Interview: „Blindes Vertrauen ist schädlich“
Die Versicherungsunternehmen sind bislang erstaunlich gut bei der globalen Wirtschaftskrise weggekommen. Staufenbiel hat einen erfahrenen Fachmann über Gegenwart und Zukunft des Finanz-Sektors befragt – Wolfgang Brezina über realistische Ziele, Crash-Tests und die wichtigsten Voraussetzungen für die Karriere.

Herr Dr. Brezina, war dies die bisher größte Krise an den internationalen Finanzmärkten?
Ob die heutige Finanzkrise mit früheren, wie der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 vergleichbar ist, können wir jetzt noch nicht sagen. Eins steht jedoch fest, auch wenn im Verlauf des Jahres 2009 eine konjunkturelle Erholung einsetzen sollte, wird es noch lange dauern, bis die Wirtschaft die jüngsten Produktionseinbußen wieder aufgeholt hat.
Gibt es eigentlich auch „Gewinner“ in der Finanzkrise?
Gewinner ist aus meiner Sicht das falsche Wort, schließlich betrifft die Finanzkrise uns alle. Man sollte aber nicht vergessen, dass jede Krise auch immer eine Chance mit sich bringt. Während früher RenditeRenditen unter zehn Prozent als langweilig galten, rücken heute Sicherheit, Finanzkraft und nachhaltige Geschäftsführung wieder stärker in den Blickpunkt der Kunden. Als finanzstarkes Versicherungsunternehmen können wir Kunden und Mitarbeitern in dieser Zeit die Gewissheit geben, dass sie sich auf uns verlassen können.
Die Finanzkrise wird auch als Vertrauenskrise bezeichnet. Wie kann sie überwunden werden?
Die Krise hat gezeigt, dass blindes Vertrauen schädlich ist. Jetzt ist es an den Unternehmen und Politikern, Maßnahmen zu ergreifen und für entsprechende Regularien und das notwendige Risikomanagement zu sorgen. Erst dann ist Vertrauen wieder möglich.
Was bedeutet Vertrauen im Job, was bedeutet Vertrauen für Sie persönlich?
Für mich bedeutet Vertrauen, dass ich mich auf die Menschen in meinem Umfeld verlassen kann. Aber auch Offenheit, Ehrlichkeit und Integrität gehören für mich dazu.
Was empfehlen Sie Studenten und Absolventen, die sich jetzt für den Einstieg in der Finanzwirtschaft interessieren?
Natürlich zu einem international tätigen, finanzstarken Versicherungs- und Finanzdienstleister zu gehen! (lacht) Im Ernst: Wir befassen uns bereits heute mit Zukunftsthemen, wie Klimawandel oder demografische Entwicklung, und entwickeln Lösungen für morgen. Interessanterweise bekommen wir heute mehr Bewerbungen von Kandidaten, die früher eher zu Investmentbanken oder Unternehmensberatungen gegangen wären.
Welche Bereiche wachsen?
Weiter wachsen wird der Bedarf an guter Beratung im Finanz- und Versicherungsbereich. Wir suchen deshalb schon heute geeigneten Nachwuchs im Vertrieb und haben die Allianz Außendienst Akademie in Köln für die Aus- und Weiterbildung im Vertrieb gegründet.
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