Interview mit Gerd Eggemann von PricewaterhouseCoopers
Wie man sich auf das Wirtschaftsprüferexamen vorbereiten kann und warum Sportmeisterschaften dabei nicht hilfreich sind, erläutert Gerd Eggemann, Wirtschaftsprüfer und verantwortlicher Human Capital Business Partner für die Serviceline Assurance bei PwC im Interview.

- Gerd Eggemann: "Man sollte sich auf jeden Fall voll und ganz auf das Examen konzentrieren" (Bild: PwC)
Herr Eggemann, welche Voraussetzungen müssen Mitarbeiter erfüllen, um am Wirtschaftsprüferexamen teilnehmen zu können?
Nach dem Hochschulabschluss wird eine praktische Tätigkeit vorausgesetzt. Sie drückt sich bei Diplom- und Master-Absolventen in drei und bei Bachelor-Absolventen in vier Jahren Berufserfahrung aus, etwa als Consultant in der Wirtschaftsprüfung oder der prüfungsnahen Beratung.
Es gibt ja auch Möglichkeiten, das anspruchsvolle Examen zu verkürzen.
Ja. Sonderregelungen gelten hier für Absolventen der WP-Master-Studiengänge nach Paragraf 8a der Wirtschaftsprüferordnung. Sie beginnen ihr Studium meist schon nach einem Jahr Berufserfahrung und können nach dem dreijährigen Studium direkt in das Berufsexamen gehen. Vorteilhaft ist das vor allem deshalb, da die Studienleistungen in BWL und Recht auf das Berufsexamen angerechnet werden und diese Prüfungen somit wegfallen.
Wie sieht der typische WP-Examensweg aus?
Ich bin den für damalige Verhältnisse klassischen Weg zum Wirtschaftsprüfer gegangen. Nach dreijähriger Berufserfahrung habe ich das Steuerberaterexamen abgelegt und bin nach weiteren zwei Jahren in das WP-Examen gegangen – zum Glück gleich mit Erfolg. Vorbereitet habe ich mich etwa durch ein Repetitorium. Die Wege zum Wirtschaftsprüfer sind vielfältig, je nachdem ob man in das Vollexamen geht oder Leistungen aus der Steuerberaterprüfung oder einem WP-Master-Studiengang angerechnet bekommt.
Und heute?
Heute empfehlen wir für eine Karriere im Prüfungsbereich entweder über den WP-Master oder direkt in das Examen zu gehen – ohne den Umweg über die Steuerberaterprüfung zu nehmen. Denn die Steuerberaterprüfung ist aufwendig und der Titel ist für eine Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer nicht wichtig. Und selbst wenn man nicht das komplette WP-Examen direkt besteht, gibt es ja noch die Möglichkeit, über Ergänzungsprüfungen einzelne Fächer nachzuholen. Aus unserer Erfahrung ist dieser Weg meist kürzer und insgesamt erfolgreicher als die Alternative mit Umweg Steuerberater.
Wie kann man sich auf das Examen optimal vorbereiten?
Ich würde empfehlen, etwa ein Jahr vor dem Examen mit der Vorbereitung zu beginnen. Natürlich hat jeder Mensch andere Lernstrategien. Die einen lernen gerne alleine zu Hause, wo sie keiner stört. Andere bevorzugen die Bibliothek, um keinen Fernseher oder andere Ablenkungsmöglichkeiten in der Nähe zu haben. Auch die Angebote an Kursen sind vielfältig.
Und was sollte man besser nicht beim WP-Examen machen?
Man sollte sich auf jeden Fall voll und ganz auf das Examen konzentrieren und nicht gleichzeitig andere größere Projekte wie Hausbau oder Ähnliches in Angriff nehmen. Auch sollte man sich in der Vorbereitungszeit nicht durch zeitintensive Hobbys oder etwa durch die Vorbereitung und Teilnahme an einem Marathon zusätzlich belasten.
Und wie haben Sie sich selbst vorbereitet?
Ich habe einen Kurs belegt und würde dies auch empfehlen. In jedem Fall ist es hilfreich, möglichst viele Probeklausuren zu bearbeiten. In großen WP-Gesellschaften wie unserer oder unter den anderen Teilnehmern in den Vorbereitungskursen lassen sich immer Gleichgesinnte finden, mit denen man Arbeitsgruppen bilden und sich austauschen kann.
Wie hoch sind die Durchfallquoten bei dem anspruchsvollen Examen?
In den letzten Jahren lagen die Durchfallquoten zwischen 40 und 50 Prozent. Aber auch hier haben wir erste gute Erfahrungen mit den Teilnehmern der Wirtschaftsprüfer-Master-Studiengänge gemacht. Sie haben im Durchschnitt deutlich besser abgeschnitten.
Datum: 05/11
Interview: Thomas Friedenberger
Zur Person
Gerd Eggemann, Jahrgang 1958, Wirtschaftsprüfer, ist Assurance Business Partner für Human Capital bei der PricewaterhouseCoopers AG WPG (PwC). Der Diplom-Ökonom hat Wirtschaftswissenschaften in Bochum studiert.
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