Der Jobmarkt: Mehr Akademiker
Versicherungen sind ein krisensicheres Geschäft – im Vergleich zu manch anderer Branche sowieso. Absolventen mit erster Branchenerfahrung finden hier spannende Herausforderungen. Doch wie viele Absolventen arbeiten überhaupt in der Branche?
Stabilität ein seltenes Gut
„Die Finanzmarktkrise ist keine Krise der Versicherungen.“ Das betont Bernhard Schareck, Präsident des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Frühjahr. Stabilität ist ein seltenes Gut in unsicheren Wirtschaftszeiten. Und die schlägt sich auch auf den Arbeitsmarkt der Versicherungsbranche nieder.
Warum ist die Situation bei den Versicherungen so stabil? Versicherungen profitieren heute von ihrem ureigenen Konstruktionsprinzip: Monat für Monat fließen die Beiträge in ihre Kassen. Mehr oder weniger unabhängig von allen Randbedingungen. 80 Milliarden Euro nehmen in diesem Jahr allein die Lebensversicherungen ein. 2008 waren es insgesamt 165 Milliarden, pro Einwohner in Deutschland sind das 2.000 Euro.
Wettbewerb um Kunden
Schon seit Jahren muss sich die Branche mit dem Spannungsfeld zwischen zunehmendem Wettbewerb um Kunden und Investoren sowie immer neuen gesetzlichen Anforderungen auseinandersetzen. Das kann nur gelingen, wenn die Versicherungsunternehmen ständig ihre Kosten im Blick haben. Und Kosten heißt auch Personalkosten. Bereits im fünften Jahr in Folge geht deswegen die Zahl der Beschäftigten zurück. Und wahrscheinlich wird sich dieser Trend weiter fortsetzen. Betroffen von dieser Entwicklung sind aber überwiegend Mitarbeiter mit geringer Qualifikation. Anders sieht es bei den Akademikern aus.
Juristen, Kaufleute und Mathematiker
In den zehn Jahren von 1997 bis 2007 ist die Akademikerquote von 9,3 auf 12,1 Prozent nach oben gegangen. 2008 waren in der Versicherungsbranche insgesamt gut 26.000 Hochschulabsolventen tätig. Die größte Gruppe stellen mit knapp 7.000 die Juristen, gefolgt von 5.500 Diplom-Kaufleuten und Volkswirten.
Die Versicherungsunternehmen beschäftigen außerdem 4.400 (Wirtschafts-)Mathematiker, rund 2.000 (Wirtschafts-)Ingenieure und Informatiker. Zu den übrigen 7.600 Akademikern zählen Psychologen, Physiker und Mediziner. Außerdem sind in den Assekuranzen rund 20.000 Absolventen von Fachhochschulen und Berufsakademien aktiv. Hier hat die überwiegende Anzahl der Absolventen einen ökonomischen oder versicherungsspezifischen Abschluss. So weit der augenblickliche Stand.
Hohe Veränderungsgeschwindigkeit
Und die Zukunft? „In der Versicherungswirtschaft herrscht eine hohe Veränderungsgeschwindigkeit. Absolventen, die idealerweise Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Mathematik oder Jura studiert haben, müssen die Fähigkeit besitzen, sich in unterschiedliche Themen einzuarbeiten und schnell zu reagieren. Entsprechend brauchen Bewerber ein hohes Maß an Kreativität, Teamfähigkeit, Eigeninitiative, Überzeugungs- und Entschlusskraft sowie eine hohe soziale Kompetenz“, sagt Dr. Johannes Neumann, Leiter Konzern Personal im Talanx Konzern.
Und er fügt hinzu: „Sehr gute Englisch- und idealerweise weitere Fremdsprachenkenntnisse sowie ein längerer Auslandsaufenthalt sind gerade in den größeren, international agierenden Versicherungsunternehmen ein ganz wichtiger Pluspunkt.“
Finanzmärkte stabilisieren
Mit etwa 220.000 Beschäftigten ist die deutsche Versicherungswirtschaft gesamtwirtschaftlich zwar eine eher kleine Branche; für die Volkswirtschaft hat sie mit einem jährlichen Prämienvolumen von rund 165 Milliarden Euro jedoch eine herausragende Funktion. Sie sorgt durch das Übernehmen von Risiken für einen reibungslosen Wirtschaftsablauf, entlastet die sozialen Sicherungssysteme, stellt die Ansammlung und Investition von Kapital sicher und stabilisiert die Finanzmärkte durch langfristige Orientierung in der Anlagepolitik. Absolventen finden hier spannende Herausforderungen.
Autorin: Eva Flick
Datum: 09/09
Jobs & Arbeitgeber
Finden Sie hier Jobs und Arbeitgeber in der Versicherungsbranche:




