Expertentipp
Wie erkläre ich mein abgebrochenes Jura-Studium im Lebenslauf und im Vorstellungsgespräch?
Frage: Ich habe mein Jura-Studium nach neun Semestern abgebrochen um den Bachelor of Laws zu machen, der mich mehr interessiert. Wie erkläre ich das im Lebenslauf und im Vorstellungsgespräch?
Frage: Ich habe eine Frage bezüglich geschickter Formulierungen im Lebenslauf und zum Auftreten im Bewerbungsgespräch.
Kurz zu meinem Werdegang: Ich habe neun Semester Jura auf Examen studiert und bin heute scheinfrei, also zugelassen zum ersten Staatsexamen. Das Examen habe ich allerdings nicht abgelegt.
Aufgrund verschiedener Gründe wechselte ich im vergangenen Semester in den wirtschaftsnahen Studiengang Bachelor of Laws an die Fernuniversität in Hagen. Die oben benannten Gründe liegen zum einen in der kürzeren Dauer des jetzt gewählten Bachelor-Studiengangs. Denn addiert man die Zeiten der Vorbereitung auf das erste Staatsexamen mit dem zweijährigen Vorbereitungsdienst, dem zweiten Examen und etwaigen Wartezeiten, übersteigt dies die Dauer des aufgrund von vielen Anrechnungen verkürzten Studiengangs in Hagen (insgesamt noch eineinhalb Jahre) um mindestens weitere eineinhalb Jahre. Zum anderen waren die klassischen juristischen Berufe nie das Ziel in meinen persönlichen beruflichen Vorstellungen. Viel eher waren die Zusammenhänge an der Grenze zwischen Wirtschaft und Recht stets der Fokus meiner beruflichen Interessen. Der Studiengang in Hagen bietet seit nicht allzu langer Zeit unter wenigen anderen vergleichbaren Universitätsstudiengängen exakt diese Kombination aus Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.
Der entscheidende Hauptgrund des Studienwechsels war jedoch sehr persönlicher Natur. Die gesundheitliche Belastung, die mit dem ersten Staatsexamen einherging, war zuletzt nicht mehr tragbar. Dieses Motiv ist allerdings in einem Vorstellungsgespräch nur schwer verkäuflich, wenn man bedenkt, wie wichtig Belastbarkeit im Berufsleben ist. Hält man sich allerdings vor Augen, wie belastbar man wird, wenn man endlich das anvisierte Ziel erreichen kann, empfinde ich die pauschale Aussage der Unbelastbarkeit für mich nicht als zutreffend.
Meine Frage ist nun zum einen, wie ich den Abbruch des ersten Studiums nach langen neun Semestern plausibel im Lebenslauf erwähnen kann. Zum anderen interessiert mich, was Sie mir bezüglich der bestmöglichen Darstellung meines Sachverhalts im Vorstellungsgespräch raten können. Eigentlich bin ich aufgrund meiner Scheinfreiheit in Jura recht ähnlich geschult wie ein Jurist mit dem ersten Examen, eingestellt würde ich allerdings als Wirtschafsjurist, der lediglich den untersten berufsqualifizierenden Abschluss erreicht hat, jedoch in der freien Wirtschaft bessere praktische Kenntnisse aufweisen kann, als der Volljurist, der nur über ein sehr umfangreiches und detailiertes Rechtswissen verfügt.
Tatjana M.
Antwort: Ihre Ausführungen zeigen, dass Sie sich bereits intensiv mit Ihrem Wechsel beschäftigt haben. Dies ist wesentlich, um später z.B. in Vorstellungsgesprächen authentisch und reflektiert wirken zu können. In Ihrem Lebenslauf wird es schwierig sein, Ihr erstes Studium „plausibel“ darzustellen, denn im Lebenslauf zählen zunächst die „harten“ Fakten, d.h. was haben Sie wann gemacht. Im Anschreiben können Sie besser darauf eingehen. Stellen Sie Ihre Qualifikationen heraus und verkaufen Sie sich auch mit einem abgebrochenen Studium gut. Vermeiden Sie negative Formulierungen und Rechtfertigungen, sondern beantworten Sie vielmehr die Frage, welche Kompetenzen Sie aufgrund Ihres ersten Studiums erworben haben. In einem persönlichen Gespräch können Sie dann konkreter auf die Gründe eingehen. Hierbei sollten berufliche Gründe im Vordergrund stehen. Abhängig von der zu besetzenden Position und der Gesprächsatmosphäre können Sie auch persönliche Gründe nennen. Falls es sich bei den persönlichen Gründen z.B. um „Schwächen“ handelt, geben Sie dann direkt an, wie Sie an Ihren Schwächen erfolgreich arbeiten. Um Ihre Berufschancen zu verbessern, sollten Sie während Ihres Studiums bereits praktische Erfahrungen im Bereich Wirtschaftsrecht sammeln und dort erste Kontakte knüpfen.
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