Stress lass nach
Was Stress ist und wie man damit umgehen kann, lesen Sie in diesem Artikel. Die grau unterlegten Text-Stellen beschreiben die Stress-Momente, die der Autor beim Verfassen des Beitrags erlebte.

- Nicht reagieren, sondern agieren: so wird Stress besiegt
Evolutionsgeschichtlich ist Stress eine geniale Überlebensstrategie. Für plötzlich auftretende Gefahrensituationen hat der Körper dieses Warnsystem eingerichtet. Es mobilisiert den gesamten Organismus und setzt Energiereserven frei. Alle Funktionen, die nicht zum Überleben notwendig sind, werden heruntergefahren – ein perfektes System. Denn unsere Vorfahren konnten so bei einer Bedrohung in Sekundenbruchteilen auf Flucht oder Angriff umschalten. Das rettete ihnen oft das Leben. So weit, so gut. Das Problem: Heutige Stressoren wie Prüfungen oder Termindruck im Job sind keineswegs mehr lebensgefährlich, doch der Körper reagiert mit denselben Mechanismen, also unverhältnismäßig. Er produziert in der Nebenniere Hormone wie Adrenalin und Kortisol. Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und der Blutzuckerspiegel steigen schlagartig an, die Verdauungstätigkeit fährt herunter, der Blutgerinnungsfaktor nimmt zu. Doch: Weglaufen oder körperliche Gegenwehr sind keine Option, wenn die Professorin zur Prüfung ruft oder der Chef zum Meeting. So bleiben die Reserven ungenutzt, die zur Muskelaktivierung freigesetzt werden. Kommen permanent neue Stressreize hinzu, ohne dass der Mensch die notwendigen Erholungsphasen einhält, richten sich die Stressreaktionen gegen den eigenen Körper – mit gesundheitlichen Folgen.
Für die Recherche nur noch schnell ein Rezensionsexemplar bestellen. Telefonnummer gewählt. Tut-tut. Bestimmt niemand da. „Guten Tag, Eva Soundso, Presseabteilung.“ Ich nenne meinen Namen, die Redaktion und sage: „Ich möchte gerne kurz ein Rezensionsexemplar bestellen.“ Die Antwort ist ebenfalls kurz, sie kennt scheinbar solche Fälle: „Sie müssen mir aber trotzdem eine E-Mail schicken, wegen der Adresse.“ Stressbewältigung: erst einmal ausatmen. In diesem Fall hat es funktioniert. Die Mail habe ich gerade abgeschickt. Jetzt schnell um die anderen Jobs kümmern.
Prüfungsstress, Bewerbungsstress und Stress beim Berufseinstieg – wie geht man damit am besten um? „Es gibt ein paar Grundsätze, die in allen Situationen helfen: Bewegung, eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf. Besonders die nachtaktiven Studenten müssen sich in diesen Phasen umstellen oder sich in anderen Zeiten einen Ausgleich gönnen“, sagt Peter Buchenau, Geschäftsführer von The Right Way und Dozent für Stresspräventions-Seminare. Und wie, bitte schön, kann man bei Prüfungen oder in Bewerbungsgesprächen den Stress-Level senken? Buchenau: „Hier ist die Atmung der Schlüssel zum Erfolg. Eine tiefe bewusste Atmung macht den ganzen Menschen ruhiger. Es hilft auch, unmittelbar vor einer Prüfung ganz bewusst ein paar Schritte an der frischen Luft spazieren zu gehen.“
Ich brauche Stress-Experten. Jetzt! Menschen also, die über Stress forschen, die über Stress Bücher schreiben. Doch woher nehmen? Also kurzerhand eine E-Mail über einen Informationsdienst in die Welt der Wissenschaft abgeschickt – und tatsächlich Mails zurückerhalten, leider nur Abwesenheitsmeldungen. Toll?! Die Stress-Experten sind nicht da. Puh, was machen? Da klingelt das Telefon (auch das noch). „Guten Tag, ich soll mich bei Ihnen zum Thema Stress melden…“, sagt ein Stress-Experte. Klasse, damit ist der eine Stress für heute vorbei. Jetzt die anderen Jobs.

- Gerald Hüther meint: "Gelegentliches Scheitern ist hirntechnisch durchaus empfehlenswert."
Autobahnen im Hirn
„Sehr hilfreich ist es, wenn man sich in schwierigen Situationen vergegenwärtigen kann, was man bisher bereits alles an Problemen gemeistert hat. Da die subjektive Bewertung immer eine entscheidende Bedeutung für die Auslösung einer Stressreaktion hat, ist es hilfreich, wenn man etwas zurücktreten und sich fragen kann, ob von dieser Prüfung wirklich das Leben abhängt oder das Selbstbild zerstört werden kann“, sagt Gerald Hüther. Er ist Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Universitäten Göttingen und Mannheim/Heidelberg und beschäftigt sich mit dem, was im Gehirn bei Stress passiert. Und was passiert dabei? Hüther: „Wenn ein Mensch immer wieder mit bestimmten Belastungen konfrontiert ist, die er dann mit dem Anschub seiner dadurch ausgelösten Stressreaktion bewältigt, kommt es im Gehirn zur Aktivierung bestimmter Schaltkreise. Das ist das, was Hirnforscher Belohnungssystem nennen. Dann werden vermehrt Botenstoffe wie Dopamin und endogene Opiate und andere Peptidhormone ausgeschüttet. Die verstärken nicht nur das gute Gefühl, das sich dann ausbreitet, sondern auch die synaptischen Verschaltungsmuster, die zur Bewältigung des Problems aktiviert worden sind.“ Er erklärt mit einem Bild, was dann passiert. „So werden aus anfänglich dünnen Nervenwegen zur Lösung bestimmter Probleme allmählich Straßen, und wenn man dann erfolgsgebahnt immer weitermacht, entstehen schließlich Autobahnen im Hirn. Doch von denen kommt man später leider nur noch schwer wieder herunter. Allzu viel Erfolgsbahnung macht uns also nicht nur sehr einseitig zu Spezialisten, sondern leicht auch zu Fachidioten.“ Sein Resümee: „Gelegentliches Scheitern ist hirntechnisch betrachtet also durchaus empfehlenswert.“
Im Augenblick telefoniere ich mit einem Hirnforscher. Der Mann schreibt Bücher, die man versteht. Das finde ich erstaunlich. Aber noch erstaunlicher ist folgender Moment: Während ich mein Anliegen vorstelle, kommt kein Ton aus der Leitung. Gerade will ich schon fragen: Sind Sie noch da? Doch da überfällt mich ein Gedanke, der geradezu selten geworden ist. Der Mann hört einfach zu. Meine hochgezogenen Schultern kann ich wieder auf Normalmaß zurückfahren. Der Stress ist weg durch eine ganz einfache Sache: durch sein Zuhören. Wieder etwas gelernt.
