Körpersprache: Sympathiepunkte sammeln
Viele Juristen gehen davon aus, dass sie allein mit ihrem Fachwissen im Bewerbungsgespräch punkten. Weit gefehlt. Neben der verbalen Kommunikation sollte man auch die Körpersprache beherrschen.
Für Juristen ist diese Erkenntnis oft erschütternd: In einem Bewerbungsgespräch nimmtder Gesprächspartner sein Gegenüber zu 60 Prozent über seine Körpersprache wahr und zu 30 Prozent über seine Stimme. Nur zehn Prozent widmet er inhaltlichen Ausführungen. Aber weder das Training der Körpersprache, noch die Ausbildung der Stimme werden an der Uni oder im Referendariat gelehrt. Und das, obwohl es nicht nur bei der Bewerbung, sondern auch in Mitarbeiter- oder Mandantengesprächen und Verhandlungen auf optimale Selbstpräsentation ankommt.

- Wer seine Körpersprache beherrscht, kommt schneller zum Erfolg. (Bild: Staufenbiel)
15 Millisekunden für einen guten Eindruck
Gehirnforscher haben festgestellt, dass wir 15 Millisekunden Zeit haben, in einem (Bewerbungs-)Gespräch einen guten Eindruck zu machen. Danach werden wir als sympathisch oder unsympathisch eingeordnet. Diese Einordnung
kann das gesamte Gespräch beeinflussen. Nachwuchsjuristen sollten mit einer offenen Grundhaltung in das Gespräch gehen und ihr Gegenüber direkt anschauen. Auch ein authentisches Lächeln und angemessene Kleidung helfen, Sympathiepunkte einzuheimsen.
Händedruck zeigt Stärke
Die einzige körperliche Berührung im Gespräch ist der Händedruck. Den meisten Menschen ist ein kräftiger Händedruck angenehm. Das ist besonders bei Juristen wichtig, die sich für eine Position bewerben, in der sie wesentliche Entscheidungen treffen müssen. Eine gewisse Kraft sollten sie daher schon mit ihrem Händedruck ausdrücken – jedoch ohne zu fest zuzupacken. Am besten ist es, sich dem Händedruck seines Gegenübers anzupassen.
Juristen müssen Verantwortung tragen. Hängende Schultern und ein schlurfender Gang passen nicht dazu. Daher sollten Nachwuchsjuristen darauf achten, aufrecht zu gehen und die Schultern gerade zu halten. Auch im Bewerbungsgespräch ist eine gute Haltung wichtig. Denn an ihr kann man ablesen, wie der Bewerber sich gerade fühlt. Daher sollte man sich in seiner Sitzposition wohl fühlen. Am besten sitzt man nicht nur auf der Stuhlkante. Wer sich anlehnt, bekommt Halt. Wer zudem während des Gesprächs darauf achtet, wie und wann der Partner seine Sitzhaltung verändert und in der Dynamik mitgeht, zeigt, dass er ganz bei seinem Gesprächspartner ist.
Körpersprache: Mit Händen und Füßen
Wie geht man aber mit Händen, Armen und Beinen um? Wildes und zu starkes Gestikulieren ist eher fehl am Platz. Wer seine Hände beim Sprechen einsetzt,
sollte darauf achten, dass er die Schutzzone des anderen nicht verletzt. Spielen
mit den Fingern oder Bewegungen mit den Füßen verraten Nervosität. Ein Stift in der Hand kann Halt geben.
Das Gesicht ist von der Natur vorgegeben, sein Ausdruck nicht. Grundsätzlich sind uns Menschen mit einem Lachen und einem entspannten Gesichtsausdruck sympathischer. Die Stimme wiederum ist das Transportmedium der Information. Ihre Lautstärke sollten Bewerber dem Gesprächsinhalt und -partner anpassen. Das gilt auch für das Gesprächstempo. Damit wesentliche Fähigkeiten nicht verlorengehen, sollte man seine Sätze zusammenhängend formulieren. Wer gerne spricht, sollte darauf achten, dass er den anderen nicht langweilt. Die optimale Wirkung entfaltet das, was der Bewerber sagt, wenn Körpersprache und Stimme zum Inhalt passen.
Über die Autorin

Ass. Iur. Carmen Schön ist Buchautorin und Coach für Rechtsanwälte, Volljuristen und Führungskräfte in Anwaltskanzleien und Unternehmen sowie Dozentin an der Fakultät für Rechtswissenschaften in Hamburg.
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