschaftlern, (Versicherungs-)Mathematikern, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren sind hier auch Sprachtalente gefragt.
Trainee-Programme bei Rückversicherern enthalten meist einen mehrmonatigen Auslandseinsatz. Der starke Auslandsanteil des Rückversicherungsgeschäfts eröffnet gute Perspektiven für international orientierte Absolventen und Young Professionals.
Auch Erstversicherer sind durch das zunehmend global geprägte Industriekunden-Geschäft verstärkt auf die Mitarbeit von sprachkundigen Wirtschaftsakademikern angewiesen. Für den Posten eines Vorstandsassistenten suchen die Unternehmen in erster Linie Akademiker, die an einem renommierten Versicherungslehrstuhl promoviert haben. Doch auch ohne Promotion oder MBA-Abschluss bieten sich verschiedene Möglichkeiten für den Direkteinstieg oder den Start in einem Trainee-Programm.
Außendienst: Vertriebsgeschick gefragt
Oft wird hier Wert darauf gelegt, dass neben wichtigen Innendienststationen auch Erfahrungen im Außendienst gesammelt werden - qualifizierter Außendienst ist einer der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren. Der Verkauf von Versicherungen ist und bleibt - vor allem im Privatkundengeschäft - eine bodenständige Angelegenheit, die Vertriebsgeschick und gute Menschenkenntnis erfordert. So steigen mit einigen Jahren Erfahrung im Außendienst die Chancen auf spätere Führungspositionen im Innendienst. Gern gesehen ist eine studienbegleitende Tätigkeit als nebenberuflicher Versicherungsvermittler oder eine abgeschlossene Versicherungs- oder Banklehre.
Die Akademikerquote ist im Außendienst zwar geringer als im Innendienst - doch die zunehmende Komplexität der zu versichernden Risiken setzt qualifizierte Fachkräfte am Ort voraus. Der Trend zu immer qualifizierteren Außendienstmitarbeitern wird auch dadurch forciert, dass sich die Versicherungen heute weg vom isolierten Einzelgeschäft hin zur umfassenden Finanzdienstleistung bewegen. Neben Versicherungsfragen schließt die Beratung häufig Aspekte der Geldanlage oder Finanzierung mit ein. Außerdem werden durch neue Richtlinien für Vermittler von Finanz- und Versicherungsprodukten der EU deutlich höhere Qualifikationsanforderungen auf die Branche zukommen.
Um die Qualifizierung der Außendienstmitarbeiter zu steigern, haben zahlreiche Versicherungsunternehmen Trainee-Programme speziell für den Außendienst entwickelt. Viele der Trainee-Programme sind straffer und schlanker gestaltet und dauern daher auch oft nur noch zwölf Monate.
Produktmanagement und Tarifkalkulation
Da auch die zielgruppenspezifische Ansprache potenzieller Kunden (wie Ärzte oder Rechtsanwälte) immer bedeutender wird, gibt es zunehmend Berufsmöglichkeiten im Produktmanagement. Weitere Einsatzfelder für Wirtschaftsakademiker sind versicherungstypische Fachabteilungen, die sich um Antragsbearbeitung, Kundenbetreuung und Schadensabwicklung kümmern. Speziell in den Sparten Lebens- und Krankenversicherung kommen Tarifkalkulation und -gestaltung sowie die Gewinnanalyse als Aufgabenfelder hinzu.
Jobs im Asset Management
Wirtschaftsakademiker finden im Versicherungsinnendienst - abgesehen von den klassischen kaufmännischen Funktionen - interessante Tätigkeiten in der Vermögensverwaltung und der Kapitalanlage. Hier stehen Versicherungsunternehmen im Wettbewerb zu Banken und Investmenthäusern. Immer bedeutender wird im Asset Management die konkurrenzfähige und rentable Anlage der Versichertengelder bei gleichzeitiger Begrenzung des Risikos sowie die Beratung von spezifischen Zielgruppen, etwa bei fondsgebundenen Lebensversicherungen.
Underwriter: abschätzen und unterzeichnen
Der Beruf des Underwriters wird in den Versicherungsunternehmen immer wichtiger. Der Underwriter ist für die Risikoanalyse und -prüfung zuständig. Er schätzt das Risiko ab, das eine Versicherung eingeht, wenn sie zum Beispiel eine Bohrinsel oder eine Chipfactory mit Reinraumtechnik versichern soll. Dafür muss er neben betriebswirtschaftlichen Kenntnissen häufig auch technisches Verständnis haben. Analytisches Denken, mehrere Sprachen sowie Branchenkenntnisse sind ebenfalls gefragt.
Der Begriff "Underwriter" entstand in einem englischen Kaffee- und Teehaus. Dort wurde irgendwann im 17. Jahrhundert ein Kontrakt zwischen einem Reeder und einem "Versicherer" über die Zahlung einer größeren Geldsumme bei Verlust der Schiffsladung geschlossen. Der Vertrag wurde nur mit der Unterschrift besiegelt, daher der Begriff Underwriter. Das Kaffeehaus trug übrigens den Namen "Lloyd´s".
Aktuar: prüfen und rechnen
Wirtschaftsmathematiker sind häufig in der Abteilung Statistik und Unternehmensplanung tätig oder arbeiten als Aktuar - eine interessante Tätigkeit, die mit der Deregulierung der Versicherungsbranche besondere Bedeutung erhielt: Jedes Lebensversicherungsunternehmen muss seitdem einen verantwortlichen Aktuar benennen, der im Interesse der Versicherten sicherstellt, dass alle Kunden gleich behandelt werden. Dazu zählt, dass die langfristig abgeschlossenen Lebensversicherungen nach Vertragsende ordnungsgemäß erfüllt werden können und dass keine Tarife dauerhaft durch andere subventioniert werden.
IT bei Versicherungsunternehmen: technische Abläufe beherrschen
Erhebliche organisatorische und arbeitsablauftechnische Umbrüche sind durch den Einsatz von Informationstechnologie bei den Assekuranzen entstanden. Entsprechend bietet sich IT-orientierten Betriebswirten, Mathematikern und Wirtschaftsinformatikern ein ergiebiges Betätigungsfeld, sei es als IT-Organisator (Systemanalytiker), IT-Spezialist (etwa für Systementwicklungen und Datenbanken) oder als Betriebsorganisator - eine in der Versicherungswirtschaft typische Position. Seine Aufgabe ist es, Reibungsverluste zwischen den Fachabteilungen und den dezentralen Geschäftsstellen zu minimieren. Er koordiniert Arbeitsabläufe und achtet dabei auf den sinnvollen IT-Einsatz.
Datum: 03/12
Autor: Thomas Friedenberger
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