Bewerbungsunterlagen: Ohne Floskeln
Was gehört hinein? Was ist besonders wichtig? Und womit kann man Pluspunkte sammeln? Unser Experte gibt die wichtigsten Tipps zu den Bewerbungsunterlagen.

- Michael Melchior, A.S.I. (Bild: A.S.I.)
Welche Dinge gehören bei Wirtschaftswissenschaftlern grundsätzlich in die Bewerbungsunterlagen?
Hier gibt es keinen Unterschied zu anderen Berufsgruppen: eine Seite Anschreiben, zwei Seiten Lebenslauf, ein Bewerbungsfoto in schwarz-weiß oder farbig und die Unterlagen, aber nur die wichtigen. Dies gilt auch trotz vielfacher Hinweise auf das AGG, das Gleichbehandlungsgesetz, dass Bewerbungsfoto und Daten im Lebenslauf eine Diskriminierung wegen Geschlecht und Alter ermöglichen könnten. Diese Ansicht hat sich jedoch nicht durchgesetzt. Keiner geht schließlich vermummt ins Vorstellungsgespräch. Stellen Sie sich also so vorteilhaft wie möglich dar!
Was ist besonders wichtig bei den Bewerbungsunterlagen?
Der Lebenslauf ist das Kerndokument, es wird als Erstes gelesen und stellt die Pflicht dar. Wir leben in einer Zeit von Fakten, Fakten, Fakten: also klare Gliederung, ohne Lücken, zwei Seiten und aussagekräftig. Der Lebenslauf ist kein Existenznachweis, sondern soll die erworbenen Qualifikationen darstellen. Wichtige prägende Phasen ausführlich, weniger wichtige zusammengefasst.
Was fällt Ihnen bei Bewerbungsunterlagen als erstes auf?
Ob sich einer Mühe gemacht hat und deshalb seinen Start in den Beruf und den Empfänger ernst nimmt. Das sehe ich an einer ordentlichen Aufmachung, gutem Gesamteindruck, interessantem Lebenslauf und einem individuellem Anschreiben, das mich anspricht.
Wann sind Bewerbungsunterlagen besonders gut, wann eher schlecht?
Gut gefällt mir, wenn der Bewerber sich kreativ mit der Stellenanzeige auseinandergesetzt hat und die Keywords interessant aufgreift. Negativ ist immer, wenn mir „08/15“ begegnet. 70 Prozent der Bewerbungsunterlagen fallen leider in diese Kategorie.
Worüber ärgern Sie sich bei der Durchsicht von Bewerbungsunterlagen am meisten?
Ein Lebenslauf ohne Struktur, in dem ich die biographische Zeitreihenfolge mühsam zusammenpuzzeln muss.
Womit kann ein Kandidat bei seinen Bewerbungsunterlagen Pluspunkte sammeln?
Zwei Dinge: Ein Lebenslauf, der schnell die Qualifikation erkennen lässt. Und ein Anschreiben, bei dem mir die Person begegnet.
Welche persönlichen Tipps für die Bewerbungsunterlagen geben Sie Studenten, Absolventen, Bewerbern?
Mit dem Lebenslauf beginnen und hier die meiste Mühe verwenden. Wird als erstes gelesen. Ein Bewerbungsfoto, bei dem jeder sagt: Mit diesem Menschen möchte ich gerne zusammenarbeiten. Ein Anschreiben ohne Floskeln und Plattitüden.
Was wollten Sie Absolventen bezüglich der Bewerbungsunterlagen schon immer einmal sagen?
Ich nehme mir maximal drei Minuten Zeit für eine Mappe. Dies bedeutet: In der Kürze will ich alle wichtigen Informationen und Eindrücke bekommen.
Und wie lautet Ihr Erfolgsrezept?
Die Bewerbungsbotschaft nicht gedanklich überladen. Drei Highlights im Lebenslauf und drei Argumente im Anschreiben reichen vollkommen aus.
Der Experte
Michael Melchior ist Projektleiter Marketing bei der A.S.I. Wirtschaftsberatung AG. Der Diplom-Ökonom hat Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen studiert.




