Bewerbungsvideo: Nicht immer sinnvoll
Bewerbungsvideos scheinen der neue Trend auf dem Arbeitsmarkt zu sein. Doch Vorsicht ist geboten. Nicht für jeden ist ein Bewerbungsvideo ideal.
In den USA ist das Bewerbungsvideo gang und gäbe. In Deutschland betreten Bewerber damit Neuland. Viele Personaler stehen den bewerbenden Kurzfilmen noch kritisch gegenüber. "Das liegt aus meiner Sicht an überkommenen Vorstellungen und daran, dass die derzeitigen HR-Leute oft noch aus der Nicht-Internetgeneration stammen", sagt Karriereexpertin Svenja Hofert.
Bewerbungsvideos bedeuten einen Umbruch im herkömmlichen Rekrutierungsprozess und kosten den Personaler Zeit. So besteht für den Bewerber die Gefahr, dass das Video gar nicht angeschaut wird.
Bewerbungsvideo kein Ersatz für die Bewerbungsmappe
Das Bewerbungsvideo ist kein Ersatz für die klassische Bewerbungsmappe mit Anschreiben und Lebenslauf, sondern ein Zusatz. Es soll allein die Persönlichkeit des Bewerbers zum Ausdruck bringen. Die Länge des Videos sollte zwei Minuten nicht überschreiten. Schließlich geht es darum, dem Personaler zusätzlich zu den Fakten auf Papier ein Bild der Person zu vermitteln. In den zwei Minuten sollte der Bewerber dem Unternehmen seine Motivation und Karriereziele mitteilen und neben universitären Leistungen auch berufsrelevante Erfahrungen nennen.
Vorteilhaft im kreativen Bereich und der Medienbranche
Bewerbungsvideos eignen sich vor allem für Bewerber, die in ihrem zukünftigen Job in kreativen Bereichen der Medienbranche arbeiten wollen. Noch sind diese aber auch dort eine Ausnahme, wie Silke Walz von Hubert Burda Media bestätigt, die Bewerbungsvideos positiv gegenübersteht: "Es ist eine witzige Abwechslung und eine schöne Ergänzung zur eigentlichen Bewerbungsmappe. Der Bewerber signalisiert damit, dass er sich mit den Neuen Medien auskennt, was besonders im crossmedialen Bereich von Vorteil ist." Der Bewerber sollte aber immer erkennen lassen, weshalb er seiner Bewerbung ein Video beifügt. Zeitaufwendige und konzeptlose Videos finden wenig Anklang.
Finanzbranche setzt weiterhin auf Online-Bewerbung
In der Finanzbranche dagegen bieten Bewerbungsvideos wenig Nutzen und sind kaum verbreitet, wie Lukas Vonesch, Head Campus Recruiting Schweiz bei Credit Suisse, berichtet. "Wir verschaffen uns mittels schriftlichem Dossier des Bewerbers einen ersten Eindruck zu folgenden Eckdaten: Studienschwerpunkt, Studienleistung, Praxiserfahrungen und Berufswunsch. Der persönliche Eindruck ist für uns ebenfalls sehr wichtig. Wir bevorzugen jedoch das persönliche Gespräch am Telefon."
Besser beim Unternehmen nachfragen
Wer ein Bewerbungsvideo nutzen möchte, sollte sich vorab bei dem Unternehmen erkundigen, ob dies erwünscht ist. Speziell Bewerber, die aufgrund schlechter Noten oder einer unvorteilhaften Studienwahl auf ihre Persönlichkeit und Fähigkeiten aufmerksam machen wollen, können von einem Video profitieren.
"Auch für Auslandsbewerbungen ist es ideal, schließlich schicke ich die erste Vorstellung gleich mit", so Hofert. Der Einsatz eines Bewerbungsvideos sollte daher gut durchdacht sein, denn bis Videos als gängige Bewerbungsmaßnahme akzeptiert sind, wird es noch dauern. "Für die junge Generation sind Videos normal - und die werden die alte Garde schließlich irgendwann ersetzen", meint Svenja Hofert. "Die USA sind ca. drei, vier Jahre weiter als wir - das wird auch zu uns schwappen.
Autorin: Eva Schenkelberg

