Praktikum in den USA: Erfahrungsbericht
Meike Mittmeyer (22) studiert Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt. Von August bis Dezember 2008 war sie in Chicago und hat dort als Praktikantin für das Goethe-Institut gearbeitet.

- Maike Mittmeyer war für vier Monate als Praktikantin in Chicago.
Was hat Sie an einem Praktikum in den Vereinigten Staaten gereizt?
Ich war ein paar Mal in den USA im Urlaub und fand dieses Land schon immer faszinierend – auch, weil es sich so sehr von dem unterscheidet, was ich von zu Hause gewohnt bin. Ich bin in einem kleinen Dorf im Grünen groß geworden, da war eine amerikanische Großstadt der größtmögliche Kontrast.
Was ist wichtig für die Vorbereitung eines Auslandspraktikums?
Das Wichtigste ist, sehr früh mit den Vorbereitungen anzufangen. Ein Jahr vor geplantem Beginn des Praktikums mindestens. Es muss sehr viel Papierkram erledigt werden. Als erstes sollte man nach einer geeigneten Praktikumsstelle suchen. Ich habe mich direkt bei den Firmen beworben, die für mich interessant waren. Wenn man eine Stelle hat, geht es weiter mit einer Austauschorganisation, bei mir war es Travel Works, die einen beim weiteren Prozess wie der Beantragung des Visums begleitet. Ein Visum bekommt man ohne solch eine Organisation heutzutage gar nicht mehr, die amerikanischen Behörden sind da sehr streng.
Meine Wohnung musste ich mir selbst organisieren. Das nimmt Zeit in Anspruch. Auch sollte man sich früh um finanzielle Hilfen bemühen. Die meisten Praktika sind unbezahlt und in amerikanischen Großstädten ist das Leben – auch bei einem guten Dollarkurs – nicht gerade günstig. Generell gilt, dass jeder gute Chancen auf ein Stipendium fürs Ausland hat, wenn man sich früh darum bemüht. Dabei sollte man auch die Hilfe des Auslandsbüros an der eigenen Hochschule nutzen.
Was würden Sie Praktikanten für ihren Auslandsaufenthalt raten?
Wir haben immer das Gefühl, dass die USA uns recht ähnlich sind, weil amerikanische Marken, Filme und Produkte hier allgegenwärtig sind. Aber wer mal drüben ist, um dort zu arbeiten und nicht nur Urlaub zu machen, merkt, dass vieles anders läuft als bei uns. Man sollte sich auf die Kultur einlassen, sich unters Volk mischen, auf Veranstaltungen gehen und mit offenen Augen durch die Welt laufen. Deshalb war es mir auch wichtig, eine amerikanische Mitbewohnerin zu haben. Es gibt Plattformen und Netzwerke, wo sich Deutsche zu WGs in den USA zusammenfinden können, davon würde ich aber abraten.
Wie waren das Leben und der Alltag in Chicago?
Ich war während der heißen Phase des Wahlkampfs für die Präsidentschaftswahl in Chicago. Die Spannung war überall im Alltag zu spüren. Nicht nur wegen der Obama-T-Shirts und -Plastikfiguren in den Schaufenstern. Man spürte die Aufbruchstimmung und Begeisterung, die jede alltägliche Unterhaltung prägten.
Ansonsten war das Leben für mich sehr schnell und hektisch. Chicago ist eine riesige Stadt mit vielen Geschäftsleuten. Ich hatte manchmal das Gefühl, die Zeit vergeht schneller, so als hätte jemand auf die Fast-Forward-Taste gedrückt. Ich arbeitete viel und mit der Zeit merkte ich, dass ich Teil dieser riesigen Masse wurde, die jeden Tag mit der U-Bahn ins Stadtzentrum drängte. Es war, als hätte ich für vier Monate das Leben eines anderen übernommen.
Was haben Sie dort am meisten vermisst?
Meine Familie und Freund haben mir am meisten gefehlt. Ich bin ein sehr heimatverbundener Mensch. Aber die räumliche Trennung von zu Hause gab mir die Möglichkeit, viel über mich selbst zu lernen.
Ansonsten hat mir diese „europäische Romantik“ sehr gefehlt. Also sich zum Beispiel Zeit zu nehmen für ein ausgedehntes Frühstück oder Abendessen, ohne auf die Uhr zu sehen. Meine Mitbewohnerin konnte sich gar nicht vorstellen, dass ich zu Hause stundenlang mit Freunden im Biergarten zusammensitze. Sie erzählte mir, dass sie sich manchmal mit ihren Arbeitskollegen zum Kaffeetrinken treffe, um die Beziehungen zu pflegen. Diese Treffen dauern aber nicht länger als 15 Minuten.
Und ich vermisste leckeres deutsches Körnerbrot. Eine liebe Amerikanerin, die ich bei meiner Arbeit im Goethe-Institut kennen gelernt habe, hat mir nach der Hälfte meines Praktikums ein Körnerbrot von einer österreichischen Bäckerei in Illinois mitgebracht. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Stück Brot mit Butter so glücklich machen könnte.
Datum: 7/09
Autor: Stefanie Blum
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