Arbeiten in Japan: Erfahrungsbericht
Jan Schneemann hat eine schnelle Karriere gemacht. Aus vier Monaten Tokyo während des Studiums wurden sieben Jahre Arbeiten in Japan. Inzwischen ist er Senior Associate in der Japanese Business Group der PricewaterhouseCoopers AG in Düsseldorf.
- Jan Schneemann hat sieben Jahre in Japan gearbeitet. Seine Erfahrungen: freundliche Menschen, gutes Wetter und ein positives Arbeitsklima.
"Mein erster Japan-Kontakt liegt bereits zwölf Jahre zurück – das war im Rahmen einer zweiwöchigen Studienreise. Die letzten vier Monate meines Jurastudiums verbrachte ich als Rechtsreferendar bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Tokyo. Nach kurzer Zwischenstation in Deutschland bekam ich eine Anstellung in einem Tokyoter Büro einer deutschen Rechtsanwaltskanzlei. Da meine Japanischkenntnisse für den Beruf und das tägliche Leben unzureichend waren, bewarb ich mich nach etwa einem Jahr für das DAAD-Stipendium "Sprache und Praxis in Japan", über das ich nicht nur meine Sprachkenntnisse verbessern konnte, sondern auch meinen nächsten Job in der Rechtsabteilung der Bosch Corporation in Japan gefunden habe.
Arbeitsbedingungen in Japan
Die Arbeitsbedingungen in Japan sind anders als in Deutschland. Das Gruppenverhalten ist stark ausgeprägt, abends geht man nach Feierabend mit Kollegen aus. Was die Arbeitszeiten betrifft, hat sich Japan zwar etwas normalisiert, es gilt aber noch immer der Grundsatz, dass mehr und länger in Japan gearbeitet wird als in Europa. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt es nicht. Wer trotz Krankheit Gehalt beziehen möchte, muss Urlaub nehmen oder schleppt sich eben krank zur Arbeit. Das Arbeitsklima ist durchweg positiv. Japanische Unternehmen leiden weniger an Mobbingfällen als europäische. Die Philosophie der lebenslangen Beschäftigung wird vielfach noch hochgehalten. Natürlich spielen Gehalt und vor allem Stellung im Unternehmen eine Rolle. Die Ellenbogenmentalität ist nicht sehr ausgeprägt, Harmonie innerhalb der Gruppe gilt als weitaus wichtiger. Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei fünf Prozent. Die Sozialabgaben sind niedrig, dafür beteiligt man sich im Krankheitsfall bei Arztbesuchen in der Regel mit 30 Prozent selbst.
Liebe auf den zweiten Blick
Der erste Japanaufenthalt hat mich eher enttäuscht. Das Land Japan war zugegebenermaßen interessant, war aber abseits der geführten Routen für mich kaum zugänglich. Während der vier Monate Referendariat präsentierte sich mir das Land allerdings vollkommen anders. Ich wohnte in einer Wohngemeinschaft mit anderen Praktikanten, wurde vom Vermieter in Theatervorstellungen eingeladen und bei örtlichen Behördengängen unterstützt. Mit den durch das DAAD-Stipendium ab 2000 erworbenen Sprachkenntnissen konnte ich auch alleine das Land bereisen und konnte im Büro und nach Feierabend auch mit Kollegen über private Dinge sehr gut reden. Ohne diese Erfahrungen hätte ich vielleicht nicht meine erste Anstellung in Tokyo gefunden und wäre womöglich auch jetzt nicht bei PwC in Düsseldorf. Anfangs gewöhnungsbedürftig waren allein die Erdbeben, die natürlich vollkommen unverhofft auch mitten in der Nacht oder im Fahrstuhl auftreten konnten."







