Im Fokus: Stressmanagement
Bei Prüfungsstress, Bewerbungsstress und Stress beim Berufseinstieg geht es letztlich immer nur um eine Frage: Wie gehe ich am besten damit um?

- Im Fokus: Stressmanagement (Bild: Robert Kneschke / fotolia.com)
Evolutionsgeschichtlich ist Stress eine geniale Überlebensstrategie. Für plötzlich auftretende Gefahrensituationen hat der Körper das Warnsystem eingerichtet. Es mobilisiert den gesamten Organismus und setzt Energiereserven frei. Alle Funktionen, die nicht zum Überleben notwendig sind, werden heruntergefahren – ein perfektes System. Denn unsere Vorfahren konnten so bei einer Bedrohung in Sekundenbruchteilen auf Flucht oder Angriff umschalten. Das rettete ihnen oft das Leben.
Stressoren wie Prüfungen oder Termindruck
Heutige Stressoren wie Prüfungen oder Termindruck im Job sind keineswegs lebensgefährlich, doch der Körper reagiert mit denselben Mechanismen, also unverhältnismäßig. Er produziert in der Nebenniere Hormone wie Adrenalin. Puls, Blutdruck, und Atemfrequenz steigen schlagartig an.
Aber Weglaufen oder körperliche Gegenwehr sind keine Option, wenn die Professorin zur Prüfung ruft oder der Chef zum Meeting. So bleiben die Reserven ungenutzt, die zur Muskelaktivierung freigesetzt werden. Kommen permanent neue Stressreize hinzu, ohne dass der Mensch die notwendigen Erholungsphasen einhält, richten sich die Stressreaktionen gegen den eigenen Körper – mit gesundheitlichen Folgen.
Der eigene Stresspegel und der Umgang mit Stress
Mehr als 80 Prozent der Deutschen klagen über Stress. Das zeigte eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für die Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2009 unter 1.014 Bundesbürgern zwischen 14 und 65 Jahren. Gefragt wurde zum eigenen Stresspegel, dem Umgang mit Stress und dessen gesundheitlichen Folgen. 29 Prozent der Befragten waren Absolventen und Abiturienten.
Auch bei Studenten und Schülern gehört Stress mittlerweile zum Alltag. Mehr als 75 Prozent empfinden Universität oder Schule als Belastung, so die Forsa-Umfrage. Gründe dafür: hoher Lerndruck oder sozialer Stress in der Gruppe. Prüfungsangst ist mit einem Anteil von 65 Prozent eindeutig der größte Stressauslöser. 37 Prozent aller Studenten und Schüler, die weiblichen mit einem Anteil von 44 Prozent noch mehr als die männlichen, belastet zudem die Sorge, nach ihrer Ausbildung keinen Job zu finden.
Leistungssteigernd: ein mittleres Maß an Stress
Wilfried Schumann, Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle von Universität und Studentenwerk in Oldenburg, rät zu Gelassenheit: „Es ist in vielen psychologischen Untersuchungen bestätigt, dass ein mittleres Maß an Stress leistungssteigernd wirkt, weil es uns mit einem nützlichen Schuss Adrenalin versorgt. Es wird aber dann zu viel, wenn ich übermotiviert und verkrampft bin. Das ist wie beim Sprint: Schnell laufen kann nur derjenige, der sich anstrengt, dabei aber zugleich auch locker bleibt!“ Schumann räumt aber ein: „Das ist natürlich leichter gesagt als getan.“
Stress – mentales Training kann helfen
Der Psychologe Schumann, der viele Gespräche mit Studenten und Absolventen über Stress, Prüfungs- und Zukunftsängste führt, empfiehlt: „Hier können Methoden wie das mentale Training hilfreich sein, das aus dem Leistungssport nicht mehr wegzudenken ist: Ich trainiere innere Filme, in denen ich Prüfungssituationen zuversichtlich angehe und souverän bewältige. Auf diese Weise bekomme ich eine klare Vorstellung vom angemessenen und erfolgreichen Verhalten in dieser Situation und kann damit Ängsten innerlich etwas entgegensetzen.“
Autor: Thomas Friedenberger
Datum: 3/10




