Im Überblick: Erst- und Rückversicherer
Erstversicherer, Rückversicherer, Aktuare, Underwriter – was bedeuten diese Begriffe und welche Jobchancen verbergen sich heute dahinter?

- Mehr Jobs für Akademiker bei Versicherungen (Bild: una.knipsolina / photocase)
Versicherungen lassen sich grundsätzlich in zwei Sparten einteilen: Erst- und Rückversicherungsunternehmen. Die Rückversicherer übernehmen einen Teil der Risiken, die Erstversicherer im direkten Kundenkontakt eingegangen sind. Die klassische Trennlinie zwischen Erst- und Rückversicherungsgeschäft weicht durch die zunehmende Verflechtung innerhalb der Branche aber immer mehr auf. Jobchancen für engagierte Absolventen gibt es sowohl bei Erst- wie bei Rückversicherern. Die Rückversicherungsunternehmen suchen häufig Wirtschaftsabsolventen mit mathematischen, technischen und informationstechnischen Zusatzqualifikationen, wenn es um die Bewertung von Versicherungsrisiken gerade im technischen Bereich geht.
Weltweit operierende Rückversicherer
Das Geschäft der weltweit operierenden Rückversicherer wird zunehmend komplexer und zugleich riskanter. Steigend ist der Deckungsbedarf für komplexe Großrisiken wie Naturkatastrophen oder große Infrastrukturprojekte. Gleichzeitig geben Erstversicherer und Großunternehmen immer weniger Risiken an die Rückversicherer – gegen entsprechende Gebühr – ab. Neue Formen der Risikofinanzierung waren gefragt: So haben Rückversicherungen, teilweise in Zusammenarbeit mit Investmentbanken, eine Reihe von Instrumenten entwickelt, mit denen Risiken auf nichttraditionelle Art verteilt werden. Dieser Bereich wird auch als Alternative Risk Transfer oder Alternative Risk Financing bezeichnet. Hier werden Versicherungsrisiken über die globalen Finanzmärkte abgesichert.
Produktentwicklung und Kapitalanlagen
„Als Einstiegsmöglichkeit bieten vor allem Trainee-Programme eine optimale Möglichkeit, unterschiedliche Unternehmensbereiche kennenzulernen, Netzwerke zu knüpfen und das große Ganze der Aufgaben eines Versicherungsunternehmens zu verstehen“, sagt Winfried Spies, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor bei der Generali Deutschland Holding AG, und beschreibt die Vielfalt der Branche. „Produktentwicklung, Schadenmanagement, IT-Dienstleistungen, Controlling, Risikomanagement, Kapitalanlagen, Marketing, Recht oder Personal verdeutlichen exemplarisch die vielseitigen Tätigkeitsbereiche, die ein Versicherungsunternehmen typischerweise zu bieten hat. Absolventen, die sich für eine Karriere in der Versicherungswirtschaft entscheiden, sollten in jedem Fall eine hohe Innovations- und Veränderungsbereitschaft mitbringen, um den vielfältigen Herausforderungen in unserer Branche zu begegnen. Daneben wird Eigenverantwortung und Individualität genauso großgeschrieben wie Teamgeist und Rücksichtnahme. Denn bei einem idealen Mitarbeiter kommt es neben der guten fachlichen Qualifikation immer auch auf die Soft Skills, die sozialen Kompetenzen, an“, so Spies.
Akademikerquote ist gestiegen
Schon seit längerem ist zwar ein Rückgang der Beschäftigung insgesamt zu beobachten. Betroffen von dieser Entwicklung sind jedoch überwiegend Mitarbeiter mit geringer Qualifikation. Bei den Akademikern liegt bereits seit Jahren ein gegenläufiger Trend vor. In den zehn Jahren von 1997 und 2007 ist die Akademikerquote von 9,3 auf 12,1 Prozent gestiegen. 2008 waren in der Versicherungswirtschaft über 26 000 Hochschulabsolventen tätig. Die größte Gruppe stellen die Juristen, gefolgt von Diplom- Kaufleuten und Volkswirten. Die Versicherungsunternehmen beschäftigen außerdem Mathematiker, Ingenieure und Informatiker. Zu den übrigen Akademikern zählen Psychologen, Physiker und Mediziner. Heute beträgt die Akademikerquote in der Branche über 13 Prozent.
Haus der 100 Berufe
Besonders in den Rückversicherungsunternehmen, wo die Zusammenarbeit vieler Spezialisten gefordert ist, gibt es eine sehr breite Palette von Berufsbildern. Nicht umsonst wird ein Rückversicherer immer noch als „Haus der 100 Berufe“ bezeichnet. Bewerber sollten gute Sprachkenntnisse und die Bereitschaft zu Mobilität mitbringen. Besonders Absolventen mit erster Berufserfahrung in der Versicherungsbranche und guten mathematischen Kenntnissen sind gefragt.
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