Versicherungen online: Geschäftsmodelle im Internet
Dass sich die Versicherungsbranche durch das Internet verändert hat, ist offensichtlich. Die Frage aber bleibt, wie Assekuranz-Unternehmen ihre Online-Geschäfte in Zukunft betreiben werden.

- Immer mehr Bürger schließen eine Versicherung im Internet ab.
Bei Versicherungen ist der Abschluss über den Vertreter weiterhin der Vertriebsweg Nummer 1. Zwei Drittel aller Versicherten in Deutschland haben einen festen Vertreter für alle ihre Versicherungsangelegenheiten. Nach einer Studie von TNS Infratest aus dem Jahr 2004 trauen sich aber immerhin 25 Prozent der Bundesbürger auch schon zu, Versicherungen ohne die Hilfe eines Vertreters abzuschließen. In der Gruppe der regelmäßigen Internetnutzer gilt dies sogar für knapp 50 Prozent. 2,5 Millionen Bundesbürger haben tatsächlich schon mindestens einmal eine Versicherung online abgeschlossen.
Preisvergleich der Versicherungen im Internet
Darüber hinaus leistet das Internet auch bei der Anbahnung der "offline" getätigten Versicherungsabschlüsse seinen Beitrag. Laut Infratest haben knapp vier Millionen Bundesbürger schon mindestens einmal ein konkretes Versicherungsangebot über das Internet angefordert, über sechs Millionen zumindest allgemeines Informationsmaterial.
Die Zahl der Webseitenbesucher von Versicherungen liegt sogar noch höher: Jeder zweite Onliner hat schon einmal eine Versicherungssite im Internet besucht. Pro Monat brachten es die Versicherungsseiten in Deutschland im Jahr 2004 auf ca. 2,4 Millionen Besucher, das war eine Steigerung um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Versicherungsexperten sehen deshalb in der Verbindung zwischen Online-Vermittlung und Offline-Beratung die zeitgemäße Form der Vertriebswege.
Maßgeschneiderte Versicherungslösungen off- und online
Insbesondere bei stark standardisierten Produkten wie Kfz- und Hausratversicherungen oder der Privathaftpflicht sind virtuelle Organisationsformen den traditionellen Modellen hinsichtlich Kosten und Flexibilität überlegen. Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen gelten dagegen nur als bedingt internetfähig, da der Beratungsbedarf hier besonders hoch ist.
Die Unternehmensberatung agens Consulting schlägt in den Versicherungsforen der Universität Leipzig "maßgeschneiderte Lösungen von der Stange" vor: So wie der Kunde die Möglichkeit haben soll, sich sein Versicherungspaket online aus verschiedenen Modulen per Mausklicks zusammenzustellen, sollen die Versicherer durch den Einsatz möglichst flexibler Systemkomponenten für jedes einzelne Produkt entscheiden können, wie konsequent der Vertrieb online erfolgt.
Sparen mit Web-Technik
Immer wichtiger werden Workflow-Management-Systeme zur Optimierung interner Abläufe sowie Systeme, die die Online-Verwaltung in persönlichen Userbereichen ermöglichen. Versicherungsunternehmen und Marktexperten sehen in einigen Feldern weiterhin großes Sparpotenzial. Dazu gehören:
- Kundenberatung und Verkauf,
- Vertragsabwicklung,
- Vertragspflege,
- Schadensmanagement.
Zahlreiche Betätigungsfelder für Akademiker
In der etwas "kleineren" Versicherungsbranche sind ähnlich viele IT-Experten beschäftigt wie in der Kreditwirtschaft. Auch ihre Aufgabenstellungen sind ähnlich wie bei den Banken. Es geht um Möglichkeiten, die verschiedenen Aktivitäten vom Vertrieb bis zur Schadensabwicklung auf IT umzustellen und auszubauen. Hier werden Internet und Intranet weiter an Bedeutung gewinnen.
Gerade für die Integration von neuen Produkten und Geschäftsmodellen ins Internet werden Absolventen und Young Professionals gesucht, die über wirtschaftswissenschaftliches Know-how und über Internet-Wissen verfügen.
Datenschutzbestimmungen behindern Outsourcing
Auch in der Versicherungsbranche geht der Trend zum Outsourcing. So lagern einige große deutsche Unternehmen, die auch weltweit tätig sind, ihre IT-Aufgaben aus. Sie haben eigene IT-Beratungs- und Systemhäuser gegründet, in denen branchenbezogene Kenntnisse und IT-Wissen gebündelt wurden. Als Dienstleister entwickeln und realisieren sie für ihre Mutterkonzerne individuell angepasste IT-Lösungen.
Aus zwei Gründen spielt das Outsourcing jedoch eine geringere Rolle als bei den Banken: Zu einen nutzen Versicherungsunternehmen häufiger als Banken selbst entwickelte Programme - was das Outsourcing grundsätzlich komplexer macht -, zum anderen ist gesetzlich festgeschrieben, dass die "Weitergabe persönlicher Daten an Dritte" auch Versicherungsunternehmen untersagt ist. Diese Bestimmung wird heute oft noch als Hindernis für IT-Outsourcing im großen Stil betrachtet.
Übers Internet versichert
Es kristallisieren sich verschiedene Modelle für Versicherer im Internet heraus. Dabei ist noch nicht ausgemacht, welches sich letztlich durchsetzt und welchen Anteil das jeweilige Modell am Gesamtmarkt haben wird. Die Modelle sind:
- Info-Broker: Reine Info-Broker verkaufen über Versicherungsvergleiche (Preise können direkt verglichen werden).
- Nachfrage-Gemeinschaften: Verbraucher schließen sich zu Nachfrage-Gemeinschaften zusammen und bündeln so ihre Interessen.
- Portale: Auf virtuellen Marktplätzen kann der Kunde aus vielen verschiedenen Angeboten wählen.
- E-Markets sind Marktplätze, die von Kunden ausgehen. Sie veröffentlichen hier ihren Versicherungsbedarf und warten auf Angebote.
- Virtuelle Versicherer: Rein virtuelle Versicherer agieren direkt und ausschließlich im Internet.
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