Bachelor-Abschluss: Mit PS in die Laufbahn (Teil 1)
Bachelor-Studenten hetzen in sechs Semestern durch ihr Studium. Für viele ist der Abschluss aber nur Zwischenstopp für den Master. Die Wirtschaft wünscht sich jedoch mehr Berufsstarter mit dem Turbo-Abschluss.
Die Unterschriften sitzen. Die ehrwürdige Universität Sorbonne feiert ihren 800. Geburtstag, und am Rande dieser Feier unterzeichnen vier Politiker ein Schriftstück, das einer Revolution gleichkommt. Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien beschließen an diesem Tag im Mai 1998, einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Sie setzen damit eine Lawine in Gang, die später als Bologna-Prozess die europäischen Hochschulen überrollte. Es ist eine Rosskur für das deutsche Hochschulsystem. Deutschlands Studenten sollten international wettbewerbsfähig werden. Schluss mit Bummelstudenten und weltfremden Theoretikern. Das Rezept: Kürzere Studienzeiten, ein stärkerer Praxisbezug und internationale Vergleichbarkeit. Die neuen Abschlüsse Master und Bachelor (BA) sollen es richten.
Karriere planen
In den zehn Jahren seit der Willensbekundung von Sorbonne ist viel passiert. Es gab Reformen über Reformen, Studiengänge wurden neu strukturiert. Wehklagen über den Untergang des akademischen Abendlandes wurden allerorten laut. Großer Unmut und Unsicherheit machte sich bei Studenten, Professoren und Unternehmen breit. Studenten quält immer noch die Frage: „Welcher Abschluss ist der richtige für mich?“ Eine Karriere will geplant sein – und das heutzutage sorgfältiger denn je.
Dabei haben angehende Akademiker die Qual der Wahl, denn das Studienangebot ist groß. Die Hochschulen boten im Sommersemester 2008 laut Hochschulrektorenkonferenz (HRK) insgesamt 7.606 Bachelor- und Master-Studiengänge an. Inzwischen enden etwa zwei Drittel aller Studiengänge an deutschen Hochschulen mit den Abschlüssen Bachelor oder Master.
Keine klare Richtung
Diese Zahlen täuschen nicht darüber hinweg: Das Wirrwarr um Abschlüsse und Studieninhalte scheint immer noch nicht gelöst. Der Präsident des Deutschen Hochschulverbands (DHV) Bernhard Kempen forderte jüngst gar eine Umkehr: „Der Bologna-Prozess in Deutschland ist nur noch zu retten, wenn massiv gegengesteuert wird“, tönte der Professor für Rechtswissenschaften. Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) hält jedoch dagegen. „Weitermachen, weiterentwickeln und nachsteuern, aber keine Rolle rückwärts“, sagt Thomas Sattelberger, Personalvorstand Deutsche Telekom AG und Vorsitzender des Arbeitskreises Hochschule/Wirtschaft bei der BDA. Dass bei einem solchen Paradigmenwechsel nicht alles reibungslos laufe, sei klar.
Tatsächlich scheint die Wirtschaft ihren Frieden mit den Bachelor-Absolventen gemacht zu haben. Dies mag überraschen, hatten die Unternehmen doch über das vermeintliche Schmalspurstudium geklagt, bevor sie überhaupt die ersten Erfahrungen mit den neuen Schnell-Akademikern machen konnten. So ein Blitzstudium konnte den Nachwuchs doch gar nicht ordentlich auf das Berufsleben vorbereiten, so lautete die einhellige Meinung.
Gute Erfahrungen mit Bachelor-Absolventen
Jetzt aber, da sich die ersten Bachelor-Absolventen an die Arbeit gemacht haben, ist das Vorurteil ins Wanken geraten. Zur Überraschung der Unternehmen stellen sie sich gut an. „Ja, die ersten Erfahrungen sind gut“, bestätigt auch Thomas Sattelberger. „Es gibt immer Menschen, die nicht die gewünschten PS auf die Straße bringen, aber die gibt es auch und gerade unter Diplom-Studenten“, fügt er hinzu. Die Erfahrung mit den neuen BA-Abschlüssen hält sich jedoch bisher noch in Grenzen, denn es stehen gar nicht so viele für den Arbeitsmarkt zur Verfügung. So starten nur zehn bis 15.000 Bachelor-Absolventen jedes Jahr ins Berufsleben. Rund 35.000 waren es bis zum Jahr 2006. „Der Anteil von Absolventen neuer Studiengänge ist zwar mit knapp elf Prozent noch relativ niedrig, aber die gute Nachricht ist, dass sie sich zu bewähren scheinen“, berichtet auch Christiane Konegen-Grenier, Referentin für Hochschule beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Die Akzeptanz der neuen Abschlüsse Bachelor und Master ist jedenfalls deutlich gestiegen. Bei den Wirtschaftsabsolventen akzeptieren nun 80 Prozent der befragten Unternehmen den Bachelor-Abschluss, so ein Ergebnis der Staufenbiel-Studie JobTrends 2007/08. Im Jahr zuvor waren es nur 40 Prozent. Auch der Master hat einen Sprung nach vorne gemacht: 97 Prozent der Unternehmen (Vorjahr: rund 60 Prozent) erkennen den Abschluss an und liegt somit fast gleichauf mit dem Universitätsdiplom (99 Prozent).

