Vorstellungsgespräch: Entscheidungen auch begründen
Den hundertprozentig idealen Bewerber auf eine Stelle gibt es nicht. Punkten kann man eher, wenn man neben den Stärken auch seine Schwächen kennt und dazu steht, genauso wie man sich im Vorstellungsgespräch positiv darstellen sollte - ohne dabei zu übertreiben.

- Eine realsitische und glaubwürdige Darstellung ist im Vorstellungsgespräch genauso wichtig, wie seine Schwächen anzuerkennen. (Bild: Mitch Spearman/Veer)
Was kommt in Vorstellungsgesprächen bei Unternehmen Ihrer Branche besonders häufig zur Sprache?
Wir möchten in erster Linie den Bewerber als Person kennenlernen: Passt er als Mensch zum Unternehmen, in unsere Teams? Erfüllt er die fachlichen Voraussetzungen, die die spezifische Position erfordert? Wie unterscheidet er sich von Mitbewerbern und welches ist der konkrete Nutzen, wenn wir ihn einstellen? Warum findet er unsere Branche und unser Unternehmen spannend? Hat er sich mit dem Unternehmen beschäftigt – weiß er, was wir tun und hat er sich überlegt, warum er bei uns arbeiten möchte?
In jedem Gespräch bitten wir den Bewerber, uns den „roten Faden“ durch seinen Lebenslauf zu legen. Hier achten wir darauf, ob der Kandidat nicht nur einfach die verschiedenen Stationen aufzeigt, sondern seinen beruflichen Weg und seine Entscheidungen auch begründet und reflektiert. Wichtig ist für uns auch: Warum denkt er, ist die angestrebte Position die richtige für ihn? Was bringt er dafür mit? In welchen Aspekten muss und möchte er sich noch weiterentwickeln? Hier überzeugt uns vor allem eine realistische und glaubwürdige Darstellung. Den hundertprozentig idealen Kandidaten auf eine Stelle gibt es nicht. Punkten kann man eher, wenn man auch seine Schwächen kennt und dazu steht, genauso wie man sich positiv darstellen sollte ohne dabei zu übertreiben.
Was sind typische Fehler von Absolventen im Vorstellungsgespräch – und wie können sie diese vermeiden?
An allererster Stelle steht: mangelnde Vorbereitung! Obwohl jeder Bewerber wissen sollte, dass in einem Vorstellungsgespräch mindestens zwei Aspekte vertieft thematisiert werden: sein Werdegang und seine Motivation, für uns zu arbeiten, werden in diesem Bereich oft wertvolle Punkte verschenkt. In manchen Gesprächen sind wir geradezu überrascht, wie wenig sich ein Bewerber über unser Unternehmen und unser Tätigkeitsgebiet informiert hat. Ein wichtiges Beurteilungskriterium ist auch das Gesprächsverhalten an sich. Negativ ins Gewicht fallen hier unstrukturierte Antworten, ständiges Abschweifen von der eigentlichen Fragestellung und Nicht-zum-Punkt-kommen-können. Was Ihre Einstellung zum Gespräch betrifft: Lassen Sie ein bisschen Lampenfieber zu, aber arbeiten Sie an sichtlicher Nervosität. Die beste Vorbereitung: sich vorher bewusst machen, was man kann und was man will. Und sich dann nicht aus der Ruhe bringen lassen!
Gibt es Besonderheiten bei Vorstellungsgesprächen, die speziell für Ihre Branche gelten?
Die Medien- und Agenturbranche hat einen sehr legeren Ruf und im täglichen Umgang stimmt das auch. Trotzdem gelten auch hier Spielregeln: Höflichkeit, Pünktlichkeit und ein gepflegtes Äußeres sind Minimalstandards, die weitgehend branchenunabhängig sind.
Welche Tipps geben Sie Absolventen, die eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten haben?
Zunächst einmal freuen Sie sich, dass Sie die erste Hürde erfolgreich genommen haben… und dann bereiten Sie sich gut vor. Auch wenn Sie mehrere Gespräche haben: Konzentrieren Sie sich jetzt auf dieses eine Gespräch. Dahinter könnte ihr künftiger Traumjob stecken!
Besorgen Sie sich alle Informationen über das Unternehmen. Informieren sie sich über die Branche und werden Sie sich klar darüber, warum sie sich dafür interessieren.
Die Expertin
Christine Kentzler ist Leiterin Personal bei der MindMatics AG.




