Interview: „Die Examensnote ist wichtig, aber…“
Einsteigen eher bei einer mittelständischen oder bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft? Welche zentralen Trends bestimmen die Branche? Und wie kann man in Bewerbungsgesprächen überzeugen? Staufenbiel hat den COO Michael Krall gefragt.

- COO Michael Krall
Welche Trends zeichnen sich in der Branche aktuell ab?
Das Berufsbild des Wirtschaftsprüfers hat sich in der Vergangenheit stark gewandelt: weg von der reinen Belegprüfung, hin zur einem ganzheitlichen und risikoorientierten Ansatz. Zur Vereinheitlichung der Prüfungsprozesse hat unser Unternehmen einen risikoorientierten Prüfungsansatz entwickelt, der auf einem umfassenden Verständnis der Geschäftstätigkeit, der abschlussbezogenen Risiken und der rechnungslegungsbezogenen Kontrollmaßnahmen des Mandanten basiert.
Was bedeutet das konkret?
Es ist die Pflicht des Abschlussprüfers, mit kritischer Grundhaltung zu beurteilen, ob die Abschlüsse der Mandanten keine wesentlichen Fehlaussagen oder falsche Angaben enthalten – eine sehr große Verantwortung mit weitreichenden Auswirkungen auf Finanzentscheidungen. Besonders der Markt für Finanzdienstleister befindet sich im Umbruch. Stärker als in jeder anderen Branche haben die rasante technologische Entwicklung und die komplexere Produktvielfalt die Wertschöpfungsketten verändert. Vor diesem Hintergrund müssen auch führende Banken ihre Strategien und Geschäftsprozesse ständig überprüfen.
Wo liegen Ihrer Einschätzung nach die Unterschiede beim Vergleich von mittelständischen und großen Gesellschaften?
Die Vorteile von großen Gesellschaften liegen aus meiner Sicht in der Internationalität, der Mandantenvielfalt und nicht zuletzt in den umfangreichen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Durch den Zusammenschluss zu einer der größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften in Europa eröffnen sich Mitarbeitern in unserem Unternehmen durch die Arbeit in den immer stärker international besetzten Teams neue Möglichkeiten. Ein Niederlassungswechsel von Frankfurt nach London wird dadurch ebenso möglich wie ein Wechsel von Berlin nach München.
Gibt es weitere Unterscheide?
Ja, die Mandantenvielfalt bei großen Gesellschaften ist sehr ausgeprägt. Bei uns reicht sie vom mittelständischen Autozulieferer über die Regionalbank bis hin zum internationalen Pharma- oder Medienunternehmen. In Deutschland prüfen und beraten wir zwei Drittel der Dax-30-Unternehmen sowie 27 Prozent der im MDax notierten Unternehmen. Darüber hinaus legt unserer Unternehmen großen Wert auf das Prinzip des lebenslangen Lernens. Neben der fachlichen Fortbildung fördern wir auch gezielt die Soft Skills der Mitarbeiter.
Und wie wichtig ist die Examensnote?
Eine gute Examensnote ist für den Berufseinstieg zwar wichtig, aber nicht alles. Studiendauer, Fächerkombination, erste praktische Erfahrungen, Auslandsaufenthalte und Sprachkenntnisse sind für uns wichtige Indikatoren der Leistungsbereitschaft der Bewerber. Neben den fachlichen Kompetenzen haben besonders soziale Fähigkeiten oberste Priorität und spielen bei der Personalauswahl eine übergeordnete Rolle. In unserem Berufsfeld tritt man mit unterschiedlichsten Akteuren in Kontakt – die Fähigkeit, sich schnell und flexibel auf Ansprechpartner unterschiedlichster hierarchischer Positionen einstellen zu können, ist für die erfolgreiche Arbeit unabdingbar.
Womit kann man in Bewerbungsgesprächen am besten überzeugen?
Um im Bewerbungsgespräch zu überzeugen, sollten Sie zeigen, dass Sie sich mit dem Unternehmen und der damit verbundenen Tätigkeit beschäftigt haben. Dies können Sie durch die Formulierung konkreter Fragen signalisieren. Neben einem selbstbewussten Auftreten, das sich beispielsweise durch einen festen Händedruck ausdrückt, ist es wesentlich, dass Sie authentisch bleiben.
Interview: Thomas Friedenberger
Datum: 10/09
Über den Autor
Michael Krall, Jahrgang 1957, ist COO Audit Deutschland bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Als COO ist er im Unternehmen zuständig für Planung, Controlling und Personal im Bereich Wirtschaftsprüfung.
