Risikomanagement:
Analysestarke Teamplayer gesucht
Bei Autos ist die regelmäßige Überprüfung vorgeschrieben, wegen der Risiken, die mit ihrem Betrieb verbunden sind. Und Unternehmen - was tun sie gegen Risiken? Hier greift das Risikomanagement.

- Risiken rechtzeitig erkennen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens. (Bild: Skynesher/iStock)
Gewinnorientierte Unternehmen müssen bei ihrer Geschäftstätigkeit Risiken eingehen. Beim Risikomanagement geht es um den kontrollierten Umgang mit Risiken im Unternehmensalltag. Es gibt für Unternehmen ganz verschiedene Risikoarten:
- allgemeine externe Risiken (z.B. Naturgewalten, gesetzliche Vorschriften, Technologiesprünge),
- technologische Risiken (z.B. Stillstandzeiten von Produktionsanlagen), leistungswirtschaftliche Risiken (z.B. Beschaffung, Absatz, Forschung & Entwicklung, Qualitätsschwankungen),
- finanzwirtschaftliche Risiken (z.B. Marktpreise, Liquidität, Währungsschwankungen),
- Risiken aus Corporate Governance (z.B. Führungsstil, Kommunikation, Unternehmenskultur).
Und nicht nur dort, wo Geldströme fließen, gibt es in Unternehmen ein hohes Risikobewusstsein. Auch bei Datenströmen haben viele Unternehmen ihr Risikobewusstsein in den letzten Jahren deutlich geschärft (IT-Risiken).
Risikomanager analysieren und steuern Situationen
Risikomanager arbeiten hauptsächlich bei Banken, Sparkassen, Investment-Gesellschaften und Versicherungen. Sie "identifizieren, analysieren, kommunizieren, steuern, kontrollieren und dokumentieren Situationen, die die erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens gefährden können", beschreibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) den anspruchsvollen Job eines Risk Managers. Mittlerweile, so die BA, legen aber auch viele andere Branchen Wert auf fundiertes Risikomanagement als integralen Bestandteil des Controllings.
Als Risikomanager besonders gefragt sind Absolventen der Wirtschaftswissenschaften (mit guten Kenntnissen im Bereich Controlling), der Rechts- und - bei Produktionsunternehmen - auch der Ingenieurwissenschaften. Besonders häufig werden hier Wirtschaftsingenieure eingesetzt, da sie neben technischem Wissen schon betriebswirtschaftliches Know-how mitbringen.
Analyse- und Konfliktfähigkeit im Risikomanagement gefragt
Risikomanager müssen über ein hohes Maß an Präzision, Teamgeist und Organisationstalent verfügen. Sie sollten zielsicher kommunizieren können und über eine ausgeprägte Konfliktlösungsfähigkeit sowie über hervorragende Analysefähigkeit verfügen. Denn mit der Identifikation und Analyse beginnt die Arbeit eines Risk Managers im Unternehmen.
In Versicherungen erstellen Risikomanager u.a. für die Kunden umfassende Analysen der aktuellen Finanz-, Vermögens- und Risikosituation, erarbeiten individuelle Vermögens- und Vorsorgepläne und empfehlen bestimmte Versicherungspakete.
Risiken analysieren und bewerten
Das operative Risikomanagement beginnt mit der Risikoanalyse. Ziel ist, die betriebswirtschaftlich optimale Sicherheit zu erreichen - nicht die maximale. Bei der Erfassung der Risiken helfen Besichtigungen, Mitarbeiterinterviews, Organisationspläne, Bilanzen, Checklisten und Schadensstatistiken. Nach diesem ersten Schritt folgt die Risikobewertung. Bei der Bewertung bedient man sich verschiedener Analysemethoden, zum Beispiel Störfall-Ablaufanalysen oder Fehlerbaum-Analysen. Ist eine Quantifizierung nicht möglich, zum Beispiel beim Faktor Imageverlust, wird das Risiko qualitativ bewertet (unbedeutend, gering, mittel, schwer wiegend, existenzbedrohend).
Ziel der Risikoanalyse ist die Erstellung eines Risikoinventars bzw. einer "Risk Map". Eine solche Risk Map enthält eine Auflistung und Klassifizierung aller Risiken für das Unternehmen, detaillierte Angaben zur Eintrittswahrscheinlichkeit eines Schadens sowie mögliche finanzielle Auswirkungen.
Risikolage und Sicherheitsziele
Nach der Risikoanalyse werden die bewerteten Risiken mit den Sicherheitszielen des Unternehmens verglichen. Ziel der anschließenden Phase der Risikosteuerung und -kontrolle ist, die "Risikolage" des Unternehmens positiv zu verändern. Risiken können zum Beispiel vermieden werden, indem das Unternehmen einzelne Aktivitäten aufgibt oder grundlegend verändert (Produktionsbereich). Auch durch zahlreiche organisatorische oder technische Maßnahmen können Risiken für den Betrieb vermindert werden.
Risikomanagement im Studium
Mit Risikomanagement kann man schon vor dem Jobstart in Berührung kommen - verschiedene Studiengänge an den Hochschulen beschäftigen sich mit dem Thema: An der Humboldt-Universität zu Berlin gibt es beispielweise einen Lehrstuhl für Versicherungs- und Risikomanagement, der von der Allianz AG und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert wird. An der Justus-Liebig-Universität Gießen existiert ein Lehrstuhl für Risikomanagement und Versicherungswirtschaft. Und auch an den Universitäten in Jena, Mannheim, München, Passau und St. Gallen gibt es Lehrstühle mit dem Schwerpunkt Risikomanagement oder -theorie.
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