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Interview mit Christoph Meinel, HPI: "Informatiker sind auch Dienstleister"

Hochschulen sollten mehr Wert auf die Vermittlung von Soft Skills legen, fordert Christoph Meinel, Geschäftsführer des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik (HPI), im Interview.

Christoph Meinel: „Leider haben in Deutschland einige Universitäten ihr Vordiplom einfach in Bachelor umbenannt“ (Bild: HPI/Kay Herschelmann)
Christoph Meinel: „Leider haben in Deutschland einige Universitäten ihr Vordiplom einfach in Bachelor umbenannt“ (Bild: HPI/Kay Herschelmann)

Herr Meinel, die Hochschulausbildung von Informatikern in Deutschland hat einen guten Ruf: Was macht aus einem sehr guten ITler einen exzellenten?
Ein exzellenter ITler braucht neben einer guten fachlichen Qualifikation soziale Kompetenzen, denn Informatiker sind auch Dienstleister. Ihre Arbeitgeber kommen aus der Wirtschaft und der Industrie, was für manche, vor allem junge, Fachleute zum Hindernis werden kann. Es ist für beide Seiten nicht immer einfach, sich zu verständigen. Informatiker müssen daher fachspezifische Dinge verständlich erklären können, ohne ins Fachchinesisch abzugleiten.

Gerade da hakt es aber doch oft schon bei der Ausbildung. Oder?
Ja, da besteht häufig noch ein Ungleichgewicht zwischen einer guten fachlichen Hochschulausbildung und einer unbefriedigenden Zusatzausbildung bei den Soft Skills. Ich denke aber auch, dass die Universitäten mehr Wert auf die Vermittlung von Grundkenntnissen aus dem betriebswirtschaftlichen und dem juristischen Bereich legen sollten. Denn IT-Fachleute haben heutzutage oft auch mit rechtlichen Fragen, etwa zum Datenschutz oder Copyright, aber auch mit Finanzierungsfragen zu tun.

Welche Qualifikationen benötigen Informatiker denn noch?
IT-Fachleute sollten über sehr gute Englischkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen verfügen, denn US-amerikanische Unternehmen dominieren die ohnehin interkulturell geprägte Branche. Und die Kommunikationsstärke spielt eine wichtige Rolle.

Wissen Informatiker das?
Mein Eindruck: nicht immer. Es kann schwer sein, an einem IT-Projekt mit Menschen ohne Informatik-Fachkenntnisse zu arbeiten. Das merken viele junge Informatiker erst im Praktikum. IT-Spezialisten haben viel mit Menschen zu tun – das erfordert zwischenmenschliche Kompetenzen.

Was macht das Hasso Plattner-Institut denn besser bei der Ausbildung?
Wir bauen unsere Partner- und Forschungsbeziehungen konsequent aus und bieten innovative Ausbildungsprogramme. Ein fester Bestandteil sind Bachelor- Projekte. Dabei bearbeiten Studenten in mehrköpfigen Teams über zwei Semester ein Projekt von einem externen Partner aus der Wirtschaft. Die Ergebnisse präsentieren die Studenten auf einer großen Podiumsdiskussion vor Publikum. Dadurch lernen sie, ihre Ergebnisse zu verkaufen. Und im Programm „Design Thinking“ lernen sie in interdisziplinären Teams, innovative Lösungen zu entwickeln.