Energieversorgung: Profitable Zukunft
Von Sammy Gebele und Frank-Benjamin Heim
Wie Unternehmensberater zur Effizienzverbesserung in Unternehmen und zur Reduktion des Ausstoßes klimaschädlicher Treibhausgase beitragen, darüber berichten die Consultants Sammy Gebele und Frank-Benjamin Heim.

- Berater der Energieversorungsbranche unterstützen Unternehmen in eine profitable Zukunft. (Bild: Michael Bodmann/iStock)
Treibhausgase: 20 Prozent Reduktion
Die Klimaziele der EU sehen eine Reduktion des Ausstoßes klimaschädlicher Treibhausgase bis 2020 um 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 vor. Deutsche Energieversorger müssen bereits ab 2008 für einen Teil und ab 2013 für ihren gesamten CO2-Ausstoß eine Abgabe entrichten. Dies bedeutet Zusatzkosten in Milliardenhöhe, die sich direkt auf die Ergebnissituation der Energieversorger auswirken.
Verbesserung der Ergebnissituation
Unsere Aufgabe war es, ein mit diesen energiepolitischen Veränderungen konfrontiertes Energieversorgungsunternehmen mit eigenen Braunkohletagebau und Kraftwerken auf dem Weg in eine weiterhin profitable Zukunft zu unterstützen. Die Herausforderung bestand darin, Potenziale zur Verbesserung der Ergebnissituation zu identifizieren und diese in den für Energieversorgungsunternehmen typischen historisch gewachsenen betrieblichen Strukturen und Abläufen voranzutreiben.
Investition in Solaranlagen
In der ersten dreimonatigen Projektphase galt es, die strategischen Zukunfts- und Investitionsoptionen des Unternehmens zu erfassen und hinsichtlich ihrer Machbarkeit und Profitabilität zu beurteilen. Um die im Unternehmen vorhandenen Ideen zu sammeln, wurden viele Gespräche mit den Vorständen und operativen Kraftwerks- und Tagebauleitern geführt. Zu bewertende Optionen waren unter anderem der Neubau von Kraftwerken unterschiedlicher Größen, die Abschaltung eigener Kraftwerke wegen zu hoher CO2-Kosten und die Steigerung des externen Braunkohleabsatzes. Wir brachten zusätzlich die Überlegung einer Investition in Solar- und Windkraftanlagen ein.
Verschiedene strategische Optionen
Hierauf aufbauend entwickelten wir ein Bewertungsmodell, das die Auswirkungen der strategischen Optionen auf das Unternehmensergebnis über die nächsten 25 Jahre abbildet. Da der Strompreis hierauf einen großen Einfluss hat, wurden verschiedene Strompreis-Szenarien erarbeitet, die in dem Modell variiert werden konnten. Der signifikante Mehrwert dieses Modells bestand in der Möglichkeit, verschiedene strategische Optionen auch in Kombination bewerten zu können und die Optionen unter verschiedenen Strompreisszenarien zu analysieren.
Bau eines Windparks
Das Top-Management des Kunden entschied sich letztlich für unseren Vorschlag, ein neues Braunkohlekraftwerk zu bauen, das 1,5 Million Haushalte mit Strom versorgen kann. Dieses Kraftwerk besitzt einen doppelt so hohen Wirkungsgrad wie die vorhandenen über 20 Jahre alten Kraftwerke und kann aus einer Tonne Braunkohle doppelt so viel Strom erzeugen. Darüber hinaus wurden alle Vorarbeiten zum Bau eines Windparks in den kommenden Jahren durchgeführt.
Haushohe Eimerkettenbagger
Zu Beginn des Projekts hatten wir (zu diesem Zeitpunkt zwei Associate Consultants, ein Manager, ein Partner und ein Managing Director) die Möglichkeit, hautnah die einzelnen Unternehmensbereiche kennenzulernen. Beeindruckend war die Fahrt mit einem Geländewagen durch den Tagebau, wo wir die haushohen Schaufelrad- und Eimerkettenbagger begutachten konnten. Allein die Größe des Tagebaus mit über drei Kilometer Breite und 1,5 Kilometer Länge war imposant. Für diesen Tagebau mussten Dörfer umgesiedelt und neu aufgebaut werden. Auch die Kraftwerke waren einen Ausflug wert: Hier werden jährlich hunderttausende Tonnen Braunkohle zu Strom umgewandelt.
In Vier-Augen-Gesprächen
Bei diesem strategischen Projekt war es essentiell wichtig, die vorhandenen Projektideen der einzelnen Abteilungen und Bereiche in Vier-Augen-Gesprächen aufzunehmen.
In größeren Runden werden einmal abgelehnte Ideen aus politischen Gründen nicht erneut zur Sprache gebracht. Auch ließen wir uns von den existierenden internen Barrieren hinsichtlich erneuerbarer Energien, nach dem Motto „Wir sind ein Braunkohleunternehmen, und das bleibt auch so!“, nicht beirren und konnten dank fundierter Berechnungen und Analysen die Sinnhaftigkeit der Windenergie nachweisen.
Datum: 08/09
Über die Autoren
Sammy Gebele, Jahrgang 1980, und Frank-Benjamin Heim, Jahrgang 1979, arbeiten als Consultants bei der goetzpartners MANAGEMENT CONSULTANTS GmbH






