Unternehmenssteuerung: Einheitliche Sprache
Ein internationales Umfeld war Sebastian Wolf wichtig, daher startete er seine Karriere als Unternehmensberater. Über seine ersten Projekterfahrungen in Asien berichtet er hier.

- Die ersten Schritte einer Unternehmenssteuerung sind die Bestandsaufnahme der Inhalte, Prozesse und Verantwortlichkeiten. (Bild: imageteam/Fotolia)
Einen Berufseinstieg bei einer Unternehmensberatung habe ich wie viele andere Absolventen gewählt, da ich gerne unterschiedliche und herausfordernde Fragestellungen in einem internationalen Umfeld bearbeiten wollte. Bereits in einem meiner ersten Projekte als Berater hatte ich die Chance, für ein großes deutsches, international aufgestelltes Unternehmen im Ausland tätig zu sein. Für einen Geschäftsbereich der Region Asien/Pazifik sollten wir ein neues Berichtswesen für das Management konzipieren und aufbauen. Mit einem Kollegen, der als Projektleiter schon Erfahrungen in den verschiedensten Themenstellungen gesammelt hatte, verbrachte ich also die nächsten Wochen in Asien.
Einheitliche Informationen
Vor Ort angekommen haben wir zunächst unsere lokalen Ansprechpartner kennen gelernt. Bereits hier habe ich gemerkt, dass sich die Arbeit und die Geschäftsgepflogenheiten im Vergleich zu Deutschland oder Europa an einigen Stellen unterscheiden. So werden Visitenkarten, die man stets griffbereit haben sollte, immer mit beiden Händen übergeben. Auch die Begrüßung per Handschlag ist oft unüblich.
Zuerst haben wir in einem Workshop eine Bestandsaufnahme der momentanen Inhalte, Prozesse und Verantwortlichkeiten innerhalb des existierenden Berichtswesens durchgeführt. Darauf aufbauend und unter Berücksichtigung des regionalen Geschäftsmodells war es dann Aufgabe des Projekts, Berichte zu definieren, die einerseits die Entscheidungsfundierung des Managements mit korrekten und einheitlichen Informationen verbessern. Andererseits sollten die beinhalteten Kennzahlen auch als Zielgrößen für das regional verantwortliche Management geeignet sein. Dabei musste den Managern das Steuerungsverständnis des deutschen Mutterkonzerns verdeutlicht werden, um eine einheitliche Sprache in Sachen Unternehmenssteuerung sicherzustellen. Ergebnis dieser ersten Projektphase war ein „Dummy Reporting“, das in einem weiteren Workshop dem Management vorgestellt und über das abgestimmt wurde.
Qualität des Berichtswesens
Da erst implementierte Berichte tatsächlichen Wert schaffen, war es in der zweiten Phase des Projekts unsere Aufgabe, als Verbindungsglied zwischen dem regionalen Reporting-Team, das in der Zukunft die Verantwortung für das Berichtswesen haben wird, und den jeweiligen IT-Ansprechpartnern die Umsetzung in den IT-Systemen zu monitoren.
Die Qualität und Belastbarkeit eines solchen Berichtswesens hängt stark von den eingegebenen Quelldaten auf lokaler Ebene ab. Daher definierten wir Prozesse und implementierten Werkzeuge zur Qualitätsverbesserung und -sicherung bei der Datenlieferung der Ländergesellschaften. Zum Abschluss des Projekts wurden die Kommunikation an die betroffenen Länderverantwortlichen unterstützt sowie lokale Probleme und Fragen vor dem Start des Regelbetriebs geklärt.
Projektarbeit in Asien
Ganz unabhängig von den Projektinhalten war die Arbeit in Asien sehr spannend und erfahrungsreich. Sehr positiv habe ich das partnerschaftliche Arbeitsklima und die hohe Motivation der Mitarbeiter vor Ort wahrgenommen. Gleichzeitig ist gerade die Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen oft herausfordernd. So ist es möglich, dass ein Ansprechpartner in einem Workshop „Ja“ sagt, aber eigentlich „Nein“ meint. Vor allem bei der Ansprache von Problemen oder Fehlern – so wie wir es teilweise bei den Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung machen mussten – ist sensibel vorzugehen. Keinesfalls sollten die Gesprächspartner „ihr Gesicht verlieren“, vielmehr ist eine konkrete Unterstützung bei der Verbesserung erwünscht.
Die während meines Aufenthalts in Asien gesammelten Erfahrungen sind sicherlich nur ein erster Eindruck. Gelernt habe ich nichtsdestotrotz, dass die Arbeit in einem interkulturellen Umfeld besonders viel Fingerspitzengefühl und „offene Augen“ im Umgang mit den Menschen erfordert. Eine kulturspezifische Vorbereitung und ein kulturspezifisches Vorgehen können den Projekterfolg positiv beeinflussen. Nach dieser neuen Erfahrung freue ich mich, das Vertrauen für den Einsatz auf einem weiteren Projekt in Asien erhalten zu haben.
Eine kulturspezifische Vorbereitung und ein kulturspezifisches Vorgehen können den Projekterfolg positiv beeinflussen. Nach dieser neuen Erfahrung freue ich mich, das Vertrauen für den Einsatz auf einem weiteren Projekt in Asien erhalten zu haben.
Datum: 05/09
Über den Autor
Sebastian Wolf ist Berater bei der CTcon GmbH. Sein Studium der Betriebswirtschaftslehre absolvierte er an der Universität Gießen und der Karlstad University in Schweden.




